Vertrauen in Künstliche Intelligenz wächst – doch Banken bleiben Schlusslicht

ReeveAI
Für die Studie wurden 1.000 Verbraucher befragt, wie sie den Einsatz von KI in unterschiedlichen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen bewerten. Demnach befürwortet eine Mehrheit der Deutschen den Einsatz intelligenter Systeme vor allem in staatlichen Einrichtungen. Rund zwei Drittel der Befragten sprechen sich für KI-Nutzung bei Behörden aus. Dahinter folgt das Gesundheitswesen mit 64 Prozent Zustimmung. Versicherungen erreichen mit 58 Prozent ebenfalls noch eine mehrheitlich positive Bewertung.

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Anders stellt sich das Bild im Bankensektor dar. Hier lehnen ebenfalls rund zwei Drittel der Befragten den KI-Einsatz ausdrücklich ab. Damit bilden Banken das klare Schlusslicht im Branchenvergleich und stehen exemplarisch für die anhaltende Sensibilität der Verbraucher gegenüber algorithmischen Entscheidungen in hochgradig vertrauensabhängigen Geschäftsmodellen. Trotz der insgesamt gestiegenen Offenheit bleibt eine grundlegende Skepsis bestehen: 21 Prozent der Befragten lehnen den Einsatz von KI grundsätzlich ab. Auffällig ist zudem ein deutlicher Gender-Gap. Männer zeigen sich in sämtlichen abgefragten Bereichen signifikant aufgeschlossener gegenüber KI-Anwendungen als Frauen.
Vertrauensfrage entscheidet über Akzeptanz
Die Studie verdeutlicht, dass die Akzeptanz von KI eng mit der Frage verknüpft ist, ob Organisationen ein verantwortungsvolles Datenmanagement zugetraut wird. Am größten ist das Vertrauen in Einrichtungen des Gesundheitswesens. 65 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass Ärzte, Kliniken und Krankenkassen beim KI-Einsatz sorgfältig mit sensiblen Daten umgehen. Auch hier zeigen sich Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Während 70 Prozent der Männer Vertrauen äußern, liegt der Anteil bei Frauen bei 61 Prozent. Deutlich kritischer werden Versicherungen bewertet. Lediglich 41 Prozent der Teilnehmer sind der Ansicht, dass ihre Daten dort im Kontext von KI-Anwendungen gut aufgehoben sind. Diese Werte unterstreichen, dass datengetriebene Geschäftsmodelle nur dann auf gesellschaftliche Akzeptanz stoßen, wenn Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Governance-Strukturen erkennbar sind.
Im Vergleich zu einer früheren Erhebung aus dem Jahr 2024 zeigt sich ein klarer Einstellungswandel. Damals fühlte sich eine Mehrheit der Deutschen noch unwohl bei zentralen KI-Anwendungsfällen: 61 Prozent äußerten Vorbehalte gegenüber KI-gestützten medizinischen Diagnosen und Therapieempfehlungen, 65 Prozent lehnten automatisierte Entscheidungen über staatliche Leistungen ab, und 69 Prozent standen dem Einsatz in Bank- und Versicherungskontexten kritisch gegenüber. Die aktuellen Ergebnisse deuten somit auf einen Lern- und Gewöhnungseffekt hin – allerdings ohne dass die Vertrauensfrage abschließend geklärt wäre.

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Parallel zur Verbraucherstudie zeigt sich auf Unternehmensseite ein deutlich anderes Bild. Laut einer internationalen Untersuchung des Marktforschungsunternehmens IDC vertrauen weltweit 78 Prozent der befragten Führungskräfte KI-Technologien vollständig. Gleichzeitig haben jedoch nur 40 Prozent der Organisationen nach eigener Aussage bislang in Themen wie AI Governance, Erklärbarkeit oder ethische Leitlinien investiert. Damit öffnet sich eine wachsende Diskrepanz zwischen unternehmerischer Innovationsdynamik und gesellschaftlicher Erwartung an verantwortungsvolle Nutzung. Unternehmen treiben Implementierungen voran, während Verbraucher stärker auf Regulierung, Transparenz und Kontrollmechanismen achten.
2026 geht es nicht mehr darum, wer KI als Erster einsetzt. Entscheidend ist, wer funktionierende Rahmenwerke für die verantwortungsvolle Nutzung aufbaut. Nur, wer sich dadurch das Vertrauen und die Akzeptanz von Verbrauchern und Mitarbeitern sichert, schafft die Grundlage für Wertschöpfung aus intelligenten Technologien.“
Ingo Macht, Country Leader Deutschland von SASDie Studienergebnisse legen nahe, dass insbesondere regulierte Branchen wie Banken und Versicherungen vor einer doppelten Herausforderung stehen: Neben technologischer Modernisierung müssen sie belastbare Governance-Modelle etablieren, die Datenschutz, Nachvollziehbarkeit algorithmischer Entscheidungen und klare Verantwortlichkeiten verbinden. Ohne diese Vertrauensarchitektur droht die Akzeptanz der Nutzer zum limitierenden Faktor der digitalen Transformation zu werden. tw
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