ANWENDUNG17. März 2026

Studie: Nicht-Banken gewinnen im Firmengeschäft an Bedeutung

Ein Smartphone zeigt ein Finanzdiagramm mit Kerzencharts, das auf steigende und fallende Kurse hinweist. Diese Darstellung verdeutlicht die wachsende Bedeutung von Nicht-Banken im Firmengeschäft und deren Einfluss auf die Finanzmärkte.
Canva, Jakub Zerdzicki

Der aktuelle World Corporate und Investment Banking Report von Capgemini zeigt: 85 Prozent der Firmenkunden wollen in den nächsten 12 Monaten auf Nicht-Bank-Finanzinstitute ausweichen. Grund dafür seien steigende Kundenerwartungen und ein unzureichender technologischer Fortschritt bei traditionellen Banken.

Kunden im Corporate und Investment Banking erwarten laut den Studienautoren Echtzeit-Reaktionsfähigkeit (58 Prozent), personalisierte Betreuung (49 Prozent) und neue Lösungen (40 Prozent). Nur 23 Prozent seien der Meinung, Corporate und Investment Banken (CIBs) würden diese Anforderungen derzeit erfüllen.

Viele würden stattdessen bemängeln, dass CIBs nur eine begrenzte Integration mit ERP- und Treasury-Systemen böten. Das mache manuelle Workarounds erforderlich (92 Prozent) und es fehle ihnen an Personalisierung und Flexibilität (89 Prozent). Zudem seien ihre Fähigkeiten im Bereich der fortgeschrittenen Analytik und Prognose unzureichend (68 Prozent).

Die Grafik illustriert die Meinungen zur Rolle von Künstlicher Intelligenz im Zahlungsverkehr. Die Mehrheit der Befragten sieht Potenzial für Nicht-Banken, um Zahlungsprozesse zu optimieren und die Kundenerfahrung zu verbessern.
Capgemini

Was die Studie außerdem zeigt: Führungskräfte im CIB-Bereich berichten, aktuelle Innovationsprogramme liefern nicht die erwarteten Ergebnisse. 82 Prozent geben an, dass diese Bemühungen nicht zu Umsatzsteigerungen durch neue Produkte führen. 51 Prozent der Befragten sagen, dass sie nicht die erwarteten Kosteneinsparungen gebracht haben. Angesichts steigender Kundenerwartungen gestehen sich Banken laut der Studie ein, nur über begrenzte Möglichkeiten zu verfügen, darauf zu reagieren.

Ein weiteres Ergebnis: Führungskräfte geben an, dass derzeit nur 29 Prozent ihrer IT-Budgets für transformative Technologien aufgewendet werden. 43 Prozent hingegen für den Betrieb und die Wartung von Altsystemen. Darüber hinaus geben 61 Prozent der Führungskräfte im CIB-Bereich an, durch hohe Compliance-Kosten eingeschränkt zu sein.

Womit sich CIB-Führungskräfte schwerpunktmäßig befassen

Trotz struktureller Herausforderungen erweiterten die Banken ihr Produkt- und Dienstleistungsportfolio, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Führungskräfte im CIB-Bereich legen den Schwerpunkt auf:

  • Echtzeit-Treasury-Funktionen für grenzüberschreitende Zahlungsströme (77 Prozent)
  • Marktprodukte mit Künstlicher Intelligenz für den algorithmusbasierten Handel, wie etwa KI-gesteuertes Hedging sowie Research- und Analyse-Insights (65 Prozent)
  • Tokenisierte Produkte, um durch digitale Verwahrung, Token-Ausgabe und Premium-Dienstleistungen neue Einnahmequellen zu erschließen (51 Prozent)
Die Grafik präsentiert Umfrageergebnisse zur Rolle von Künstlicher Intelligenz im Zahlungsverkehr. Die Mehrheit der Befragten sieht Potenzial für Nicht-Banken, um kostengünstige und benutzerfreundliche Zahlungsoptionen anzubieten.
Capgemini

Der Studie zufolge müssen CIBs an mehreren Fronten gleichzeitig vorgehen, um sich dem Wettbewerbsdruck anzupassen. Banken müssten ihre Betriebsmodelle kritisch hinterfragen, um eine reibungslosere Customer Journey zu ermöglichen, ihre Daten- und Technologiegrundlagen neu aufbauen, um die Geschwindigkeit zu verbessern und KI-Governance in alle wichtigen Entscheidungen einbetten.

Ebenso wichtig sei das Vertrauen der Kunden, das sich CIBs durch jahrzehntelange regulatorische Verlässlichkeit aufgebaut hätten. Dies stelle jedoch im Hinblick auf KI-getriebene Innovationen weiterhin eine zentrale Herausforderung dar. Viele Kunden (89 Prozent) stellten die Verlässlichkeit KI-generierter Ergebnisse für Bankdienstleistungen infrage. Dies unterstreiche, warum Transparenz der Schlüssel zu Vertrauen sei.

Andreas von Kahlen, Leiter Corporate and Investment Banking bei Capgemini Invent in Deutschland, präsentiert sich in einem schwarzen Pullover vor einem dunklen Hintergrund. Sein Ausdruck vermittelt Selbstbewusstsein und Professionalität, was die Bedeutung von Vertrauen im Finanzsektor unterstreicht.
Capgemini

Nicht-Banken schließen die Wettbewerbslücke zu etablierten Corporate und Investmentbanken. Die Kundenanforderungen haben sich dramatisch verändert. Obwohl Corporate und Investmentbanken stark in KI investiert haben, tun sich viele schwer, über die Pilotphase hinauszukommen. Ein wichtiger Grund dafür ist Governance. Nur 26 Prozent der Banken arbeiten mit einer zentralisierten KI-Governance, was Teams zögern lässt, geschäftskritische Prozesse zu automatisieren.“

Andreas von Kahlen, Leiter Corporate and Investment Banking bei Capgemini Invent in Deutschland

Um erfolgreich zu sein, müssten Banken einen disziplinierten Ansatz verfolgen: Unternehmensweit skalierbare Plattformen schaffen und ein Ökosystem aus vertrauenswürdigen Partnern aufbauen. Frühe Anwender würden konkrete Vorteile in Form einer stärkeren Kundenbindung, höherer Gebühreneinnahmen und deutlich geringerer Kosten erzielen, betont von Kahlen.

Laut Capgemini (Website) stützt sich der World Corporate and Investment Banking Report 2026 auf die Perspektiven von 750 Führungskräften aus dem Bereich Corporate und Investment Banking mit einem Jahresumsatz von mindestens 1 Milliarde US-Dollar.

Der World Corporate und Investment Banking Report 2026 kann hier nach Eingabe der Kontaktdaten heruntergeladen werden.dw

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