Commerzbank setzt im Abwehrkampf gegen UniCredit auf KI, Effizienz – und Stellenstreichungen

Jörg Puchmüller für Commerzbank
Vorstandschefin Bettina Orlopp präsentierte zum Jahresauftakt eine langfristige Wachstumsagenda, die insbesondere auf Automatisierung, KI-gestützte Prozesse und digitale Skalierung setzt. Gleichzeitig signalisiert die Bank ihren Aktionären, dass sie auch eigenständig in der Lage sei, ihre Profitabilität deutlich auszubauen – und damit keinen Zusammenschluss mit UniCredit benötige. Im Zentrum der Strategie steht der Ausbau KI-basierter Anwendungen. Bis 2030 will die Commerzbank rund 600 Millionen Euro in künstliche Intelligenz investieren. Bereits heute nutzt das Institut KI in mehreren Kernbereichen, darunter Risikomanagement, Geldwäscheprävention und Kreditprüfung.
So analysiert das System „Hawk AI“ große Datenmengen, um verdächtige Transaktionen und potenzielle Finanzkriminalität schneller zu identifizieren. Zudem setzt die Bank KI-gestützte Verfahren zur Auswertung von Geschäftsberichten ein, um Kreditrisiken automatisiert zu bewerten. Im Privatkundengeschäft läuft bereits ein neues Beschwerdemanagement auf Basis sogenannter agentischer KI. Künftig sollen Agenten komplette Prozessketten übernehmen – etwa bei Know-your-Customer-Prüfungen, Dokumentenanalysen, Vertragsprozessen oder Kontowechseln. Die Bank verspricht sich davon deutlich geringere manuelle Aufwände und effizientere Abläufe.
Digitalisierung treibt Stellenabbau voran

bigstock Patrick-Poendl
Die technologische Modernisierung hat direkte Auswirkungen auf die Organisation. Die Commerzbank plant konzernweit den Abbau von rund 3.000 Stellen brutto. Gleichzeitig sollen in Wachstums- und Zukunftsbereichen gezielt neue Jobs entstehen. Nach Angaben der Bank soll KI langfristig rund zehn Prozent der Kapazitäten freisetzen, sodass Beschäftigte stärker in vertriebsnahe und beratungsintensive Aufgaben wechseln können. Insidern zufolge könnte der Stellenabbau sogar umfangreicher ausfallen als bislang geplant. Hintergrund ist auch der Druck durch UniCredit, die bei einer möglichen Übernahme zusätzliche Synergien und weitere Einsparungen insbesondere in Bereichen wie IT, Compliance, Risikomanagement und Finanzen erwartet.
Der Einsatz von KI und die beschleunigte Digitalisierung sind inzwischen nicht nur Teil der Wachstumsstrategie, sondern auch ein zentrales Argument im Übernahmekampf mit UniCredit. Die Commerzbank will demonstrieren, dass sie ihre Effizienz eigenständig steigern und ihre Renditeziele aus eigener Kraft erreichen kann. UniCredit hält inzwischen rund 30 Prozent an der Bank und hatte ein Übernahmeangebot vorgelegt, das die Commerzbank jedoch als unzureichend bewertet. Vorstand und Aufsichtsrat kritisieren insbesondere fehlende strategische Klarheit sowie hohe Integrationsrisiken. Zudem wirft die Bank dem italienischen Institut vor, das bestehende Geschäftsmodell der Commerzbank zu unterschätzen. Auch die Finanzaufsicht BaFin schaltete sich inzwischen ein und untersagte UniCredit bestimmte Werbeaussagen im Zusammenhang mit dem Angebot. Anlass waren laut BaFin irreführende Darstellungen zur finanziellen Lage der Commerzbank in sozialen Medien.
Unsere heute vorgestellten neuen Ziele sind das Ergebnis der disziplinierten Umsetzung unserer Strategie ‚Momentum‘. Wir zeigen den Wachstumspfad der Commerzbank planbar und konkret bis 2030 – mit klar definierten Zielen und Zwischenzielen. Hohe Wertschöpfung und geringe Umsetzungsrisiken zeichnen unser bewährtes Geschäftsmodell aus. Das wollen wir konsequent fortsetzen.“
Bettina Orlopp, Vorstandsvorsitzende der Commerzbank
Operativ profitierte die Commerzbank im ersten Quartal insbesondere vom wachsenden Firmenkundengeschäft, einem starken Wertpapierhandel sowie stabilen Zinserträgen. Besonders dynamisch entwickelte sich das Brokerage-Geschäft der Comdirect. Auch das internationale Firmenkundengeschäft legte weiter zu.tw
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