STUDIEN & UMFRAGEN27. Januar 2026

Tankstellen: girocard verliert gegen New Debit

An den Tankstellen in Deutschland haben die Kunden im Jahr 2025 nur noch 24,3 Prozent des Umsatzes mit Bargeld bezahlt (2024: 24,6%). Debitkarten legten um einen Prozentpunkt auf 45,8 Prozent zu. Kreditkarten kamen auf 10,4 Prozent (2024: 10,2%). Heißt: An deutschen Tankstellen wird immer weniger bar bezahlt und auch die günstige girocard verliert an Tankstellen weiter an Boden.

von Frank Braatz

Zum Vergleich: Im Einzelhandel lag der Bargeldanteil am Umsatz 2024 laut EHI im Durchschnitt bei 33,8 Prozent. Der fortgesetzte Rückgang des Bargeldanteils an Tankstellen dürfte auf den allgemein zu beobachtenden starken Trend zurückzuführen sein, auch kleinere Einkaufsbeträge per Karte zu bezahlen.

Die Grafik illustriert die Umsatzanteile an Tankstellen im Jahr 2025. Debitkarten dominieren mit 45,8%, gefolgt von Barzahlungen mit 24,3%, Tankkarten mit 17,7% und Kreditkarten mit 10,4%.
Umsatzanteile an Tankstellen 2025GPT; Datenquelle: stolte consult

Vom Trend zu bargeldlosen Zahlungen profitieren vor allem Debitkarten und hier besonders Debit Mastercard und Visa Debit (New Debit). Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Direktbanken sowie einige Privatbanken inzwischen standardmäßig zu ihren Girokonten nur noch reine Mastercard oder Visa Debitkarten ausgeben und girocards nur auf ausdrücklichen Kundenwunsch und gegen zusätzliche Gebühren.

Das girocard-Verfahren der Deutschen Kreditwirtschaft konnte im vergangenen Jahr noch gut 73,3 Prozent vom gesamten Debitkarten-Umsatz für sich verbuchen – ein Rückgang um 2,7 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. 2022 hatte der Marktanteil der girocard noch bei gut 90 Prozent gelegen. Visa Debit kam auf 11,4 Prozent (2024: 10,1%) und Debit Mastercard auf 6,6 Prozent (2024: 5,8%).

Relativ stabil ist der Umsatzanteil von ec-Lastschrift mit 5,4 Prozent (Vorjahr: 5,3%).

Vom Kreditkartenumsatz entfielen im vergangenen Jahr 50 Prozent auf Mastercard, 41,2 Prozent auf Visa und 8,6 Prozent auf American Express.

Die Grafik illustriert die Entwicklung der Zahlungsarten an Tankstellen von 2014 bis 2025. Deutlich erkennbar ist der Anstieg der Nutzung von Debitkarten, während Barzahlungen und andere Zahlungsmethoden stagnieren oder leicht zurückgehen.
stolte consult
Mobile Fueling oder Pay at Pump, sei es über die Apps der Tankstellenbetreiber oder über Drittanbieter wie Pace oder ryd, spielt mit einem Umsatzanteil von 0,37 Prozent (2024: 0,33%) weiterhin keine bedeutende Rolle an Tankstellen.

Die Daten zu den Zahlungsarten an Tankstellen hat der Branchenarbeitskreis des UNITI Bundesverbandes EnergieMittelstand erhoben. Beteiligt haben sich diesmal Unternehmen, die zusammen fast 12.900 Tankstellen und damit mehr als 90 Prozent aller Stationen in Deutschland betreiben. Unterstützung kam außerdem von eurodata sowie von einigen Netzbetreibern und Acquirern. Jens Stolte (stolte consult) präsentierte die Daten traditionsgemäß beim Uniti Mobility Payment Forum Mitte Januar in Hamburg in seiner Rolle als Sprecher des Branchenarbeitskreises.

 

Frank Braatz, Payment-Experte von<br />IT Finanzmagazin<q>ITFM</q>
Frank Braatz, Payment-Experte von
IT FinanzmagazinITFM

Kommentar: Tankstellenbetreiber in der Zwickmühle

An den Tankstellen in Deutschland geht der Umsatzanteil der girocard immer weiter zurück, während der Umsatzanteil von Debit Mastercard und Visa Debit immer weiter steigt.

Das bringt die Tankstellenbetreiber in eine Zwickmühle.

Denn einerseits haben vor allem die großen internationalen Unternehmen kein besonders ausgeprägtes Interesse an nationalen Zahlungsverfahren …“

mit ihren jeweils individuellen Regeln für Zulassung und Abwicklung. Internationale Verfahren mit einheitlichen Regeln können da deutliche Entlastungen in der Administration bringen.

Andererseits ist die girocard (fast) unschlagbar kostengünstig.“

Das liegt daran, dass sie durch die EU-Interchange-Vorgabe von maximal 0,2 Prozent bei Debitkarten und die vom Bundeskartellamt zusätzlich auferlegte Pflicht zu individuellen Verhandlungen doppelt reguliert ist. Dass die Deutsche Kreditwirtschaft neuerdings – wie zu hören ist – von den Netzbetreibern für die girocard eine Art Scheme Fee verlangt (die zudem offenbar uneinheitlich an deren Händler weitergegeben wird), scheint zwar ein falsches Signal zum falschen Zeitpunkt zu sein aber den Kostenvorteil in keiner Weise zu gefährden, insbesondere nicht gegenüber den von der Regulierung nicht erfassten Commercial Debit Cards der internationalen Schemes.

Branchenkenner gehen davon aus, dass eine Transaktion mit einer Debitkarte von Mastercard oder Visa an einer Tankstelle mehr als doppelt so hohe Kosten verursacht als eine girocard-Transaktion.

Einen Ausweg aus der Zwickmühle zwischen nationalen und internationalen Zahlungsverfahren könnte eventuell die European Payments Initiative EPI mit ihrer digitalen Wallet „Wero“ schaffen.Frank Braatz, IT Finanzmagazin

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