ING Deutschland setzt auf KI, Echtzeitprozesse und Plattformmodelle

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Technologisch sichtbar wird diese Entwicklung vor allem im Wertpapiergeschäft. Die ING führte 2025 mehr als 55 Millionen Wertpapiertransaktionen aus, ein Plus von rund 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der Depots wuchs auf 3,2 Millionen, das verwaltete Depotvolumen auf knapp 135 Milliarden Euro. Das starke Wachstum trug wesentlich dazu bei, dass der Provisionsüberschuss um 42 Prozent auf 715 Millionen Euro anstieg und damit einen immer größeren Anteil am Gesamtertrag einnimmt. Im Gegenzug sank das Zinsergebnis infolge des veränderten Zinsumfelds um elf Prozent.

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Auch auf der Produktseite setzt die ING verstärkt auf digitale Erweiterungen. Mit der Integration des europäischen Bezahlsystems Wero in die ING-App hat die Bank 2025 eine neue Echtzeit-Peer-to-Peer-Zahlfunktion eingeführt, die insbesondere auf mobile und grenzüberschreitende Nutzung ausgelegt ist. Bis zum Jahresende aktivierten Kundinnen und Kunden mehr als eine halbe Million Wallets. Ab dem zweiten Quartal 2026 soll Wero auch im Onlinehandel nutzbar sein. Ergänzend plant die Bank die Einführung einer Charge-Kreditkarte sowie den Ausbau digitaler Investmentangebote, unter anderem durch den provisionsfreien Handel mit Krypto-ETNs und entsprechende Sparpläne.
Im Kreditgeschäft steht weniger das Volumen als vielmehr die Prozessautomatisierung im Vordergrund. Zwar wuchs die Baufinanzierung auf ein Bestandsvolumen von über 100 Milliarden Euro, technologisch relevanter ist jedoch der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Bewertung und Genehmigung von Finanzierungen. Die ING nutzt KI-Modelle, um aus öffentlichen und amtlichen Daten digitale Abbilder von Bestandsimmobilien zu erstellen. Dadurch reduziert sich der manuelle Prüfaufwand, und Genehmigungsprozesse werden deutlich beschleunigt. Mit der geplanten „Instant-Baufi“ sollen erste Finanzierungszusagen ab Frühjahr 2026 innerhalb von rund 30 Minuten möglich sein. Zum Marktstart erfolgt die Anbindung ausschließlich über die Plattform der Interhyp.
KI-gestützte Automatisierung in Finanzierung und Service
Übergreifend weist die Bank deutliche Fortschritte bei der Digitalisierung interner Abläufe aus. Der sogenannte Digi-Index, der den Anteil vollständig digitalisierter Prozesse misst, stieg von 66 Prozent Ende 2021 auf 86 Prozent im Jahr 2025. Treiber dieser Entwicklung sind neben durchgängigen Online-Strecken insbesondere KI-gestützte Service- und Backoffice-Prozesse. Seit 2025 kommen im Kundenservice generative KI-Systeme zum Einsatz, die Anfragen automatisiert beantworten oder gezielt weiterleiten. Ab 2026 sollen sogenannte agentische KI-Lösungen im Kartenservice eigenständig definierte Aufgaben übernehmen, innerhalb regulatorisch vorgegebener Grenzen.
Auch im Geschäftskundenbereich richtet sich die IT-Strategie zunehmend auf Standardisierung und Skalierbarkeit aus. Das Geschäftskonto fungiert als zentrales Ankerprodukt, an das digitale Onboarding-Prozesse, Zahlungsverkehr und Kreditvergabe angebunden sind. Durch die stärkere Verzahnung von Privat- und Geschäftskundenprozessen erhofft sich die Bank Effizienzgewinne und zusätzliche Wachstumspotenziale. Für 2026 ist zudem die Einführung eines Festgeldprodukts für Geschäftskunden geplant.
Digitalisierungsgrad der Bank steigt weiter
Finanziell spiegeln die Zahlen den Strukturwandel wider. Trotz eines soliden Ergebnisses vor Steuern von 1,9 Milliarden Euro blieb die Profitabilität unter dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig verbesserte sich die Ertragsstruktur zugunsten provisionsgetriebener, digital skalierbarer Geschäftsmodelle. Die Cost-Income-Ratio stieg moderat, bleibt mit unter 43 Prozent jedoch auf einem für den deutschen Bankenmarkt niedrigen Niveau.

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Wir wollen unsere Innovationskraft weiter stärken, das Tempo bei Produkteinführungen steigern und unseren Kundinnen und Kunden ein persönlicheres Digitalbanking bieten.“
Lars Stoy, Vorstandsvorsitzender der ING in Deutschland
Insgesamt zeigt das Geschäftsjahr 2025, dass die ING Deutschland ihre Rolle als stark digitalisierte Direktbank weiter ausbaut. Wachstum entsteht dabei weniger durch Filialnetze oder klassische Produktbreite, sondern durch IT-gestützte Plattformen, Automatisierung und datenbasierte Services. Die kommenden Produktstarts, insbesondere im Zahlungsverkehr, im Kreditprozess und im KI-gestützten Kundenservice, dürften daher weniger als einzelne Innovationen zu bewerten sein, sondern als weitere Schritte in Richtung einer weitgehend softwaregetriebenen Bank. tw
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