IT-PRAXIS9. Oktober 2026

250 APIs statt Kernbank-Neubau: Das hat die DKB gespart

Schwerpunkt: Tech-Ökosysteme
Matthias Thiele, Bereichsleiter Digital Products & Technology bei der DKB, präsentiert sich in einem blauen Hemd. Der Hintergrund ist neutral und hell, was die Professionalität und den Fokus auf seine Rolle im Unternehmen unterstreicht.
Matthias Thiele, Bereichsleiter Digital Products & Technology, DKBDKB

Die DKB stand zu Beginn der Transformation zum Technologieunternehmen vor einer strategischen Herausforderung: Für die schnellere operative Umsetzung von Innovationen wären agilere und modernere Kernbanksysteme notwendig gewesen. Eine komplette Erneuerung hätte Ressourcen sowie die strategische Roadmap über Jahre gebunden – bei hohem Investitionsbedarf und Projektrisiko.

von Matthias Thiele, Bereichsleiter Digital Products & Technology, DKB

Banking-as-a-Service war eine effiziente Alternative zu einer aufwändigen Runderneuerung. Das grundsätzliche Konzept ist die Bereitstellung von Kernfunktionen und -prozessen als einzelne Services. Technisch stehen dahinter Zugriffe über HTTP nach dem REST-Prinzip und meist mit JSON als Datenformat. Diese REST-APIs schlagen eine „Brücke“ zwischen bestehenden Funktionen und Prozessen einerseits und agileren Technologien, zum Beispiel in mobilen Apps und der Webentwicklung, andererseits.

Die Struktur von Two Speed IT

Wenn es lediglich um die Zugänglichkeit der Kernbanksysteme ginge, würde auf diese Weise eine Struktur entstehen, wie sie aus der „Two Speed IT“ bekannt ist. Als Basis für schnellere Innovationen musste jedoch größer gedacht werden, denn auch die besten REST-APIs können gewachsene Prozesse, komplexe und verteilte Datenstrukturen sowie weiterhin batchbasierte Funktionen nicht vollständig verdecken.

Daraus entstand das Zielbild der Daten- und Prozesskonsistenz über alle Zugriffswege auf die Kernbanksysteme hinweg. Mitarbeitende im Kundenservice sollten die Daten aus derselben API abrufen wie Kunden im Online-Banking, jeweils gesteuert durch ein passendes Rechtemanagement. Ein Prozess sollte von Kunden im Self-Service genauso ausgelöst werden wie aus einem per GenAI ausgelesenen Auftrag per PDF.

Das BaaS-Konzept bot die architektonische Grundlage für eine Neuausrichtung der Anwendungslandschaft nach dem Prinzip „API-First“, ergänzt um Investitionen in die Kernbanksysteme.“

Nur der kleinere Teil dieser Investitionen floss in die Bereitstellung von neuen Schnittstellen. Der Löwenanteil der Investitionen diente der Modularisierung der Kernsysteme: Daten sollen logisch nach fachlichen Entitäten abgefragt werden können, Prozesse sollen die realen Geschäftsvorfälle abbilden. So entsteht keine „Leaky Abstraction“, sondern eine technisch und fachlich zeitgemäße Abstraktionsschicht.

Autor Matthias Thiele, DKB
Matthias Thiele, Bereichsleiter Digital Products & Technology bei der DKB, präsentiert sich in einem blauen Hemd. Seine Verantwortung umfasst das Online Banking sowie geschäftskritische Bankplattformen und Kernbanksysteme, wobei APIs eine zentrale Rolle spielen. Matthias Thiele ist Bereichsleiter Digital Products & Technology bei der DKB (Webseite). Er verantwortet das Online Banking, geschäftskritische Bankplattformen und Kernbanksysteme. Zuvor leitete er bei der DKB die Bereiche Engineering Management, IT-Architektur sowie den Aufbau der Banking-as-a-Service-Plattform.

Die DKB betreibt mehrere Kernbanksysteme

Wie viele Banken betreibt die DKB nicht nur ein Kernbanksystem. Die Umsetzung von API-First erforderte daher die Entwicklung eines neuen Middle Layers zwischen Kernbanksystemen und Kundenschnittstellen. So wurden neue Abhängigkeiten zwischen den Kernbanksystemen vermieden und weitere Vorteile realisiert, unter anderem:

  • Vorhandene Schnittstellen der Kernsysteme wurden weiterverwendet, sofern sie auch fachlich dem Zielbild entsprachen
  • Im Kernbanksystem nicht verfügbare Funktionalitäten ließen sich oftmals im Middle Layer deutlich günstiger ergänzen
  • Datenmodelle und APIs konnten möglichst systemunabhängig konzipiert werden. Dies erforderte im Rückblick allerdings erhebliche Disziplin.

Ein Standardprodukt kam für den Middle Layer nicht zum Einsatz. Die APIs sollten präzise den Daten, Funktionen und Prozessen der DKB entsprechen. Zudem wird solch ein Middle Layer schnell zum wesentlichen Erfolgsfaktor und sollte daher vollständig kontrolliert werden können. Alle Komponenten wurden daher auf einem Open-Source-Stack selbst entwickelt.

Auch Investments in die Kernbanksysteme selbst

Nichtsdestotrotz sind auch signifikante Investments in die Kernbanksysteme selbst erfolgt. Der Höhepunkt an Investitionen der ersten Jahre ist mittlerweile jedoch überwunden. Es hat sich gezeigt, dass eine fachlich saubere Modularisierung über die Zeit auch zu besserer Wiederverwendbarkeit von Funktionen und Prozessen führt, weswegen der laufende Investitionsbedarf in die Kernbanksysteme zurückgeht.

Insgesamt hat die DKB seit 2020 über 250 Banking-as-a-Service-APIs entwickelt. Mehr als 2,5 Mrd. Zugriffe pro Monat werden aktuell über sie abgewickelt – in der Spitze bis zu 3.000 Zugriffe pro Sekunde. Integrationsvorhaben sind seitdem deutlich schneller: So konnte die DKB ihren KI-Support ohne optischen Bruch in die Online-Banking-Erfahrung einbetten, und ein neues Front-Office-System für den Kundenservice in weniger als 12 Monaten einführen. Matthias Thiele, DKB/dk

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