EVENTS & MESSEN27. Februar 2026

Frankfurt Digital Finance: Finanztechnologie wird zur geopolitischen Frage

Die Veranstaltung Frankfurt Digital Finance versammelt ein internationales Publikum im Frankfurter Palmengarten. Über 50 Sessions und Keynotes sind im Gange, während die Teilnehmer aufmerksam den Präsentationen folgen.
Dirk Emminger

Unter dem Motto „Europa, nutze die Chance!“ fand die zweitägige Veranstaltung Frankfurt Digital Finance wieder mit sehr internationalem Publikum im Frankfurter Palmengarten statt. Mehr als 50 Sessions, Keynotes und Panels brachten die Branche zusammen und es wurde viel diskutiert, wo die Branche technologisch, aber auch inhaltlich steht.

von Dirk Emminger

International bedeutet auch Englisch als Konferenzsprache

Dirk Emminger
Bereits seit 2020 ist die FDF-Konferenz (Website) Anfang des Jahres eines der Go-To-Events unserer Branche. Der erste Tag widmet sich eher den (geo)politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen, die Europas Finanzbranche beeinflussen – am zweiten Tag findet dann der European FinTech Day statt. Die Konferenzsprache ist an beiden Tagen Englisch und der Veranstalter schafft es, neben lokalen Teilnehmern auch über 40 % internationale Teilnehmer nach Frankfurt zu bringen. Neben dem Partnerland der Niederlande waren u. a. auch Teilnehmer aus Japan angereist.

Nach der Begrüßung durch Corinna Egerer begann die Veranstaltung mit einer sehr lebendigen Begrüßungsrede des ehemaligen deutschen Bundesfinanzministers Dr. Jörg Kukies, gefolgt von einer Keynote zur Veränderung der Finanzmärkte von Dr. Thomas Book – Vorstandsmitglied der Deutschen Börse.

Wir sehen derzeit zwei grundlegende Kräfte: eine neue Ära der Machtpolitik und eine technologische Revolution. Europas Regulierung ist fehlgeleitet und überzogen. Wir können es uns nicht länger leisten, nur Kunden in den Märkten anderer zu sein.“

Starke Worte des Frankfurters Vorstandsmitglied der Deutschen Börse.

Nicht nur Theorie – viele Praxisvorträge

Dirk Emminger

Die Integration von Sponsoren gelingt der Frankfurt Digital Finance schon seit Jahren sehr gut. Mit den ersten „Power Speeches“ präsentierte Deloittes Partner Jürgen Lademann insgesamt vier jeweils kurze Impulsvorträge von u. a. der Bundesbank, LBBW, ING und einem weiteren Technologieanbieter zum allgegenwärtigen Thema AI. Den Start machte Prof. Dr. Fritzi Köhler-Geib mit der Ansage, dass nur die Regulierung von KI die Finanzmarktstabilität langfristig sichern kann. Die Bundesbank hat aber einen eigenen AI Hub aufgebaut, um inhouse MVPs und Use Cases umzusetzen. Für Stephan Paxmann der LBBW ist die Geschwindigkeit und die Möglichkeit der besseren Entscheidungsvorbereitung einer der wesentlichen Mehrwerte von KI.

Dirk Emminger

Neben der LBBW, die mit ihrem CIO einen der bekannteren Speaker innerhalb der Sparkassen und Landesbanken bundesweit auf Reisen schickt, war nun im heimischen Hessen auch die Helaba Digital als Sponsor und mit Speakern vertreten. Rein zahlenmäßig gewann allerdings dennoch die LBBW mit 19 : 11 Teilnehmern vor den Frankfurtern – schaut man aber mal nach Regionalinstituten oder gar der Finanz Informatik, wird man nicht fündig. Einzig der DSGV ist noch mit einer Person vertreten.

Abseits der Hauptbühne – bis zu 4 parallele Vorträge

Sogenannte Deep Dives und auch Masterclasses sind ja mittlerweile auf jeder Konferenz Pflicht. Diese gab es auch in Frankfurt in den parallelen Sessions. Diese kamen in der Regel in gut besetzten Panels oder in gut moderierten Interviewformaten daher. Deutlich kleiner und nur auf Einladung erfolgten Sessions im sogenannten Deal Room, wo Gruppen in der Regel von sechs bis acht Personen zu einem Thema zusammengebracht wurden. Die Themen waren an beiden Tagen sehr gemischt. Es gab die aktuellen Fokusthemen, aber auch genügend Raum für weiteres Netzwerken zwischen den Beiträgen.

AI Business Cases – Internationaler Austausch

Dirk Emminger

Was der Konferenz sehr gut gelang, war der Mix der Teilnehmer in den kleineren Sessions aus Dienstleistern mit konkreter und nachgewiesener Projekterfahrung und Instituten. Ein schöner Erfahrungsbericht war ein Panel zu „neuen Geschwindigkeit“ in der Branche gerade bei KI Einführungen. Hier übernahm die Moderation ein Vertreter von Publicis Sapient und leitete ein Panel von internationalen Teilnehmern aus der Schweiz, UK, Portugal und Deutschland. Alle mit unterschiedlichen Erfahrungen bei der Herangehensweise in KI-Projekten. Rodrigo Sousa Coutinho, Co-Founder von OutSystems, berichtete, dass eine der zentralen Anforderungen in Projekten nach wie vor die Migration von Altsystemen ist. In vielen Fällen gelingt es dabei, im Zuge dieser Transformation gleichzeitig neue KI-gestützte Lösungen zu entwickeln und produktiv nutzbar zu machen. Was bei dem portugiesischen Low-Code-/No-Code-Anbieter auffiel, ist, dass die branchenübergreifende KI-Community hilft, alternative Lösungsszenarien deutlich schneller zu entwickeln. Er ermutigte weiter die Teilnehmer, neue Ansätze auszuprobieren, es dann aber nicht zu vergessen, Themen auch in die Produktion zu überführen.

Open Finance und FIDA mit dem größten Panel und stark gefragt

Im Rahmen von Frankfurt Digital Finance diskutierten Experten, darunter Dr. Verena Rütten-Döring und Joris Hensel, über Open Finance. Der Dialog fokussierte sich auf die Balance zwischen Marktöffnung und Stabilität in der Finanztechnologie.
Dirk Emminger

Im Open-Finance-Panel wurde es politisch. Alice Guedel (Mitglied der Europäischen Kommission) diskutierte mit Experten aus Frankfurt und einem Open-Banking-Experten aus Brasilien, wie die Balance zwischen Marktöffnung und Stabilität gelingen kann. Die Botschaft: Die EU arbeitet an einem tragfähigen Kompromiss für die geplante FIDA-Regulation und ist bereit, Impulse aus der Praxis aufzunehmen. Die Fragen aus dem Publikum und das Interesse der Teilnehmer auch nach der Redezeit an dem Vertreter Daniel Nestrovsky (Head of Open Finance Bradeco) zeigen, wie wichtig es ist, auch außerhalb der EU einmal nach Beispielen zu schauen.

Der zweite Tag mit dem Schwerpunkt FinTech

Nach einer Party am Ende des ersten Tages ging es am zweiten Tag noch internationaler und mit weniger politischen Themen in den European FinTech Day.

Speaker auf der Veranstaltung Frankfurt Digital Finance. Im Fokus steht die Zusammenarbeit zwischen Banken und FinTechs, die zunehmend an Bedeutung gewinnt. Die Diskussion thematisiert die Entwicklung von Wettbewerb hin zu Kooperationen in der Finanztechnologie.
Dirk Emminger

Im Mittelpunkt stand dabei die Zusammenarbeit zwischen Banken und FinTechs – ein Thema, das sich zunehmend von Wettbewerb hin zur Zusammenarbeit entwickelt. In einer Paneldiskussion mit Matthias Lais (neosfer), Niclas Storz (Tidely), Christie H. Kristensen (Danske Bank), Dr. Sebastian Glock (vc trade) und Max Bachem (Xaver) wurde deutlich, dass erfolgreiche Partnerschaften vor allem dann funktionieren, wenn der Kundennutzen konsequent im Zentrum steht. Gleichzeitig bleibt die Integration in bestehende Bankarchitekturen eine der größten Herausforderungen. Bei jedem Projekt geht es am Ende darum, Produkte zu entwickeln, die reale Probleme lösen und von den Nutzern angenommen werden. Einigkeit bestand darüber, dass selbst die beste Kooperation keinen Erfolg bringt, wenn der Mehrwert für den Kunden nicht klar erkennbar ist.

Dirk Emminger

Alle Themen abgedeckt – auch Neuigkeiten im Wealth Management und Demos von Banken

Schon am ersten Tag in einem Power Panel, unter anderem mit Founder Luigi Marciano vertreten, brachte Objectway Perspektiven aus der Praxis von Wealth-Management- und Core-Banking-Transformationen ein. In den Gesprächen wurde deutlich, wie stark sich die Wealth-Management-Institute immer noch auf Legacy-Technologie befinden und wie groß der Druck zwischen Regulierung und steigenden Kundenerwartungen dabei ist. Karl im Brahm – CEO der DACH-Region – betonte dabei, dass nachhaltige Transformation weit über reine Technologieinvestitionen hinausgeht.

The Future of Finance – Corporate Challenge – Demos von drei Banken

Mit der Corporate Challenge wurde ein Startup ähnlicher Pitch-Wettbewerb auf die Bühne gebracht. In diesem Jahr stellten sich drei Teams von Deutsche Bank, ING und Berenberg mit ihren internen Herausforderungen und Lösungen.

Dirk Emminger

Die Deutsche Bank zeigte ihren Proof of Concept eines Risk-Alert-Systems. Im Kern eine News-Analyse, die Global-News-Feeds analysiert und die Ergebnisse sichtbar macht. Die Berenberg Bank demonstrierte, wie KI-Research nicht nur analysiert, sondern als Türöffner für Kundengespräche dient. Die ING-DiBa zeigte, wie ein Financial Health Index zum digitalen Coach werden kann: KI identifiziert Schwachstellen und gibt konkrete Handlungsempfehlungen.

Einige Themen wie z. B. die News Aggregation haben wir schon mehrfach in unterschiedlichen Ausprägungen gesehen. Das Format macht aber deutlich, dass Innovation und die technische Umsetzung nicht mehr zwingend mit technischen Dienstleistern erfolgen müssen, sondern in Zeiten von Vibe Coding und Low Code/No Code aus den Organisationen großer Finanzinstitute selbst kommen können und müssen. Dass den Teams eine Bühne für die Präsentation gegeben wird, ist schlau und spornte die Teilnehmer sichtbar an.

Meet the CEO & Investor: Vivid Money

Im Rahmen der Veranstaltung Frankfurt Digital Finance stehen sich Gäste an einem Stehtisch gegenüber. Auf einem Bildschirm im Hintergrund sind ihre Namen und Funktionen angezeigt. Die Atmosphäre ist professionell und informativ.
Dirk Emminger

Die Möglichkeit, in einem Raum mit internationalen CEOs von FinTechs zu sein und Fragen zu stellen, bietet nicht jede Veranstaltung. Bei der Frankfurt Digital Financegab es diese Möglichkeit direkt 4x hintereinander. Einen starken Produktbezug und viele Beispiele aus seiner täglichen Arbeit lieferte Alexander Emeshev der Vivid. Die in Berlin gegründete, aber mittlerweile in vielen europäischen Städten vertretene Neobank mit dem Fokus auf Geschäftskonten positioniert sich zunehmend als digitale Finanzplattform für Unternehmer und KMU mit integrierten Banking-, Investment- und Finanzmanagement-Funktionen. Das Unternehmen baut sein Angebot kontinuierlich aus, unter anderem durch zusätzliche Finanztools, Automatisierungsfunktionen und erweiterte Services.

Wichtig für den CEO ist dabei der direkte und auch tägliche Kundenkontakt, um Probleme zu sehen und direkt darauf reagieren zu können.“

Die besten Produktfeatures resultieren immer noch aus diesen direkten Feedbackgesprächen – Beispiel ist das Hochladen von Geschäftsbelegen und Exportieren, nachdem man diese zugeordnet hat.

Frankfurt Digital Finance – Connecting the European Ecosystem – Mission erfüllt.

Zum Jahresanfang zwei gut investierte Tage mit vielen bekannten aber auch vielen neuen internationalen Kontakten. Es gibt noch kein konkretes Datum – aber eins ist sicher: Es wird 2027 eine weitere Auflage der Frankfurt Digital Finance geben und wir sind gespannt auf das nächste Motto und wie die Branche dann in Bezug auf „Sovereignty“ darsteht.Dirk Emminger

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