VOM FINTECH ZUR BANK20. Apr. 2015

Zulassung als Zahlungsinstitut: FinTech Payone erarbeitet sich die „kleine Banklizenz“

Carl Frederic Zitscher und Jan Kanieß - Gründer und Geschäftsführer von PayonePayone
Carl Frederic Zitscher und Jan Kanieß – Gründer und Geschäftsführer von PayonePayone

Payone hat sich erfolg­reich bei der Ba­Fin um ei­ne Zulassung als Zahlungs­in­sti­tut bemüht. Die Lizenz nach dem Zahlungs­dienste­aufsichtsgesetz (ZAG) wird land­läufig auch als „klei­ne Bank­lizenz“ bezeichnet. Payone hält die­se Lizenz nun in den Hän­den – das macht das FinTech zu ei­nem regulier­ten Zahlungs­in­sti­tut. Damit ist es be­rechtigt, Zahlungs­verkehrsdienst­leis­tun­gen zu er­brin­gen, die früher Banken vorbe­hal­ten wa­ren. Doch das ist we­ni­ger ein Angriff auf Banken, als ein auf­schließen zum Mitbewerbern wie zum Beispiel Wirecard, ppro oder in­genico.

Rund 1,5  Jahre hat Payone dafür gearbeitet und Umzugskisten von Dokumenten an die BaFin geliefert. Das Ergebnis: Am 7. Januar erhielt Payone die DIN A4-Urkunde mit drei dürren Zeilen, die das FinTech nun zum Zahlungsinstitut erhebt. Nach 90 Tagen ist es endlich gültig und die Kieler Technologieschmiede ist nun gut auf die kommende PSD2 vorbereitet, die eine solche Regulierung höchstwahrscheinlich vorschreiben wird. Doch das war nicht der eigentliche Treiber, denn „In Zukunft kann der Kunde den gesamten Aufwand – also auch den administrativen Aufwand – an Payone abgeben. Das heißt Payone eröffnet im Namen des Kunden das Konto, fügt Zahlungsarten an und wir können das Ganze relativ schnell machen. Und der Händler muss sich eben nicht selber drum kümmern“, erklärt John Alexander Rehmann, Head of Marketing & Communication der Payone.

Die BaFin-Beantragung hat das Unternehmen schon weit vor der Angliederung an die Sparkassen-Finanzgruppe angestoßen, da es als Service-Aspekt für die Kunden wichtig sei. Erst in zweite Line sei es um die Wettberbsfähigkeit gegenüber anderen Collectings-PSPs gegangen und als drittes um die bevorstehende EU-Regulierung (PSD2), die für Winter 2015/16 im Raum stünde. Vor allem würden aber Händler von den Sicherheitsstandards profitieren, denn als BaFin-reguliertes Zahlungsinstitut müssen Payment-Dienstleistungen über insolvenzsichere Treuhandkonten abgewickelt werden.

Die Prozessgrafik veranschaulicht die Vereinfachung für die KundenPayone
Die Prozessgrafik veranschaulicht die Vereinfachung für die KundenPayone

Durch die Erlaubnis ist Payone in der Lage, zusätzlich zur technischen Verarbeitung und Weiterleitung der Zahlungstransaktionen über die Payone-Plattform auch den kompletten Zahlungsfluss bis hin zur Auszahlung an den Händler zu übernehmen. Mit dem neuen Service kümmere sich das Unternehmen im Hintergrund um die komplexen Aufgaben des Cash-Managements für die nationalen und internationalen Einzelzahlungen. Online-Händler erhielten so für alle Zahlungen zentral von Payone eine gesammelte Auszahlung auf ihr Girokonto. Damit würde insbesondere die derzeit noch aufwendige Administration entfallen.

Angriff auf internationale Geschäftsbanken und spezialisierte Händlerbanken

Payone hat nach eigenen Angaben derzeit mehreren Milliarden Euro Clearingvolumen pro Jahr. Mit der Zulassung als Zahlungsinstitut will man in Bereiche der Wertschöpfung vordringen, die bislang internationalen Geschäftsbanken und spezialisierten Händlerbanken vorbehalten waren. „Die Zulassung als Zahlungsinstitut ist ein wichtiger Meilenstein in der Umsetzung der Unternehmensstrategie von PAYONE. Online-Händlern bieten wir für die Abwicklung von Zahlungen im E- und M-Commerce damit eine unkomplizierte und ganzheitliche Lösung, die weit über die Möglichkeiten eines klassischen Payment Service Providers oder einer Bank hinausgeht. Damit ist eine perfekte Ergänzung gegeben.“, erläutert Zitscher. „Insbesondere beim internationalen Wachstum können wir unsere Kunden zukünftig so noch besser unterstützen, indem wir ihnen ermöglichen, auf einfache Weise Zahlungen über lokale Zahlungsarten in allen wichtigen ausländischen Märkten anzunehmen. In den kommenden Monaten werden wir auf dieser Basis mit einer Reihe neuer Services online gehen.“, so Zitscher weiter.aj

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