STRATEGIE2. März 2018

5 Gründe, warum Versicherer die digitale Transformation brauchen

Digitale Transformation: Ken Krupa, Chief Technology Officer MarkLogic
Ken Krupa, Chief Technology Officer MarkLogicMarkLogic

Obwohl Versicherungsunternehmen sich nur langsam verändern und oft durch veraltete IT-Systeme und Vorschriften ausgebremst werden, müssen sie zu anderen Branchen aufschließen. Dabei gilt es, ihre Systeme widerstandsfähiger zu machen und sich zu datenzentrierten Unternehmen umzuwandeln. 5 Gründe für die digitale Transformation.

von Ken Krupa, Chief Technology Officer

Natürlich würden alle Beteiligten von einer innovationsfreudigen, wettbewerbsfähigen und finanziell soliden Versicherungsbranche profitieren. Diese Stabilität angesichts eines sich rasch verändernden Marktes zu erreichen und aufrechtzuerhalten, ist jedoch nicht einfach. Laut Forschungsergebnissen von Accenture bietet die digitale Transformation Versicherungsunternehmen in reifen Märkten die Chance, ihre Gewinne um bis zu 100 Prozent zu steigern. Und da Risikokapitalgeber auch weiterhin Milliarden in InsurTech-Unternehmen auf der ganzen Welt investieren, wird es für die alteingesessenen Unternehmen spätestens jetzt Zeit, auf ein digitales Modell umzustellen.

Bisher bieten weniger als ein Fünftel der führenden Anbieter von Lebensversicherungen ihren Kunden eine mobile App an. Wie aber passt das mit einer Welt zusammen, in der autonome Fahrzeuge, Drohnen-Gutachten und virtuelle Ärzte eine immer größere Rolle zugedacht wird?“

Um Erkenntnisse über ihre Kunden zu gewinnen und neuartige Versicherungsprodukte zu entwickeln, müssen Unternehmen aus dem gesamten Versicherungsspektrum ihre aktuellen – und zukünftigen – Datenbestände zu einer ganzheitlichen Ansicht zusammenfassen und dafür sorgen, dass ihre Herkunft, Governance, Verfügbarkeit und Sicherheit jederzeit gewährleistet ist.

Durch digitale Transformation zu InsurTechs aufschließen

Obwohl Versicherungsunternehmen sich nur langsam verändern und oft durch veraltete IT-Systeme und Vorschriften ausgebremst werden, müssen sie zu anderen Branchen – und zu den aufkommenden InsurTech-Unternehmen – aufschließen, um ihre Systeme widerstandsfähiger zu machen und sich zu datenzentrierten Unternehmen zu wandeln. Hier sind fünf Gründe, warum dies wichtig ist.

1. Eine präzise Bewertung des Risikos und die schnelle Regulierung eines Schadens sind von essenzieller Bedeutung.

Unternehmen haben erkannt, dass es eine neue Möglichkeit zur Einschätzung und finanziellen Bewertung von Risiken gibt, die nicht nur von intelligenten und erfahrenen Mitarbeitern abhängig ist, sondern darüber hinaus historische Daten, neue Einsichten, Geodaten und wirtschaftliche Faktoren einbezieht.

Ein Großteil dieser Daten bleibt derzeit aufgrund der Einschränkungen von Legacy-Systemen noch weitgehend ungenutzt.“

Hauseigentümer beispielsweise modernisieren laufend ihr Heim mitsamt dem Mobiliar. Doch wie oft werden Versicherungspolicen dementsprechend tatsächlich auf den neuesten Stand gebracht? Nicht oft genug – zum Teil deshalb, weil es ein mühsamer Prozess ist. Hauseigentümer sollte es z.B. ermöglicht werden, Fotos zu machen und über Skype & Co. bei ihrem Sachbearbeiter nachzuhaken und virtuelle Begehungen durchführen zu können. Verbraucher sollten Versicherer über alle verfügbaren Kanäle erreichen können (z.B. per E-Mail, Smartphone oder soziale Medien), wobei sichergestellt sein muss, dass die weitergegebenen Informationen – letztendlich Eigentum des Versicherungsnehmers – an der richtigen Stelle ankommen und dann mühelos verwertet werden können, damit Aktualisierungen oder Schadensansprüche zeitnah bearbeitet werden.

Autor Ken Krupa, CTO MarkLogic
Ken Krupa, CTO bei MarkLogic, ist seit über 20 Jahren in der IT-Branche tätig. Vor seinem Eintritt bei MarkLogic arbeitete Ken Krupa für einige der größten nordamerikanischen Finanzinstitute sowie bei Sun Microsystems im Finanzdienstleistungsbereich. In seiner Rolle bei MarkLogic führt Ken Krupa ein Team von branchenübergreifenden und regionalen CTOs. Ken Krupa hat Informatik an der Staatlichen Universität von New York, Albany studiert.

Riesige Mengen an Daten stehen zur Verfügung; es geht lediglich darum, auf sie zuzugreifen und sie sinnvoll zu nutzen. Nicht nur zur Bewertung von Risiken, sondern auch, um den Wünschen des Kunden nachzukommen.“

So können die zur Lenkung von autonomen Fahrzeugen eingesetzten Daten in Zukunft auch für Versicherungszwecke genutzt werden. Dies wird zu grundlegenden Veränderungen bei der Versicherung von „Fahrern“ führen. Ähnliche Szenarien werden sich auch in Zusammenhang mit dem intelligenten Heim, dem intelligenten Gesundheitswesen usw. ergeben.

2. Kundenbindung hat stets Priorität.

Der Kunde erwartet, Versicherungsangelegenheiten genau wie jeden anderen Service über sein Smartphone zu erledigen. Ist die Serviceerfahrung dabei nicht zufriedenstellend, wird er sich auf die Suche nach einem anderen Anbieter machen.

Versicherer, die mit den Wünschen des Kunden mithalten, bauen automatisch einen kundenorientierten Service auf, der dazu beiträgt, den Kundenstamm zu sichern und zu erweitern.“

Außerdem ermöglicht dies den Zugang zu weiteren, nützlichen Informationen. Die Vorteile für den Verbraucher bestehen in größerer Preistransparenz, Qualitätsvergleichen und der Einhaltung von Versprechen. All dies trägt dazu bei, dass Versicherer in einem Markt, in dem „Online-Vergleiche“ zur Norm geworden sind, besser eingeschätzt werden können.

3. Die zunehmende Automatisierung spart Kosten und führt zur Schaffung besserer Serviceleistungen.

Laut Analysen von McKinsey lassen sich durch Automatisierung die Kosten für die Schadensregulierung um bis zu 30 Prozent senken.“

Sobald die Einschränkungen von Legacy-Systemen durch effektivere Datenintegrationsplattformen überwunden worden sind, werden sich Text-Mining, maschinelles Lernen, Algorithmen und letztendlich auch KI durchsetzen. Dadurch wird ein automatisierter Workflow ermöglicht, bei dem hochgradig analysierte und kontextualisierte Informationen eine Analyse durchlaufen und an einen Versicherer weitergegebenen werden, der dann Regulierungsentscheidungen schneller und besser treffen kann.

4. Betrug muss verhindert werden.

Obwohl die meisten Tools für die Betrugsanalyse Ermittlungen in die richtige Richtung lenken können, bleiben die Daten der Schlüssel zur Entwicklung einer ganzheitlichen Sicht. Sie können sich parallel zur Verfügbarkeit neuer Datenquellen – und der Abwandlung der Betrugsmethoden – weiterentwickeln. Einen Fall von Betrug, Verschwendung und/oder Missbrauch erkennen zu können, ist von Vorteil.

Heute wird eine datenzentrierte Präventionsstrategie benötigt, die über die simple Kennzeichnung von Anomalien hinausgeht und es ermöglicht, Informationen so miteinander zu verknüpfen, dass die Aufdeckung von ganzen betrügerischen Netzwerken möglich wird.“

5. Für die Anpassung an neue gesetzliche Bestimmungen sind neue Technologien und Architekturen erforderlich.

Neue gesetzliche Bestimmungen sind ein starker Motor des Wandels. Wenn Data Governance und Sicherheitsrichtlinien, vor allem aber die Praktiken und Verfahren auf Seiten der Versicherer nicht mit den sich verändernden Vorschriften und dem gesteigerten Bedürfnis des Verbrauchers nach Privatsphäre Schritt halten können, drohen ernste Konsequenzen.

So hat die Einigung nach dem Datendiebstahl beim Versicherungsunternehmen Anthem einer neuen Art von Wachsamkeit und zweifelsohne einer zunehmenden Zahl von gerichtlichen Auseinandersetzungen Tür und Tor geöffnet, bei denen der finanzielle Schaden und die Rufschädigung weit über eine Geldbuße hinausgehen. Wie auch im Bankensektor üben Behörden immer mehr Druck auf Versicherungsunternehmen aus, ihre Geschäfte, den Umgang mit personenbezogenen Daten, ihre Beziehungen zum Kunden usw. strenger zu kontrollieren. Die Forderungen werden immer detaillierter und der zeitliche Rahmen für die Anpassung wird zunehmend enger. Dies bedeutet indes nicht, dass Versicherungsunternehmen ihre Daten streng unter Verschluss halten müssen.

Der Daten- und Informationsaustausch ist schließlich das Wahrzeichen der neuen digitalen Ökonomie. Unternehmen müssen jederzeit bereit sein, über sämtliche Informationen, wo immer diese sich auch innerhalb ihrer IT-Landschaft befinden, Rechenschaft abzulegen.“

Zudem müssen sie genau im Bilde darüber sein, wo diese hinterlegt sind und wer darauf Zugriff hat. Dies ist problemlos möglich, vorausgesetzt, die Daten werden ordnungsgemäß verwaltet, geregelt und gesichert.aj

 
Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
https://itfm.link/66809 
 
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)
Loading...

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Digital Identity: ThreatMetrix will per Services PSD2-Konformität bieten – als Echtzeit-Dienst

ThreatMetrix will mit seinem Digital Identity Network die Vor­aus­setz­ungen schaffen,...

Schließen