STUDIEN & UMFRAGEN6. Dezember 2022

Bezahlen wird digitaler – doch die Mehrheit in Deutschland ist noch nicht überzeugt

Strategy& PwC

Die Bedeutung von Mobile Payment nimmt für den deutschen Markt weiter zu, so ist jeder Fünfte in Europa schon regelmäßig ohne Portemonnaie außer Haus. Doch die Hälfte der Menschen zahlt immer noch am liebsten in bar. Alarmsignal für die Banken sollte sein, dass sich schon ein Drittel der Deutschen vorstellen könnte, ein Konto bei Unternehmen wie PayPal, Google oder Instagram zu eröffnen.

Mit dem Abflauen der Corona-Pandemie, in der bargeldlose Zahlungen Hochkonjunktur hatten, zeigt sich: Die Rückkehr zum Bargeld in der bisherigen Form bleibt aus, nachdem die Nutzer gesehen haben, dass es anders auch gut funktioniert. Zwar bezahlen aktuell 54% der Deutschen am liebsten mit Bargeld – allerdings lag der Wert vor vier Jahren noch bei 61%.

Gleichzeitig nimmt die Präferenz für alternative und mobile Bezahlmöglichkeiten sowie Open-Banking-Angebote in Deutschland zu, wie aus der neuen „Payments and Open Banking Survey” von Strategy&, der Strategieberatung von PwC, hervorgeht. 11% der Deutschen nutzen demzufolge inzwischen bevorzugt Wallet- oder App-basierte Bezahllösungen wie Klarna, ApplePay oder PayPal – mehr als dreimal so viele wie noch 2020. Das beliebteste bargeldlose Zahlungsmittel bleibt die klassische Debitkarte (23%). Doch es ist zu erwarten, dass sich eine Girocard-orientierte Wallet, die ja bereits diskutiert wird, entsprechend durchsetzen und diesen Prozentsatz erhöhen könnte.

Der europaweite Trend zu Bargeldalternativen verfestigt sich damit auch in Deutschland. Mittlerweile gehen 21% europaweit regelmäßig zum Einkaufen ganz ohne Geldbörse aus dem Haus (Deutschland: erst 9%). Weitere 15% verlassen sich zumindest hin und wieder allein auf mobile Bezahldienste (Deutschland: 12%).

Die App wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor der Digitalisierung

Strategy& PwC

Der Wettbewerb um die Kundschaft zwischen traditionellen Banken und FinTechs beschleunigt sich – denn deren Apps sind oft schneller und funktionaler, was sich in den Nutzungszahlen widerspiegelt. Für die deutschen Banken sollte das ein Alarmsignal sein. In den USA stammen vier der fünf am häufigsten heruntergeladenen kostenlosen Finanzapps bereits von FinTechs. In Polen und Großbritannien sind es zwei, in Deutschland eine. Unter den europäischen Befragten könnten sich 44% vorstellen, ein Konto bei sogenannten Non-Banks zu eröffnen, in Deutschland sind es immerhin schon 27%. Unter Non-Banks fallen neben Anbietern wie PayPal, Apple oder Google auch WhatsApp, Instagram oder TikTok. Bei den jüngeren europäischen Befragten unter 35 Jahren liegt die Bereitschaft mit 51% noch höher.

Strategy&

Denn es kommt heute nicht mehr so sehr auf ein möglichst engmaschiges Netz von Filialen und Geldautomaten an, sondern vor allem auch darauf, eine gute App zu entwickeln. Hier sind FinTechs den Banken häufig schon einen Schritt voraus.”

Andreas Pratz, Partner bei Strategy& Deutschland

„Unsere Analyse zeigt, dass sich fast jeder zweite Europäer vorstellen kann, alternative Dienste von FinTechs oder Social-Media-Plattformen für Finanzgeschäfte zu nutzen. Das sollte traditionellen Banken Anlass genug sein, ihr digitales Angebot noch besser auf die Anforderungen von Kunden zuzuschneiden“, erläutert Andreas Pratz, Co-Autor der Studie und Partner bei Strategy& Deutschland.

Open Banking wird breiter gedacht

Im Vergleich zu FinTechs genießen Banken unter den europäischen Befragten aber immer noch einen messbaren Vertrauensvorschuss: Im Austausch für persönliche Vorteile wie Rabatte würden 20% der Kunden Und Kundinnen ihre Daten am ehesten Banken anvertrauen (Deutschland: 16%). An FinTechs dagegen würden nur 5% aller Europäer ihre Daten weitergeben (Deutschland: 2%).

Am Beispiel von immer beliebteren „Buy Now Pay Later“-Angeboten – also der Möglichkeit zum Aufschieben der Bezahlung beim Einkaufen – zeigt sich allerdings, dass Open-Banking-Elemente wie die Verifizierung der Identität oder der Blick ins Konto heute schon von zahreichen Konsumenten genutzt werden. Mehr als ein Drittel der europäischen Befragten versucht beim Online-Shopping, die Bezahlung mittels BNPL aufzuschieben (Deutschland: 27%).

Die Nutzung der vielfältigen Möglichkeiten, die Open Banking bieten kann, ist bislang noch vor allem auf Kontoinformationsdienste zur Analyse von Kunden- und Kontodaten begrenzt. Um das Potenzial von Open Banking besser auszuschöpfen, sollten Anbieter neue Anwendungsfälle über Kontoinformationen hinaus schaffen, wie etwa Zahlungsauslösung, Kreditangebote oder für Marketingzwecke.”

Johannes Gärtner, Strategy& Deutschland

Und Gärtner ergänzt: „Neben Lösungen für Privatkunden sollten auch Anwendungsfälle für Geschäftskunden wie kleine und mittelständische Unternehmen gezielt mit Open-Banking-Angeboten in den Blick genommen werden. Dies gilt insbesondere, da die EU Open Banking mit gezielten regulatorischen Initiativen weiter ausbauen möchte.“

Die vollständigen Ergebnisse der Studie „Payments and Open Banking Survey” erhalten Sie über einen kostenfreien Download.tw

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