SEPA Instant auf dem Weg zum Massenverfahren im europäischen Zahlungsverkehr

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Die Studie prognostiziert, dass SEPA Instant bis 2035 rund 18 Prozent aller Zahlungsvolumina im Euroraum ausmachen wird. Treiber dieser Entwicklung sind insbesondere regulatorische Vorgaben, allen voran die EU-Verordnung zu Echtzeitzahlungen, die eine flächendeckende Einführung und Nutzung von Instant Payments vorschreibt. Ziel der Regulierung ist es, Echtzeitzahlungen als Standardverfahren im europäischen Zahlungsverkehr zu etablieren. Ab Juli 2027 müssen Banken, E-Geld-Institute (Electronic Money Institutions, EMIs) und Zahlungsinstitute (Payment Institutions, PIs) europaweit in der Lage sein, Instant-Zahlungen in Euro zu senden und zu empfangen. Dies gilt auch für Institute außerhalb des Euroraums. Zudem dürfen für Echtzeitüberweisungen keine höheren Entgelte erhoben werden als für herkömmliche SEPA-Überweisungen.
Die Studie zeigt, dass Banken bei der Umsetzung der regulatorischen Anforderungen deutlich weiter sind als viele Nicht-Banken. Rund 55 Prozent der befragten Kreditinstitute erfüllen die Anforderungen der kommenden SEPA-Instant-Vorgaben bereits heute. Fast alle Banken gehen davon aus, die regulatorischen Fristen einhalten zu können. Demgegenüber rechnen etwa 20 Prozent der EMIs und PIs damit, die Frist im Sommer 2027 um drei bis sechs Monate zu verfehlen. Diese Unterschiede verdeutlichen strukturelle Unterschiede in den jeweiligen Geschäftsmodellen sowie im Grad der technischen und organisatorischen Vorbereitung auf Echtzeitzahlungen.
Deutliche Unterschiede bei Investitionen und Innovationsfähigkeit
Auch bei den Investitionsvolumina zeigt sich ein klares Gefälle zwischen Banken und Nicht-Banken. 61 Prozent der befragten Banken erwarten, für die Umsetzung der SEPA-Instant-Anforderungen mehr als 20 Millionen Euro aufzuwenden. Knapp ein Viertel rechnet sogar mit Investitionen zwischen 50 und 100 Millionen Euro, einschließlich laufender Betriebskosten. EMIs und Zahlungsinstitute kalkulieren hingegen deutlich geringere Budgets. Die Mehrheit geht von Ausgaben unterhalb von 10 Millionen Euro aus. Diese Unterschiede spiegeln sich laut Studie auch in der Innovationsdynamik wider. Während mehr als drei Fünftel der befragten Geschäftsbanken bereits gemeinsam mit Unternehmenskunden an neuen Anwendungsfällen für Echtzeitzahlungen arbeiten, trifft dies nur auf etwa ein Viertel der EMIs zu. Die Autoren der Studie sehen hierin einen möglichen Wettbewerbsnachteil für Institute, die sich auf reine Compliance beschränken und keine weitergehenden Mehrwertdienste rund um Instant Payments entwickeln.
Die eigentlichen Gewinner werden jene Unternehmen sein, die über reine Compliance hinausgehen und innovieren, um nahtlose, sichere und intelligente Zahlungserlebnisse zu schaffen – bei denen sich Geld ebenso schnell bewegt wie Informationen und Banking tatsächlich in Echtzeit stattfindet.“
Ezequiel Canestrari, COO von ClearBank Europe
Ein weiterer zentraler Befund der Studie betrifft den Zugang zu den SEPA-Clearing-Systemen. Durch Änderungen an der Settlement-Finality-Richtlinie erhalten EMIs erstmals die Möglichkeit, direkt an SEPA-Zahlungssystemen teilzunehmen. Rund 41 Prozent der befragten EMIs geben an, diesen Schritt in Erwägung zu ziehen, zwölf Prozent haben den direkten Zugang bereits realisiert. Diese Entwicklung erhöht den Wettbewerbsdruck auf bisherige Partnerbanken. Laut Studie würden bis zu 78 Prozent der EMIs und Zahlungsinstitute einen Wechsel ihres Bankpartners in Betracht ziehen, falls die angebotenen SEPA-Instant-Dienstleistungen nicht den eigenen Anforderungen entsprechen. Der direkte Zugang zu Clearing-Systemen könnte damit bestehende Rollenverteilungen im Zahlungsverkehr nachhaltig verändern.
Echtzeitzahlungen als Grundlage für weitere Marktverschiebungen

maxxyustas / Bigstock
Über die regulatorischen Effekte hinaus rechnen die Studienautoren mit zusätzlichen Impulsen durch technologische Entwicklungen. Dazu zählen unter anderem automatisierte, agentenbasierte Zahlungsvorgänge, neue Formen des digitalen Handels sowie die mögliche Integration von Stablecoins in bestehende Zahlungsketten. In diesem Kontext könnten klassische Überweisungen langfristig an Bedeutung verlieren. Celent modelliert ein Szenario, in dem ein Teil der heutigen Karten- und Lastschriftzahlungen sowie nahezu alle klassischen SEPA-Überweisungen auf Instant Payments migrieren. In diesem Fall könnten die Transaktionsvolumina von SEPA Instant bis 2035 auf mehr als 90 Milliarden Zahlungen pro Jahr anwachsen.
Die Echtzeitabwicklung entwickelt sich zunehmend zum Regelfall statt zur Ausnahme. Diese Konvergenz treibt die Entwicklung von Open Banking hin zu Open Finance voran und eröffnet neue Anwendungsfälle in den Bereichen Zahlungsverkehr, Kreditvergabe und Treasury. Institute, die jetzt in hochwertigen Datenzugang und eine belastbare Instant-Payment-Infrastruktur investieren, werden am besten positioniert sein, um die nächste Wertschöpfungswelle zu erschließen.“
Martijn Bos, European Policy Lead bei Plaid
Insgesamt zeigt die Studie, dass SEPA Instant nicht nur eine regulatorische Pflicht darstellt, sondern das Potenzial hat, den europäischen Zahlungsverkehr strukturell zu verändern. Für Finanzinstitute entsteht daraus gleichermaßen Handlungsdruck und strategischer Gestaltungsspielraum – insbesondere mit Blick auf Effizienz, Wettbewerb und neue digitale Zahlungsmodelle.tw
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