MEINUNG21. Apr. 2016

Carl-Ludwig Thiele fordert Banken und Sparkassen auf, giropay zugunsten von paydirekt sterben zu lassen

Bundesbank
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Carl-Ludwig Thiele, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, hat gestern zur Zukunft des Zahlungsverkehrs (an der Hochschule der Deutschen Bundesbank) an Banken und Sparkassen appelliert, sich für ein Zahlverfahren zu entscheiden – und giropay zugunsten von paydirekt sterben zu lassen. Er sagt aber auch, das giropay genutzt werde. Hier Ausschnitte seiner Rede.

von Carl-Ludwig Thiele, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank

Welche Zahlungsmethoden werden im E-Commerce gerne genutzt

Gegenüber „klassischen“ Zahlungsinstrumenten wie der Überweisung, Lastschrift oder Kartenzahlung haben Internetbezahlverfahren kräftig aufgeholt. Innerhalb von drei Jahren hat sich die Anzahl derer, die diese Zahlungsmethoden nutzen, nahezu verdoppelt. Mehr als die Hälfte der von der Bundesbank Befragten gab im Jahr 2014 an, Internetbezahlverfahren zu nutzen.

Die laut der Studie am häufigsten eingesetzten sind PayPal, SOFORT Überweisung und giropay.“

PayPal wurde bereits im Jahr 1998 gegründet, SOFORT Überweisung und giropay können seit 2005 genutzt werden. Das ist so lange her, dass noch niemand an den Begriff FinTech dachte.

Die neuen Zahlungsmethoden für das Bezahlen on- und offline

Es lassen sich drei Bereiche mit Innovationen erkennen: Onlinehandel, stationärer Handel und sogenannte P2P-Zahlungen, „P2P“ steht dabei als Kürzel für „Person-to-Person“. Über verschiedene Kanäle hinweg scheinen sich Smartphone-Apps zu etablieren, die in verschiedenen Einkaufs- bzw. Bezahlsituationen nutzbar sind.

Eine der jüngsten Entwicklungen für das
Bezahlen im E-Commerce ist paydirekt“

Carl-Ludwig Thiele
„Carl-Ludwig Thiele ist ein deutscher Jurist und ehemaliger Politiker (FDP). Er ist seit Mai 2010 Mitglied im Vorstand der Deutschen Bundesbank. Er ist als Vorstandsmitglied dort insbesondere für die Bereiche Bargeld sowie Zahlungsverkehr und Abwicklungssysteme zuständig. Zuvor war er von 1990 bis 2010 Abgeordneter im Deutschen Bundestag. Er war von 2002 bis 2010 stellvertretender Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion.“ (Quelle: Wikipedia)
Mit paydirekt reagiert die Deutsche Kreditwirtschaft auf die hohe Nachfrage nach speziellen Bezahllösungen für den Onlinehandel und versucht, zusätzlichen Wettbewerbern zu begegnen. Die Erfolgsvor­aussetzungen sind im Prinzip gut. Für die Kunden ist das Verfahren attraktiv, da es verspricht, sicherer als andere zu sein. Paydirekt ist ein kreditwirtschaftliches Verfahren. Banken und Sparkassen unterliegen der Bankenaufsicht.

Die Zahlung wird direkt vom eigenen Konto aus beglichen – ohne externe Zwischendienstleister, die Daten über das Kundenverhalten sammeln. Für den Handel könnte paydirekt dann attraktiv sein, wenn die Konditionen günstiger sind als die der Konkurrenz. Bei ihrem Bemühen um die Einführung von paydirekt erfreut sich die Deutsche Kreditwirtschaft zurzeit einer großen Aufmerksamkeit in den Medien. Jeder ihrer Schritte wird skeptisch beäugt, denn sie kommt spät mit ihren Aktivitäten, und immer wieder kommen Unstimmigkeiten zwischen den Beteiligten zum Vorschein.

Mir ist es wichtig zu betonen, dass die deutschen Banken und Sparkassen in diesem Geschäftsfeld ihre Kräfte bündeln und sich konsequent für ein Projekt entscheiden sollten.“

Sicherlich ist am Markt genug Platz für mehrere Verfahren. Aber eine breite Akzeptanz vor allem im Handel ist eine wichtige Erfolgsvoraussetzung im Zahlungsverkehr. Der weitere Ausbau nicht gemeinsamer Verfahren [z.B. giropay] könnte daher vom Handel missverstanden werden. Der Handel wäre sicher dankbar für ein starkes Signal, auf welche Zahlungsmethoden er setzen kann, ohne alle paar Monate umschwenken zu müssen.


Die vollständige Rede von Herrn Carl-Ludwig Thiele können sie hier nachlesen. Einen ausführlichen Kommentar hat Hanno Bender im Bargeldloblog hier „Bundesbank tadelt Paydirekt-Banken“ veröffentlicht.

Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
http://www.it-finanzmagazin.de/?p=29961
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