„Die Kultur des Zahlens“: Inst, Wallets & Co existieren künftig parallel

BearingPoint
von Christian Bruck, Partner BearingPoint
Digitale Zahlmethoden wachsen rasant. Kartenzahlungen und Mobile Payments erreichen in fast allen Ländern neue Höchststände, kontaktloses Bezahlen ist Standard. Dennoch: Österreich und Deutschland bleiben bargeldaffin. Dort greifen Verbraucher deutlich häufiger zu Bargeld als in anderen Ländern. Ganz anders Nordeuropa: In Schweden, Dänemark und Finnland ist die Karte längst das dominierende Zahlungsmittel, Bargeld spielt nur mehr eine Nebenrolle.
Innovationsgrad: Europa driftet auseinander
In der BearingPoint Studie wird ein entwickelter Innovationsindex genutzt, welcher länderspezifische Unterschiede aufzeigt. Länder wie Australien, China, das Vereinigte Königreich oder die Schweiz gelten demnach als besonders fortschrittlich durch zum Beispiel moderne Infrastruktur und hohe Akzeptanz mobiler Zahlmethoden.
Deutschland landet im unteren Feld des Innovationsindex, zum Beispiel aufgrund einer im Vergleich geringeren Nutzung von mobilen-Wallet-Systemen.“
Neue Player verändern die Wertschöpfungskette im Zahlungsverkehr
Der Zahlungsverkehr wird zunehmend entbündelt. FinTechs, BigTechs und digitale Plattformen gewinnen an Relevanz und übernehmen Kundenschnittstellen, die früher ausschließlich Banken vorbehalten waren. Dazu kommen API-basierte Geschäftsmodelle, digitale Identitäten und Embedded-Finance-Anwendungen. Banken bleiben wichtige Infrastrukturanbieter, geraten jedoch zunehmend unter Druck, da spezialisierte Anbieter bestimmte Services schneller und nutzerzentrierter bereitstellen.
Regulierung: Motor und Bremse zugleich
Christian Bruck ist Partner im Bereich Financial Services bei BearingPoint (Webseite). Sein Schwerpunkt liegt in der Strategie-, Prozess- und Implementierungsberatung in Zahlungsverkehrsthemen und im Transaction Banking. Er leitet firmenweit das BearingPoint Team für Zahlungsverkehr. Zudem ist er Vorsitzender des Westhafen Expertendialogs Instant Payments. Der Westhafen-Expertendialog ist darauf ausgerichtet, Fragen zu klären und bei Bedarf auf die Definition von Best Practices in der Branche hinzuarbeiten.Mit PSD3, PSR, MiCA, DORA und der EU-Verordnung zu Instant Payments entsteht der umfassendste Regulierungsrahmen, den der europäische Zahlungsverkehr bisher erlebt hat. Ziel ist die Stärkung der digitalen Souveränität Europas, mehr Wettbewerb und höhere Sicherheit. Gleichzeitig bindet diese Regulierungsdichte erhebliche Ressourcen – vor allem bei Banken und Zahlungsdienstleistern. Innovation und Compliance müssen parallel gelingen, was den Transformationsdruck erhöht.
Digitaler Euro: moderates, aber relevantes Potenzial im Zahlungsverkehr
Etwa ein Drittel der Europäer würde einen Digitalen Euro nutzen – besonders für Online-Shopping, Peer to Peer Zahlungen und Behördenkontakte. Auffällig: Das Vertrauen in Banken ist deutlich höher als in Technologieunternehmen. Die Mehrheit würde Transaktionsdaten bevorzugt einem Kreditinstitut anvertrauen. Damit wird der digitale Euro eher als Ergänzung denn als Ersatz bestehender Verfahren gesehen.
Ausblick: Ein hybrides und unsichtbarer werdendes Zahlungssystem
Der Zahlungsverkehr der Zukunft wird hybrid. Bargeld, Karten, Wallets, Instant Payments und digitale Zentralbankwährungen werden koexistieren. Zugleich wird Bezahlen immer stärker im Hintergrund verschwinden – integriert in Geräte, Apps und Abläufe. Für Banken, FinTechs und Händler bedeutet das: Zahlungsverkehr ist kein Nebenprozess mehr, sondern ein strategischer Kern. Wer technologischen Fortschritt, regulatorische Anforderungen und Kundenzentrierung zusammenführt, wird im künftigen Payment Ökosystem die entscheidenden Rollen spielen. Christian Bruck /BearingPoint/dk
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