OMR-Festival 2026: Europäische Souveränität und ein Blick wer von unserer Branche vertreten ist
Wenige Tage vor dem Start kam die „Ausverkauft“ Meldung. 70.000 Teilnehmer, über 1.000 Aussteller und Partner, mehr als 800 Speaker*innen auf sechs Bühnen, dazu über 300 Masterclasses und mehr als 200 Guided Tours. Wie auch schon im vergangenen Jahr ist Finance Forward kein eigenständiges Eventformat mehr, aber auf den Bühnen und bei den Ausstellern sind durchaus noch Vertreter unserer Industrie zu finden. Man muss sie nur ein wenig suchen. . Der Digitalminister eröffnet, viel Plan, ehrlicher Befund!. . Den politischen Auftakt auf der Conference Stage lieferte Karsten Wildberger, seit gut einem Jahr erster Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung und davor CEO von Ceconomy (MediaMarktSaturn). Für die OMR ist er kein Unbekannter, 2024 stand er hier noch als Händler auf der Bühne – diesmal ging es um etwas mehr als seinen eigenen Onlineshop. Er startete seinen Talk mit einem Vergleich. Nimmt man die Marktkapitalisierung der Aktienindizes als groben Proxy für Wertschöpfung, lag die USA vor zehn Jahren bei rund 25 Billionen Dollar. Heute sind es über 70 Billionen. Deutschland lag damals bei etwa 1,8 Billionen. Heute bei rund 2 Billionen. Der Unterschied ist brutal. Mehr als 80 Prozent dieses Wachstums kommen aus neuen Technologien: Software, Cloud, Plattformen, Chips, Ka I. Seine Schlussfolgerung war entsprechend klar: Gerade bei Künstlicher Intelligenz dürfen wir nicht in eine Ablehnungshaltung verfallen. Ka I sei auch eine Frage von Freiheit. Und Souveränität habe zwei Seiten. Defensiv: Abhängigkeiten reduzieren, um Wahlmöglichkeiten zu behalten. Offensiv: Am Wachstum teilhaben. Man brauche Partnerschaften. Aber man müsse sie bewusst auswählen. Bei der Regulierung verhandle die EU aktuell den Omnibus zur Ka I Verordnung. Ziel müsse eine bessere Balance aus Risiko und Ermöglichen sein. Beim Datenschutz wolle er am Grundrecht nicht rütteln. Aber die DSGVO dürfe auch nicht „17 Mal in Deutschland“ unterschiedlich interpretiert werden. Sein Schlussappell an den Saal war für einen Minister erstaunlich unpolitisch formuliert. „Wir kommen als Land nur weiter, wenn Sie mithelfen.“ und: „Wir haben so viele positive Beispiele, wir brauchen mehr davon.“ Er sagte aber auch klar: Im internationalen Vergleich reicht das alles noch nicht. Aber zumindest klang es an diesem Tag nicht nach Verwaltung eines Rückstands. Sondern nach dem Versuch, ihn endlich ernsthaft aufzuholen. Predictions 2026: Galloway zwischen Ka I Realismus und gesellschaftlichen Problemen!. . Kein OMR Auftakt ohne Scott Galloway. Der Stammgast eröffnete auch 2026 das Festival, moderiert von Kai Pflaume, mit einem kurzen Bühnenauftritt von Joko Winterscheidt. Seine Prognosen für 2025 lagen nach eigener Aussage erstaunlich gut. Neun Thesen für 2026, von denen mindestens die Hälfte unsere Branche direkt betrifft:. Die Ka I Erzählung stoße an Grenzen, aber nicht technologisch, sondern physisch und gesellschaftlich. Die Rechenzentrumsblase platzt: deutlich mehr angekündigte als gebaute Data Center, dazu steigende Strompreise, Infrastrukturlimits und politischer Widerstand. Bemerkenswert sein Stimmungsbild: Weniger als zehn Prozent der jungen Menschen blicken optimistisch auf Ka I, ein harter Kontrast zu den Milliardeninvestitionen. Trotzdem bleibt er klar: Ka I schaffe mehr Jobs, als sie vernichte. Das Duopol aus Nvidia und OpenAI gerät unter Druck, neue Wettbewerber, Galloway nennt unter anderem Anthropic, verschieben die Kräfteverhältnisse. Sein Big Tech Pick: Amazon, nicht wegen Retail oder Cloud, sondern wegen Robotik, Logistik und autonomem Fahren. Stand jetzt liegt er richtig: Amazon ist 2026 bislang die zweitstärkste Aktie, knapp hinter Alphabet. Der Weltraum werde der nächste große Markt. „Space will be the mother of all addressable markets.“ Für ihn ist das auch stark getrieben von SpaceX, die 2026 an die Börse wollen. Als bewusst provokante Idee: TikTok US, nach dem Verkauf im Januar an das Konsortium um Oracle, Silver Lake und MGX das attraktivste, aber für die meisten unzugängliche Tech Investment. Kurzformate und Ka I setzen Hollywood unter Druck. Immobilien in London, Mailand und Genf profitierten von Kapital, das aus volatileren Regionen (er nannte explizit Middle East und Dubai) in sichere europäische Häfen zurückkehrt. Und die These vom „College is dead“? Hält für ihn nicht: College- beziehungsweise Hochschulabschlüsse blieben einer der stärksten ökonomischen und sozialen Schutzfaktoren. . Der gesellschaftlich brisanteste Punkt zum Schluss: „Synthetic relationships“. 72 Prozent der US Teenager hätten bereits einen Ka I Companion genutzt. Galloways These: Einsamkeit werde beziehungsweise sei bereits ein Riesen Problem. Ka I simuliere Nähe, und verdränge dabei auch echte Beziehungen. Was als Wirtschaftsausblick beginnt, endet mit einem Appell, auf seine Kinder aufzupassen. Auf der Main Stage ging es weiter mit Vorträgen von google und AG1 CEO Kat Cole, bevor auch der Co CEO von Schwarz Digits, Rolf Schumann, das Souveränitäts Thema auf der großen Bühne bespielen durfte. Ein Rundgang durch unsere Branche, wer war eigentlich da?!. . . Erste Station abseits der Bühnen: das Berliner Spend Management FinTech Moss. Firmenkarten, Eingangsrechnungen, Auslagen, Liquidität, alles in einer Plattform, sauber an DATEV und S A P angebunden. Was den OMR Auftritt für Moss so logisch macht: Die Zielgruppe, digitale Unternehmen, Agenturen, Scale ups, ist also ein sehr passendes Publikum für die Berliner. Die schon 2025 vollzogene Entkopplung bleibt: Finance Forward ist kein eigenständiges Konferenzformat mehr, sondern firmiert als Stand mit kleineren Unteraustellern und lokalen, kompakten Talks und mit den Szenegesichtern als Moderatoren auf den umliegenden Bühnen oder bei Guided Tours. Das bestätigt aber auch schon, was letztes Jahr zu sehen war: wenig bis keine Bankmitarbeiter. Wer das Banken- und Finanz Vertical nicht selbst sucht, läuft daran vorbei. Vielleicht ist das aber genau die ehrlichste und beste Form: kein Anspruch mehr, alles abzubilden und große Hallen mit Content zu füllen, dafür kleiner, aber mehr als Netzwerk Treffpunkt für die, die ohnehin da sind. User Generated Content und damit auch Trustpilot ist der unterschätzteste Reputations Hebel für Banken!. . . Trustpilot ist für Banken einer der wichtigsten, und am stärksten unterschätzten, Player in Sachen User Generated Content. Die Neobanken haben das längst verstanden: Vivid und Revolut spielen die Plattform extrem aktiv, betreiben Bewertungsmanagement im Rahmen ihrer Marketingprozesse. Antworten, steuern, lernen aus dem Feedback. Primär- und Filialbanken? Stehen insbesondere bei der Nutzung und damit leider meist auch bezüglich der Qualität der Bewertungen und absoluten Score Werte weit hinten. Sie werden bewertet, aber sie agieren nicht. Sie lassen ein öffentliches Reputationssignal entstehen, ohne es zu gestalten. Das war schon vor der Ka I Welle ein Problem. Es ist jetzt ein größeres. Denn dieselben Bewertungstexte, Sternebewertungen und Antwortverhalten fließen zunehmend in das, was generative Systeme über eine Bank „wissen“ und ausspielen. Ka I Sichtbarkeit entsteht nicht im Geschäftsbericht, sondern in genau dem aggregierten, strukturierten Nutzer Feedback, das viele Häuser bis heute ignorieren. Reputationsmanagement im Banking muss zur strategischen Disziplin werden, sonst überlassen die Filialbanken den Neobanken nicht nur die App, sondern auch die Ka I Empfehlungen. . Zurich: die vielleicht beste Werbung des ganzen Festivals!. . Wenn man über Markeninszenierung sprechen will, muss man auf den OMR Kongress. Den wohl spektakulärsten Messestand hatte Zurich. Die Versicherung hat Messeteilnehmer gesichert an einer Container Wand herunterlaufen lassen, „Wall Run“. Darüber der handgeschriebene Post Ai Tieh Claim „Trau dich, wir passen auf!“ und der Markensatz „Weil wir an dich denken.“ Genial? Für eine Versicherung ist das die perfekte Werbung: emotional, anschaulich, und das Produktversprechen steckt schon im Erlebnis. Selten so einen außergewöhnlichen Messestand gesehen. DKB: Bankenmarketing mit Wurfflagge!. . Am Stand der DKB war konstant Betrieb, und gespielt wurde nicht Basketball, sondern, Flag Football. Im Rahmen ihres NFL Sponsorings (die DKB ist offizielle Bank der NFL in Deutschland und Presenting Partner der Spiele) hatte die Direktbank fünf Challenges aufgebaut. Die Tagessieger*innen bekamen je zwei Tickets für das kommende NFL Spiel in München. Begleitend lief die Masterclass „The Next Tom Brady, finden NFL und DKB in Deutschland den neuen Football Superstar?“ mit unter anderem Sebastian Vollmer. Dass im selben Festival Tom Brady auf der Conference Stage saß, war natürlich sehr passend. Sportsponsoring als Kundenbindung. . Revolut: der Audi Formel 1-Wagen als Türsteher!. . . Revolut war auch nicht zu übersehen und brachte den R26 (Annahme der Redaktion, der Name des Autos) des Audi Revolut F1 Teams mit an den Stand. Revolut ist Titelsponsor von Audis Formel 1-Einstieg in der Debütsaison 2026, und in Hamburg nutzte die Neobank die Aufmerksamkeit, um nicht nur das Bisnäss Konto, sondern auch die Privatkundenfunktionen breit zu zeigen. Auf der Bühne ordnete Chief Growth & Marketing Officer Antoine Le Nel das ein: über 70 Millionen Kund*innen in zehn Jahren, wertvollstes Startups Europas, und der Weg zu 100 Millionen über Produktinnovation und Sichtbarkeits Partnerschaften mit Formel 1, NBA und Manchester City. Man kann von der Markenmaschine halten, was man will, die Konsequenz, mit der hier ein Finanzanbieter wie eine Lifestyle Brand auftritt, sollten sich etablierte Häuser sehr genau ansehen. Anthropic: Safety First als Wettbewerbsvorteil, gerade im regulierten Umfeld!. . Für unsere Industrie ebenfalls spannend, war das Gespräch von Roman Howe (Head of DACH & CEE bei Anthropic) mit Christian Byza auf der kleineren, aber auch vollen Purple Stage. Die Kernbotschaft: Sicherheit ist keine Bremse, sie ist genau das, was Ka I für Unternehmen erst wirklich nutzbar macht. Für Banken und Versicherer war auf der OMR der inhaltliche Kern relevant: Man habe früh auf Enterprise Juhs Kähses fokussiert und Claude gezielt darauf trainiert. Sycophancy (das Modell sagt dem Nutzer, was er hören will) auf ein Minimum zu reduzieren. Dazu der maximale Aufwand gegen Halluzinationen und die „Responsible Scaling Policy“, die definiert, was vor jeder Modellfreigabe sichergestellt sein muss, notfalls auch zulasten der eigenen Kommerzialisierung. Genau diese Eigenschaften, Belastbarkeit, Prüfbarkeit, kein Schönreden, sind die Punkte, an denen Bieh tu Bieh Einsätze in unserer Industrie sonst eher scheitern. Von Coding Agenten, die ganze Entwicklerteams beschleunigen, bis zur Automatisierung von klassischen Prozessen: Die Positionierung als verlässlicher Anbieter für regulierte Branchen war hier die Hauptbotschaft. Ob das aktuell für deutsche Banken ausreicht, sich mehr mit Agenten und vernetzten Ka I Prozessen zu beschäftigen, bleibt abzuwarten. . Howe ist eindeutig pro DACH und erzählte, woran er gemerkt habe, dass hier etwas Besonderes passiert: ein (nach eigener Aussage) „uneingeladener“ Besuch bei einem Community Event in München in seiner ersten Woche, organisiert von Leuten, die in ihrer Freizeit Dinge mit Claude Code bauen; und eine Session mit einem deutschen Unternehmen, zu der statt der üblichen 200 bis 300 plötzlich 2.500 Leute kamen. Anthropic wachse global um den Faktor 11 im Jahresvergleich, DACH gehöre zu den schnellsten Regionen. Masterclasses: zu gut, um nur eine zu wählen!. . Wer Wissen suchte und bereit war, mal 60–90 Minuten in Ruhe zuzuhören, fand es wie immer in den Masterclasses. Über 300 dieser Sessions wurden laut OMR angeboten. Immer nur mit Bewerbung (zur Teilnahme) im Vorfeld. Dafür bekommt man oft richtig guten Content, deutlich näher an der Praxis als auf mancher großen Bühne. . Das Ergebnis: Schlangen vor den Räumen, volle Slots und ein Programm, das so dicht ist, dass man am liebsten an zehn Formaten gleichzeitig teilnehmen würde. Genau darin liegt aber auch der wunde Punkt der OMR: der permanente Konflikt zwischen Masterclasses und Konferenzprogramm. Während auf der großen Bühne relevante Themen laufen, sitzt man irgendwo tief im Gelände in einer Session, oder umgekehrt. Dazu am Ende mehr. Denn an dieser Stelle gibt es tatsächlich gute Nachrichten. Tag 2: State of the Internet, ein Realitätscheck, und ein Appell aus Frankfurt von Sewing!. . State of the Internet, das „German“ ist gestrichen, der Blick wird global. Das Pflichtprogramm am zweiten Tag: die Keynote von Philipp Westermeyer und Roland Eisenbrand. Die Nachfrage war so groß, dass sie gleich zweimal über die Conference Stage ging, jeweils vor rund 7.000 Menschen. Und: Aus „State of the German Internet“ ist „State of the Internet“ geworden. Westermeyer nahm sich Gewinner und Verlierer der zwölf Monate vor. Eisenbrand übernahm den strategischen Teil, und der war für jeden mit Online Präsenz relevant. Eines der stärksten Themen: Google AI Overviews. Allein in Deutschland fehlen durch die direkt ausgespielten Ka I Antworten bereits rund 265 Millionen Klicks pro Monat. Wer da noch sichtbar sein will, muss Inhalte radikal umstellen: kleinteilig, hochstrukturiert, FAQ Logik, Listenformate, und YouTube ernst nehmen, weil es zur meistgenutzten Quelle für Ka I Zusammenfassungen geworden ist. Für viele war einiges davon SEO Grundkurs, für andere hoffentlich ein Aufwachen. Reputations- und Sichtbarkeitsarbeit verschiebt sich von „gefunden werden“ zu „zitiert werden“. Und genau hier sind die meisten Finanzdienstleister wohl noch nicht. Sewing: „Fünf vor zwölf“, und ein bewusster Gegenakzent!. . Direkt im Anschluss der Deutsche Bank Chef Christian Sewing im Gespräch mit Philipp Westermeyer. Seine Botschaft, sinngemäß: Es sei fünf vor zwölf, aber Europa habe die Mittel, die Institutionen und die Vernetzung, um in einer Welt im Umbruch zu wachsen. Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, die Unabhängigkeit der Zentralbanken, keine Selbstverständlichkeiten, sondern Standortvorteile, die Kapital anziehen. Was fehle, sei der Wille zur Umsetzung. Europa investiere noch nicht mit der nötigen Geschwindigkeit in Ka I, das Potenzial sei aber enorm. Philipp Klöckner: der Adoption Gap und mehr Stehplätze als bei St. Pauli!. . Direkt im Anschluss zog es gefühlt die halbe OMR zu Philipp Klöckners „Beyond the AI Hype“. Diese Session mit über 150 Slides zusammenzufassen, wird nicht funktionieren, die komplette ungeschnittene Version ist aber bereits 24h später auf dem OMR YouTube Kanal verfügbar. Was am beeindruckendsten beziehungsweise in der Klarheit neu war, ist, dass trotz der medialen Wucht die Verbreitung von Ka I nicht da ist, wo wir denken, dass sie ist. Aktuell zahlten rund 99,7 Prozent der Menschen nach wie vor nichts für Ka I, und nur etwa 20 Prozent der Mitarbeitenden hätten überhaupt Zugang zu Ka I Tools im Arbeitsalltag, ein „krasser Adoption Gap“. Ein Spruch, dass viele Unternehmen 2026 „mehr Piloten als die Lufthansa“ hätten, traf den Zustand vieler Ka I Initiativen bei Banken ziemlich gut. Beglaubigt.de und Qonto: kein Revolut Moment, aber ein ziemlich guter Banking Juhs Kähs!. . Nein, das ist nicht der Case, mit dem man morgen die nächsten Millionen Privatkunden wie Revolut einsammelt. Aber genau deshalb ist er spannend. Beglaubigt.de nutzte die OMR gemeinsam mit Qonto als Bühne. Inhaltlich passt das gut zusammen: digitale Unternehmensgründung, per eID oder klassisch beim Notar, Geschäftskonto direkt dazu und Kapitaleinzahlung gleich mitgedacht. Klingt erst einmal nach Klein Klein. Ist es auch. Aber genau dieses Klein Klein ist für Gründerinnen und Gründer oft der eigentliche Schmerzpunkt. Für Banken ist es ein gutes Beispiel, wie man sich nicht nur über das eigentliche Bankprodukt positioniert. Nicht nur Konto, Karte, Zahlungsverkehr. Sondern über einen konkreten Prozess, einen klaren Moment im Leben eines Unternehmens und ein Problem, das gelöst werden muss. . Qonto liefert mit über 600.000 Kundinnen und Kunden den europäischen Geschäftskonto Rahmen für KMU und Selbstständige. Beglaubigt.de bringt die notarielle Komponente dazu. Das ist jetzt keine Rocket Science, aber ein sauber aufgesetzter Juhs Kähs, und genau solche Kooperationen zeigen, wo Banken und Banking Anbieter Marktanteile gewinnen können: nicht zwingend mit der nächsten großen Produktrevolution, sondern indem sie rund um das Bankprodukt relevante Prozesse einfacher machen. Wero: Europas Kampfansage an Paypahl und Apple Pay, jetzt wird es ernst!. . Auf einer größeren Bühne stand Wero unter dem unmissverständlichen Titel „Europas Kampfansage an Paypahl und Apple Pay“ mit CEO Martina Weimert. Der Stand der Dinge: Pi-to-Pi läuft, der E Commerce Rollout hat in Deutschland, Frankreich und Belgien begonnen, mit Revolut und N26 auch zwei große Neobanken, die niederländische iDeal Migration bringt weitere Händler. Der eigentliche Erfolgstest steht aber Mitte 2026 an: die erste Stufe am stationären Point of Sale. Das ist, anders als der berechenbare Online Checkout, eine ganz andere Nummer, an der Ladenkasse muss es reibungslos funktionieren, und die Kundschaft ist Cashback und Goodys gewohnt. Parallel positioniert sich Weimert weiter scharf gegen den digitalen Euro, den sie als teure Doppelstruktur ohne echten Mehrwert sieht. Porsche: ein echter Autoscooter, und die beste Frage des Festivals!. . Zum Abschluss der vielleicht außergewöhnlichste Messestand des Festivals: Porsche hat einen kompletten, voll funktionsfähigen Autoscooter mitten in eine Messehalle gebaut. Verrückt!. … und genau deshalb perfekt. Wer nach drei Stunden Masterclass nach Alternativen sucht, fand hier den richtigen Ort. Das Beste aber auf dem Boden davor: „Wann warst du zuletzt unvernünftig?“ Eine Marke, die zwischen all den Effizienz- und Optimierungsideen dieses Festivals genau die richtige Frage stellt. Eine bessere Klammer für zwei Tage OMR gibt es kaum. Bei aller Kritik an der Größe, an vollen Zügen, ausgebuchten Hotels. Auch für unsere Branche bleibt die OMR relevant. Galloways Predictions, der State of the Internet, Klöckners Realitätscheck und Sewings Appell liefern Jahr für Jahr Einordnung, die im Alltag sonst untergeht. Und es zeigt sich Jahr für Jahr wieder, dass auch viele Banken und Finanzdienstleister vor Ort sind. OMR Festival 2027: Mehr Struktur!. . . Und jetzt zur erfreulichen Neuigkeit. Wie oben beschrieben, konkurrieren die Masterclasses leider chronisch mit dem Bühnen- und Konferenzprogramm, man muss sich permanent entscheiden, statt mitzunehmen. Damit das künftig nicht mehr passiert, wird das Format umgebaut:. Tag 1: ausschließlich Masterclasses & Side Events. Tag 2 & 3: Zugang zu allen Bühnen, Vorträgen, Masterclasses, Guided Tours und Ausstellern. Wir freuen uns, und deshalb ganz einfach… Save the Date, OMR 2027: dritten bis fünften Mai 2027, natürlich wieder in Hamburg. Das Hotel ist, wie immer, schon gebucht.Sie hörten einen Beitrag von „Dirk Emminger“
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Wenige Tage vor dem Start kam die „Ausverkauft“-Meldung. 70.000 Teilnehmer, über 1.000 Aussteller und Partner, mehr als 800 Speaker*innen auf sechs Bühnen, dazu über 300 Masterclasses und mehr als 200 Guided Tours. Wie auch schon im vergangenen Jahr ist Finance Forward kein eigenständiges Eventformat mehr – aber auf den Bühnen und bei den Ausstellern sind durchaus noch Vertreter unserer Industrie zu finden. Man muss sie nur ein wenig suchen.

Dirk Emminger
Der Digitalminister eröffnet – viel Plan, ehrlicher Befund
Den politischen Auftakt auf der Conference Stage lieferte Karsten Wildberger, seit gut einem Jahr erster Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung und davor CEO von Ceconomy (MediaMarktSaturn). Für die OMR (Website) ist er kein Unbekannter – 2024 stand er hier noch als Händler auf der Bühne – diesmal ging es um etwas mehr als seinen eigenen Onlineshop.
Er startete seinen Talk mit einem Vergleich. Nimmt man die Marktkapitalisierung der Aktienindizes als groben Proxy für Wertschöpfung, lag die USA vor zehn Jahren bei rund 25 Billionen Dollar. Heute sind es über 70 Billionen. Deutschland lag damals bei etwa 1,8 Billionen. Heute bei rund 2 Billionen. Der Unterschied ist brutal.
Mehr als 80 Prozent dieses Wachstums kommen aus neuen Technologien: Software, Cloud, Plattformen, Chips, KI. Seine Schlussfolgerung war entsprechend klar: Gerade bei Künstlicher Intelligenz dürfen wir nicht in eine Ablehnungshaltung verfallen. KI sei auch eine Frage von Freiheit. Und Souveränität habe zwei Seiten. Defensiv: Abhängigkeiten reduzieren, um Wahlmöglichkeiten zu behalten. Offensiv: Am Wachstum teilhaben. Man brauche Partnerschaften. Aber man müsse sie bewusst auswählen.
Bei der Regulierung verhandle die EU aktuell den Omnibus zur KI-Verordnung. Ziel müsse eine bessere Balance aus Risiko und Ermöglichen sein. Beim Datenschutz wolle er am Grundrecht nicht rütteln. Aber die DSGVO dürfe auch nicht „17 Mal in Deutschland“ unterschiedlich interpretiert werden.
Sein Schlussappell an den Saal war für einen Minister erstaunlich unpolitisch formuliert.
„Wir kommen als Land nur weiter, wenn Sie mithelfen.“ und: „Wir haben so viele positive Beispiele – wir brauchen mehr davon.“ Er sagte aber auch klar: Im internationalen Vergleich reicht das alles noch nicht. Aber zumindest klang es an diesem Tag nicht nach Verwaltung eines Rückstands. Sondern nach dem Versuch, ihn endlich ernsthaft aufzuholen.
Predictions 2026: Galloway zwischen KI-Realismus und gesellschaftlichen Problemen
Kein OMR-Auftakt ohne Scott Galloway. Der Stammgast eröffnete auch 2026 das Festival – moderiert von Kai Pflaume, mit einem kurzen Bühnenauftritt von Joko Winterscheidt. Seine Prognosen für 2025 lagen nach eigener Aussage erstaunlich gut. Neun Thesen für 2026, von denen mindestens die Hälfte unsere Branche direkt betrifft:
Die KI-Erzählung stoße an Grenzen – aber nicht technologisch, sondern physisch und gesellschaftlich. Die Rechenzentrumsblase platzt: deutlich mehr angekündigte als gebaute Data Center, dazu steigende Strompreise, Infrastrukturlimits und politischer Widerstand. Bemerkenswert sein Stimmungsbild: Weniger als zehn Prozent der jungen Menschen blicken optimistisch auf KI – ein harter Kontrast zu den Milliardeninvestitionen. Trotzdem bleibt er klar: KI schaffe mehr Jobs, als sie vernichte. Das Duopol aus Nvidia und OpenAI gerät unter Druck, neue Wettbewerber – Galloway nennt unter anderem Anthropic – verschieben die Kräfteverhältnisse. Sein Big-Tech-Pick: Amazon – nicht wegen Retail oder Cloud, sondern wegen Robotik, Logistik und autonomem Fahren. Stand jetzt liegt er richtig: Amazon ist 2026 bislang die zweitstärkste Aktie, knapp hinter Alphabet.
Der Weltraum werde der nächste große Markt. „Space will be the mother of all addressable markets.“ Für ihn ist das auch stark getrieben von SpaceX, die 2026 an die Börse wollen. Als bewusst provokante Idee: TikTok US – nach dem Verkauf im Januar an das Konsortium um Oracle, Silver Lake und MGX das attraktivste, aber für die meisten unzugängliche Tech-Investment. Kurzformate und KI setzen Hollywood unter Druck. Immobilien in London, Mailand und Genf profitierten von Kapital, das aus volatileren Regionen (er nannte explizit Middle East und Dubai) in sichere europäische Häfen zurückkehrt. Und die These vom „College is dead“? Hält für ihn nicht: College- bzw. Hochschulabschlüsse blieben einer der stärksten ökonomischen und sozialen Schutzfaktoren.

Dirk Emminger
Der gesellschaftlich brisanteste Punkt zum Schluss: „Synthetic relationships“. 72 Prozent der US-Teenager hätten bereits einen KI-Companion genutzt. Galloways These: Einsamkeit werde bzw. sei bereits ein Riesen Problem. KI simuliere Nähe – und verdränge dabei auch echte Beziehungen. Was als Wirtschaftsausblick beginnt, endet mit einem Appell, auf seine Kinder aufzupassen.
Auf der Main-Stage ging es weiter mit Vorträgen von google und AG1 CEO Kat Cole, bevor auch der Co-CEO von Schwarz Digits, Rolf Schumann, das Souveränitäts-Thema auf der großen Bühne bespielen durfte.
Ein Rundgang durch unsere Branche – wer war eigentlich da?

Dirk Emminger
Erste Station abseits der Bühnen: das Berliner Spend-Management-FinTech Moss. Firmenkarten, Eingangsrechnungen, Auslagen, Liquidität – alles in einer Plattform, sauber an DATEV und SAP angebunden. Was den OMR-Auftritt für Moss so logisch macht: Die Zielgruppe – digitale Unternehmen, Agenturen, Scale-ups – ist also ein sehr passendes Publikum für die Berliner. Die schon 2025 vollzogene Entkopplung bleibt: Finance Forward ist kein eigenständiges Konferenzformat mehr, sondern firmiert als Stand mit kleineren Unteraustellern und lokalen, kompakten Talks und mit den Szenegesichtern als Moderatoren auf den umliegenden Bühnen oder bei Guided Tours. Das bestätigt aber auch schon, was letztes Jahr zu sehen war: wenig bis keine Bankmitarbeiter. Wer das Banken- und Finanz-Vertical nicht selbst sucht, läuft daran vorbei. Vielleicht ist das aber genau die ehrlichste und beste Form: kein Anspruch mehr, alles abzubilden und große Hallen mit Content zu füllen, dafür kleiner, aber mehr als Netzwerk-Treffpunkt für die, die ohnehin da sind.
User-Generated Content und damit auch Trustpilot ist der unterschätzteste Reputations-Hebel für Banken

Dirk Emminger
Trustpilot ist für Banken einer der wichtigsten – und am stärksten unterschätzten – Player in Sachen User Generated Content. Die Neobanken haben das längst verstanden: Vivid und Revolut spielen die Plattform extrem aktiv, betreiben Bewertungsmanagement im Rahmen ihrer Marketingprozesse. Antworten, steuern, lernen aus dem Feedback. Primär- und Filialbanken? Stehen insbesondere bei der Nutzung und damit leider meist auch bezüglich der Qualität der Bewertungen und absoluten Score Werte weit hinten. Sie werden bewertet – aber sie agieren nicht. Sie lassen ein öffentliches Reputationssignal entstehen, ohne es zu gestalten.
Das war schon vor der KI-Welle ein Problem. Es ist jetzt ein größeres. Denn dieselben Bewertungstexte, Sternebewertungen und Antwortverhalten fließen zunehmend in das, was generative Systeme über eine Bank „wissen“ und ausspielen. KI-Sichtbarkeit entsteht nicht im Geschäftsbericht, sondern in genau dem aggregierten, strukturierten Nutzer-Feedback, das viele Häuser bis heute ignorieren. Reputationsmanagement im Banking muss zur strategischen Disziplin werden – sonst überlassen die Filialbanken den Neobanken nicht nur die App, sondern auch die KI-Empfehlungen.

Dirk Emminger
Zurich: die vielleicht beste Werbung des ganzen Festivals
Wenn man über Markeninszenierung sprechen will, muss man auf den OMR-Kongress. Den wohl spektakulärsten Messestand hatte Zurich. Die Versicherung hat Messeteilnehmer gesichert an einer Container-Wand herunterlaufen lassen – „Wall Run“. Darüber der handgeschriebene Post-it-Claim „Trau dich, wir passen auf!“ und der Markensatz „Weil wir an dich denken.“ Genial? Für eine Versicherung ist das die perfekte Werbung: emotional, anschaulich, und das Produktversprechen steckt schon im Erlebnis. Selten so einen außergewöhnlichen Messestand gesehen.
DKB: Bankenmarketing mit Wurfflagge
Am Stand der DKB war konstant Betrieb – und gespielt wurde nicht Basketball, sondern – Flag Football. Im Rahmen ihres NFL-Sponsorings (die DKB ist offizielle Bank der NFL in Deutschland und Presenting Partner der Spiele) hatte die Direktbank fünf Challenges aufgebaut.
Die Tagessieger*innen bekamen je zwei Tickets für das kommende NFL-Spiel in München. Begleitend lief die Masterclass „The Next Tom Brady – finden NFL und DKB in Deutschland den neuen Football-Superstar?“ mit unter anderem Sebastian Vollmer. Dass im selben Festival Tom Brady auf der Conference Stage saß, war natürlich sehr passend. Sportsponsoring als Kundenbindung.

Dirk Emminger
Revolut: der Audi-Formel-1-Wagen als Türsteher

Dirk Emminger
Revolut war auch nicht zu übersehen und brachte den R26 (Annahme der Redaktion – der Name des Autos) des Audi-Revolut-F1-Teams mit an den Stand. Revolut ist Titelsponsor von Audis Formel-1-Einstieg in der Debütsaison 2026, und in Hamburg nutzte die Neobank die Aufmerksamkeit, um nicht nur das Business-Konto, sondern auch die Privatkundenfunktionen breit zu zeigen.
Auf der Bühne ordnete Chief Growth & Marketing Officer Antoine Le Nel das ein: über 70 Millionen Kund*innen in zehn Jahren, wertvollstes Startups Europas, und der Weg zu 100 Millionen über Produktinnovation und Sichtbarkeits-Partnerschaften mit Formel 1, NBA und Manchester City. Man kann von der Markenmaschine halten, was man will – die Konsequenz, mit der hier ein Finanzanbieter wie eine Lifestyle-Brand auftritt, sollten sich etablierte Häuser sehr genau ansehen.
Anthropic: Safety First als Wettbewerbsvorteil – gerade im regulierten Umfeld
Für unsere Industrie ebenfalls spannend, war das Gespräch von Roman Howe (Head of DACH & CEE bei Anthropic) mit Christian Byza auf der kleineren, aber auch vollen Purple Stage. Die Kernbotschaft: Sicherheit ist keine Bremse, sie ist genau das, was KI für Unternehmen erst wirklich nutzbar macht.
Für Banken und Versicherer war auf der OMR der inhaltliche Kern relevant: Man habe früh auf Enterprise-Use-Cases fokussiert und Claude gezielt darauf trainiert. Sycophancy (das Modell sagt dem Nutzer, was er hören will) auf ein Minimum zu reduzieren. Dazu der maximale Aufwand gegen Halluzinationen und die „Responsible Scaling Policy“, die definiert, was vor jeder Modellfreigabe sichergestellt sein muss – notfalls auch zulasten der eigenen Kommerzialisierung.
Genau diese Eigenschaften – Belastbarkeit, Prüfbarkeit, kein Schönreden – sind die Punkte, an denen B2B-Einsätze in unserer Industrie sonst eher scheitern. Von Coding-Agenten, die ganze Entwicklerteams beschleunigen, bis zur Automatisierung von klassischen Prozessen: Die Positionierung als verlässlicher Anbieter für regulierte Branchen war hier die Hauptbotschaft. Ob das aktuell für deutsche Banken ausreicht, sich mehr mit Agenten und vernetzten KI-Prozessen zu beschäftigen, bleibt abzuwarten.

Dirk Emminger
Howe ist eindeutig pro DACH und erzählte, woran er gemerkt habe, dass hier etwas Besonderes passiert: ein (nach eigener Aussage) „uneingeladener“ Besuch bei einem Community-Event in München in seiner ersten Woche, organisiert von Leuten, die in ihrer Freizeit Dinge mit Claude Code bauen; und eine Session mit einem deutschen Unternehmen, zu der statt der üblichen 200 bis 300 plötzlich 2.500 Leute kamen. Anthropic wachse global um den Faktor 11 im Jahresvergleich, DACH gehöre zu den schnellsten Regionen.
Masterclasses: zu gut, um nur eine zu wählen
Wer Wissen suchte und bereit war, mal 60–90 Minuten in Ruhe zuzuhören, fand es wie immer in den Masterclasses.
Über 300 dieser Sessions wurden laut OMR angeboten. Immer nur mit Bewerbung (zur Teilnahme) im Vorfeld. Dafür bekommt man oft richtig guten Content, deutlich näher an der Praxis als auf mancher großen Bühne.

Dirk Emminger
Das Ergebnis: Schlangen vor den Räumen, volle Slots und ein Programm, das so dicht ist, dass man am liebsten an zehn Formaten gleichzeitig teilnehmen würde.
Genau darin liegt aber auch der wunde Punkt der OMR: der permanente Konflikt zwischen Masterclasses und Konferenzprogramm. Während auf der großen Bühne relevante Themen laufen, sitzt man irgendwo tief im Gelände in einer Session – oder umgekehrt.
Dazu am Ende mehr. Denn an dieser Stelle gibt es tatsächlich gute Nachrichten.
Tag 2: State of the Internet, ein Realitätscheck – und ein Appell aus Frankfurt von Sewing
State of the Internet – das „German“ ist gestrichen, der Blick wird global. Das Pflichtprogramm am zweiten Tag: die Keynote von Philipp Westermeyer und Roland Eisenbrand. Die Nachfrage war so groß, dass sie gleich zweimal über die Conference Stage ging, jeweils vor rund 7.000 Menschen. Und: Aus „State of the German Internet“ ist „State of the Internet“ geworden.
Westermeyer nahm sich Gewinner und Verlierer der zwölf Monate vor. Eisenbrand übernahm den strategischen Teil, und der war für jeden mit Online-Präsenz relevant. Eines der stärksten Themen: Google AI Overviews. Allein in Deutschland fehlen durch die direkt ausgespielten KI-Antworten bereits rund 265 Millionen Klicks pro Monat. Wer da noch sichtbar sein will, muss Inhalte radikal umstellen: kleinteilig, hochstrukturiert, FAQ-Logik, Listenformate – und YouTube ernst nehmen, weil es zur meistgenutzten Quelle für KI-Zusammenfassungen geworden ist. Für viele war einiges davon SEO-Grundkurs, für andere hoffentlich ein Aufwachen. Reputations- und Sichtbarkeitsarbeit verschiebt sich von „gefunden werden“ zu „zitiert werden“. Und genau hier sind die meisten Finanzdienstleister wohl noch nicht.
Sewing: „Fünf vor zwölf“ – und ein bewusster Gegenakzent
Direkt im Anschluss der Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing im Gespräch mit Philipp Westermeyer. Seine Botschaft, sinngemäß: Es sei fünf vor zwölf, aber Europa habe die Mittel, die Institutionen und die Vernetzung, um in einer Welt im Umbruch zu wachsen. Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, die Unabhängigkeit der Zentralbanken – keine Selbstverständlichkeiten, sondern Standortvorteile, die Kapital anziehen. Was fehle, sei der Wille zur Umsetzung. Europa investiere noch nicht mit der nötigen Geschwindigkeit in KI – das Potenzial sei aber enorm.
Philipp Klöckner: der Adoption Gap und mehr Stehplätze als bei St. Pauli
Direkt im Anschluss zog es gefühlt die halbe OMR zu Philipp Klöckners „Beyond the AI Hype“. Diese Session mit über 150 Slides zusammenzufassen, wird nicht funktionieren – die komplette ungeschnittene Version ist aber bereits 24h später auf dem OMR-YouTube-Kanal verfügbar. Was am beeindruckendsten bzw. in der Klarheit neu war, ist, dass trotz der medialen Wucht die Verbreitung von KI nicht da ist, wo wir denken, dass sie ist. Aktuell zahlten rund 99,7 Prozent der Menschen nach wie vor nichts für KI, und nur etwa 20 Prozent der Mitarbeitenden hätten überhaupt Zugang zu KI-Tools im Arbeitsalltag – ein „krasser Adoption Gap“. Ein Spruch, dass viele Unternehmen 2026 „mehr Piloten als die Lufthansa“ hätten, traf den Zustand vieler KI-Initiativen bei Banken ziemlich gut.
Beglaubigt.de und Qonto: kein Revolut-Moment, aber ein ziemlich guter Banking-Use-Case
Nein, das ist nicht der Case, mit dem man morgen die nächsten Millionen Privatkunden wie Revolut einsammelt. Aber genau deshalb ist er spannend. Beglaubigt.de nutzte die OMR gemeinsam mit Qonto als Bühne. Inhaltlich passt das gut zusammen: digitale Unternehmensgründung, per eID oder klassisch beim Notar, Geschäftskonto direkt dazu und Kapitaleinzahlung gleich mitgedacht.
Klingt erst einmal nach Klein-Klein. Ist es auch. Aber genau dieses Klein-Klein ist für Gründerinnen und Gründer oft der eigentliche Schmerzpunkt. Für Banken ist es ein gutes Beispiel, wie man sich nicht nur über das eigentliche Bankprodukt positioniert. Nicht nur Konto, Karte, Zahlungsverkehr. Sondern über einen konkreten Prozess, einen klaren Moment im Leben eines Unternehmens und ein Problem, das gelöst werden muss.

Dirk Emminger
Qonto liefert mit über 600.000 Kundinnen und Kunden den europäischen Geschäftskonto-Rahmen für KMU und Selbstständige. Beglaubigt.de bringt die notarielle Komponente dazu. Das ist jetzt keine Rocket Science, aber ein sauber aufgesetzter Use-Case, und genau solche Kooperationen zeigen, wo Banken und Banking-Anbieter Marktanteile gewinnen können: nicht zwingend mit der nächsten großen Produktrevolution, sondern indem sie rund um das Bankprodukt relevante Prozesse einfacher machen.
Wero: Europas Kampfansage an PayPal und Apple Pay – jetzt wird es ernst
Auf einer größeren Bühne stand Wero unter dem unmissverständlichen Titel „Europas Kampfansage an PayPal und Apple Pay“ mit CEO Martina Weimert. Der Stand der Dinge: P2P läuft, der E-Commerce-Rollout hat in Deutschland, Frankreich und Belgien begonnen, mit Revolut und N26 auch zwei große Neobanken, die niederländische iDeal-Migration bringt weitere Händler. Der eigentliche Erfolgstest steht aber Mitte 2026 an: die erste Stufe am stationären Point of Sale. Das ist, anders als der berechenbare Online-Checkout, eine ganz andere Nummer – an der Ladenkasse muss es reibungslos funktionieren, und die Kundschaft ist Cashback und Goodys gewohnt. Parallel positioniert sich Weimert weiter scharf gegen den digitalen Euro, den sie als teure Doppelstruktur ohne echten Mehrwert sieht.
Porsche: ein echter Autoscooter – und die beste Frage des Festivals
Zum Abschluss der vielleicht außergewöhnlichste Messestand des Festivals: Porsche hat einen kompletten, voll funktionsfähigen Autoscooter mitten in eine Messehalle gebaut. Verrückt!. … und genau deshalb perfekt. Wer nach drei Stunden Masterclass nach Alternativen sucht, fand hier den richtigen Ort. Das Beste aber auf dem Boden davor: „Wann warst du zuletzt unvernünftig?“ Eine Marke, die zwischen all den Effizienz- und Optimierungsideen dieses Festivals genau die richtige Frage stellt.
Eine bessere Klammer für zwei Tage OMR gibt es kaum. Bei aller Kritik an der Größe, an vollen Zügen, ausgebuchten Hotels. Auch für unsere Branche bleibt die OMR relevant. Galloways Predictions, der State of the Internet, Klöckners Realitätscheck und Sewings Appell liefern Jahr für Jahr Einordnung, die im Alltag sonst untergeht. Und es zeigt sich Jahr für Jahr wieder, dass auch viele Banken und Finanzdienstleister vor Ort sind.
OMR-Festival 2027: Mehr Struktur

Dirk Emminger
Und jetzt zur erfreulichen Neuigkeit. Wie oben beschrieben, konkurrieren die Masterclasses leider chronisch mit dem Bühnen- und Konferenzprogramm – man muss sich permanent entscheiden, statt mitzunehmen. Damit das künftig nicht mehr passiert, wird das Format umgebaut:
Tag 1: ausschließlich Masterclasses & Side Events
Tag 2 & 3: Zugang zu allen Bühnen, Vorträgen, Masterclasses, Guided Tours und Ausstellern
Wir freuen uns – und deshalb ganz einfach… Save the Date – OMR 2027: 3. bis 5. Mai 2027, natürlich wieder in Hamburg. Das Hotel ist, wie immer, schon gebucht.Dirk Emminger
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