TechQuartier: Open Finance wird zur KI‑Frage – Frankfurt baut die Infrastruktur
von Dirk Emminger und Gerd Reinkimm

Dirk Emminger
Open Finance gewinnt mit KI zusätzliche Dringlichkeit. Viele Anwendungsfälle stehen und fallen mit einer sauberen Datengrundlage. Die zentrale Botschaft der Whitepaper ist daher:
Open Finance liefert den Rohstoff, und KI macht daraus Intelligenz.“

Dirk Emminger
Data Studios: der Praxistest für Open Finance
Die Whitepaper selbst sind aus praxis- und umsetzungsnahen Formaten hervorgegangen: den „Data Studios“. In mehreren Runden haben Expertinnen und Experten aus Banken, Versicherungen, FinTechs, Technologieunternehmen und Beratung zusammengearbeitet. Dabei sind keine fertigen Lösungen entstanden, aber konkrete Ansätze, etwa für datenbasierte Beratung oder Investmententscheidungen. Entscheidend ist vorrangig der Anspruch dahinter: Es soll nicht bei Konzepten bleiben.
Die Roundtables und Data Studios haben das Thema Open Finance unglaublich gut strukturiert. Wir haben über die nötige Struktur gesprochen, aber genauso über Anwendungsfälle, beispielsweise über lebensnahe und konzeptionelle Beratung von Kundinnen und Kunden. Im Zusammenspiel aus Daten, Infrastruktur, Produkten und KI können spannende neue Produkte entstehen.“
Eine Teilnehmerin

Dirk Emminger
Die Hürden für Open Finance
Neben dem Blick nach vorn ging es auf der Veranstaltung auch um die Herausforderungen für das Gelingen von Open Finance. Viele Häuser scheitern weniger an Open Finance selbst als an den eigenen Strukturen.
Daten liegen verstreut, Systeme passen nicht zusammen, Zuständigkeiten fehlen. Das ist nicht neu. Open Finance legt diese Schwäche nur schonungslos offen. Wer genauer hinsieht, erkennt schnell die Bremsen. Open Finance wird damit auch zum Weckruf für interne Datenarchitektur, Datenqualität und Standards. Nicht nur für Open Finance, sondern ebenso für KI-Anwendungen.
APIs: Eintrittskarte, aber entscheidend ist die Nutzung der Daten
Am Thema APIs führt kein Weg vorbei. APIs sind inzwischen Standard. Spannend wird es erst danach: Wie werden Daten genutzt? Entsteht daraus ein Mehrwert für Kunden, oder bleibt es bei Technik?
Der Wettbewerb verschiebt sich damit spürbar. Wer Daten besser nutzt, rückt näher an den Kunden. „Nicht der Zugang zu Daten entscheidet, sondern deren intelligente Nutzung“, betonen die Autoren der Whitepaper in ihren Präsentationen im TechQuartier.
Die Rolle klären
Für Banken und Versicherungen stellt sich mit Open Finance auch eine Grundsatzfrage: Welche Rolle wollen sie einnehmen? Datenlieferant? Plattformteilnehmer? Oder Gestalter im Ökosystem?

Dirk Emminger
Alle drei Wege sind möglich. Alle drei zugleich jedoch kaum. Und schon gar nicht im Alleingang. Denn aus den Diskussionen wurde auch deutlich, dass Partnerschaften essenziell sind. Christian Reichmayr (fino) formuliert es pragmatisch:
Viele Möglichkeiten bestehen bereits – es gilt, diese Chancen zu nutzen. Wir bauen Produkte und gehen dann in den nächsten Schritt.“
Christian Reichmayr (fino) ist einer der Mitautoren der Whitepaper und wirbt auf der Bühne fürs Ausprobieren und den Bau von Produkten.
KI als Open Finance‑Booster
Künstliche Intelligenz wird als Beschleuniger für Open Finance gesehen. Sie ist Voraussetzung für viele neue Produkte. Andersherum gilt aber auch: Ohne KI bleiben viele der Open Finance-Daten gut gemeint, aber wirkungslos.
Die Whitepaper positionieren Künstliche Intelligenz explizit als Unterstützer. KI entlastet Fachkräfte, sichert Qualität und ermöglicht bessere Entscheidungen, etwa durch Advisor‑Copilots, vorbereitete Kundengespräche oder intelligente Assistenzsysteme.
Screenscraping: die unkontrollierte Alternative
Im Zusammenspiel mit KI und der zunehmenden Nutzung von KI-Tools durch Kunden wird Open Finance auch zur Notwendigkeit. Denn ohne Open Finance droht Screenscraping zum faktischen Standard zu werden: KI‑Agenten greifen unreguliert auf Kundendaten zu, ohne sauberes Consent‑Management, ohne Haftungsregeln, ohne Widerrufsmöglichkeiten.
Open Finance schafft hier strukturierte Schnittstellen, Governance und Vertrauen statt Datenwildnis.

Dirk Emminger
Wir können uns nicht vor der Geschwindigkeit des Marktes verschließen. Es braucht eine Richtung, um Daten kontrolliert zu teilen und Kunden zu schützen.“
Christopher Schmitz von EY
Frankfurt positioniert sich
Einige Institute arbeiten bereits an Open Finance und neuen Produkten. Andere beobachten noch. Entscheidend ist auch hier der Anspruch: Es soll nicht bei Konzepten bleiben. Parallel dazu entsteht mit dem Tech & Data Lab eine Umgebung, in der solche Ansätze ausprobiert werden können.
„Im Tech & Data Lab unterstützen wir das Testen von Schlüsseltechnologien wie KI, Quantencomputing und Open‑Data‑Software“, erläutert Philip Viertel vom TechQuartier. Und zwar unter realen Bedingungen, nicht nur auf dem Papier. Dass dies in Frankfurt passiert, liegt nahe. Banken, Aufsicht und Innovationsinitiativen sind hier eng genug beieinander, um Dinge schneller zu bewegen. Ob daraus ein echter Vorteil wird, hängt am Ende davon ab, wer ihn nutzt.Dirk Emminger und Gerd Reinkimm
Link zu den Whitepapern: https://techquartier.com/programs/fida
Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
https://itfm.link/243821


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