SCHWERPUNKT11. Mai 2026

Von der Technikinsel zum Datenraum: Das LBBW-Rechenzentrum im KI-Zeitalter

Schwerpunkt: Rechenzentren & Digitale Souveränität
Dr. Jürgen Harengel, Bereichsvorstand IT der LBBW, präsentiert sich in formeller Kleidung. Der Hintergrund deutet auf eine moderne Umgebung hin, die mit den Herausforderungen und Innovationen im Bereich Rechenzentrum und digitale Souveränität in Verbindung steht.
Dr. Jürgen Harengel, Bereichsvorstand IT, LBBW LBBW

Moderne IT-Landschaften stehen vor der Herausforderung, Stabilität, Regulierung und wachsende Cyberrisiken mit hohem Innovations­tempo und Skalierbarkeit zu vereinen. Die Antwort darauf liegt in einem sinnvoll orchestrierten Multiprovider-Modell.

von Dr. Jürgen Harengel, Bereichsvorstand IT bei der LBBW

In einer Zeit, in der geopolitische Spannungen, Regulierung und technologische Sprünge gleichzeitig auf die Finanzindustrie einwirken, ist die IT das Herzstück unternehmerischer Handlungsfähigkeit. Es ist das Gebot der Stunde, weiterhin eine Architektur zu gestalten, die Stabilität, Souveränität, Wahlfreiheit und Innovationskraft zugleich ermöglicht – unter strengen regulatorischen Vorgaben und hoher Kundenerwartung.

Um diesen Anforderungen nachzukommen setzen Unternehmen, insbesondere in der Finanzbranche, vermehrt auf eine Multiprovider-Strategie, ein komponiertes Gefüge aus klassischen und modernen Rechenzentren, Hyperscaler-Clouds, Software-as-a-Service-Angeboten und einem leistungsfähigen Mainframe. Eine Multiprovider-Strategie orchestriert diese Welten gezielt:

Rechenzentren bieten Kontrolle und Stabilität als Fundament, Hyperscaler liefern Skalierbarkeit und Innovationskraft, SaaS reduziert Betriebsaufwand durch standardisierte Leistungen, Mainframes sichern hochkritische Kernprozesse, etwa im Zahlungsverkehr.“

Doch nur wenn Datenflüsse, Schnittstellen und Governance Ende-zu-Ende konzipiert sind, wird aus diesem Gefüge kein Flickenteppich, sondern ein schlüssiges Gesamtbild mit spürbarem Nutzen für Kunden.

Souveränität als Leitprinzip

Je größer die Provider-Vielfalt und je volatiler das geopolitische Umfeld, desto wichtiger wird ein fester Anker: lokale Souveränität. Gerade Finanzdienstleister müssen die Hoheit über Daten, Prozesse und Abhängigkeiten jederzeit wahren. Offene Standards, portierbare Architekturen und klar definierte Exit-Strategien sind dafür unerlässlich und heute Pflichtbestandteil jedes IT-Projekts.

Souveränität erschöpft sich dabei nicht in technischen und vertraglichen Optionen: Regulatorische Anforderungen sind zentral, und es gilt, bestehende Vendoren Lock-Ins durch De-Concentration bewusst aufzulösen. Entscheidend sind Transparenz, Auditierbarkeit und klare Verantwortlichkeiten über alle Provider hinweg – sie ziehen die Linie zwischen einer schwer durchschaubaren Provider-Landschaft und einer nutzenstiftenden IT-Architektur.

Autor Dr. Jürgen Harengel, LBBW
Dr. Jürgen Harengel, Bereichsvorstand IT bei der LBBW, präsentiert sich in einem professionellen Umfeld. Der Fokus liegt auf der strategischen Bedeutung von Rechenzentren im Kontext der digitalen Souveränität und Künstlichen Intelligenz.Dr. Jürgen Harengel ist seit Juli 2024 Bereichsvorstand IT bei der LBBW (Webseite) und verantwortet konzernweit die IT. Zuvor leitete der Diplom-Wirtschaftsinformatiker den Zentralbereich Unternehmenskunden der LBBW. Bis 2019 war Harengel 26 Jahre lang in verschiedenen Positionen der Deutschen Bank tätig.

Im Multiprovider-Modell wird das Rechenzentrum zum strategischen Taktgeber – nicht als Gegenpol zu Cloud oder SaaS, sondern im Zusammenspiel aller Landing Zones. Der fachliche Anspruch, insbesondere an Souveränität, ist dabei richtungsweisend. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die Betreiber: Im Zentrum steht ein Höchstmaß an Compliance – inklusive Nachweisbarkeit, definierter Datenlokation in geeigneten Rechtsräumen und Transparenz über Betriebsprozesse. Sicherheit ist und bleibt die Priorität Nummer eins: Zero Trust, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und durchgängiges Identity- und Access-Management sind die notwendige Basis für alles andere.

Zugleich muss das Rechenzentrum technologisch konsequent API-fähig sein. Die Zeiten abgeschotteter „Technikinseln“ sind vorbei, Rechenzentren müssen sich mit Hyperscalern, SaaS-Lösungen und Mainframe-Umgebungen verbinden. Das Rückgrat bilden standardisierte Schnittstellen, leistungsfähige Netze und auch hier ein maximales Sicherheitsniveau.

Das Rechenzentrum als Schlüssel für KI-Fähigkeit

Doch seine Stärke entfaltet das souveräne Rechenzentrum erst im Kontext von KI: Es wird zum geschützten Datenraum, in dem sensible Informationen für Trainings- und Analysezwecke genutzt werden können – ein sicherer Hafen für wertvolle Datenbestände. Gleichzeitig ermöglicht die Integration mit Cloud-Plattformen, rechenintensive Workloads flexibel auszulagern. So entsteht eine hybride KI-Architektur, in der sich Datenhoheit und Innovations­geschwindigkeit gegenseitig verstärken. Wer das Rechenzentrum heute also nur als Infrastrukturprovider versteht, verschenkt Potenzial – es ist der strategische Schlüssel zu Souveränität, Integration und datengetriebener Innovation.Dr. Jürgen Harengel, LBBW/dk

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