CIBI 2026: Agentic AI & Wallets verändern das Banking
von Dunja Koelwel

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Banking Insights 2026“ – mit der jährlichen eigenen Bankenanalyse startete Dr. Stephan Weber von ibi research (Webseite) den mittlerweile 21. CIBI Innovationstag und beleuchtete zum Start der Konferenz mit rund 90 Teilnehmern die Marktstimmung der Kreditinstitute, aufgeschlüsselt in interne und externe Entwicklungen sowie einem besonderen Fokusthema: Agentic AI.
Banken zeigen sich bei den internen Entwicklungen trotz geopolitischer Krisen, die den strukturellen Wandel vorantreiben, überraschend optimistisch: 76 Prozent der Banken blicken eher zuversichtlich und sieben Prozent sogar sehr optimistisch auf die nächsten zwei Jahre.“
Gleichzeitig steigt der Kostendruck für die Jahre 2026 und 2027 massiv an, weshalb reine Kostenkontrolle der notwendigen Transformation weichen muss. Dies spiegelt sich in den IT-Budgets wider. Die Prioritäten liegen mit 68 Prozent primär auf Sicherheit, Resilienz und Regulatorik, dicht gefolgt von Daten, Analytics und KI mit 66 Prozent. Reine Prozessautomatisierung rangiert mit 51 Prozent deutlich weiter hinten.

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Im externen Wettbewerb dominiert die Verbesserung des Kundenerlebnisses mit 59 Prozent, gefolgt von verbesserter Innovationsfähigkeit mit 49 Prozent. Denn neue Wettbewerber stufen fast 90 Prozent der Institute als mittlere bis hohe Bedrohung ein. Vor allem deren Innovationsgeschwindigkeit, die von 95 Prozent der Institute als höher als die eigene eingeschätzt wird, sowie aggressive Preise setzen etablierte Banken unter Druck. Auf Zuliefererseite erwarten 41 Prozent der Banken eine Marktkonzentration und 46 Prozent steigende Wechselkosten durch einen möglichen Vendor Lock-in. Marke und Nachhaltigkeit spielen mit 15 beziehungsweise fünf Prozent bei den Banken mit Blick auf den Wettbewerb eine eher untergeordnete Rolle.
Als wichtigstes Fokusthema analysierte ibi research in seiner alljährlichen Banken-Umfrage in diesem Jahr Agentic AI. Während 71 Prozent der Banken den Nutzen vor allem in Echtzeit-Kundeninformationen sehen und 66 Prozent die Technologie als strategisch geschäftskritisch einstufen, unterschätzen 61 Prozent der deutschen Institute jedoch das disruptive Potenzial. Produktiv eingesetzt wird Agentic AI vor allem im Kundenservice (73 Prozent) sowie bei der Kreditvergabe (61 Prozent). Die erheblichsten Hürden bilden laut den Analysen von ibi research Regulierung und Governance (68 Prozent), die Datenqualität (54 Prozent) sowie veraltete IT-Legacy-Architekturen (44 Prozent).
Strategie einer Neobank – was macht sie anders?
Anschließend präsentierte Marcus W. Mosen, Mitglied des Vorstands der Digitalbank N26 und seit April 2026 operativ für Recht, Personal und Regulatory Operations verantwortlich, die Strategie der Neobank. Seine zentrale These lautet, dass eine Neobank kein bloßes Produkt ohne Filialen ist, sondern auf einem völlig anderen Betriebskonzept beruht, bei dem KI ein integraler Bestandteil des Betriebssystems und kein Nebenprodukt ist.
Neben dem Einsatz von KI zur Bekämpfung von Finanzkriminalität setzt N26 auf Kooperationen: Ab Juli 2026 wird das europäische Zahlverfahren Wero integriert, Krypto wird über Bitpanda abgewickelt und das Investmentgeschäft läuft über Upvest.“
Für die Zukunft hat N26 weiterreichende Pläne: Künftig sollen zudem Versicherungsprodukte und ein neues Subscription-Modell, das fremde digitale Dienste – etwa Streaming – bündelt, das Angebot erweitern. Um sein Neukundenpotenzial zu erweitern, will N26 zudem künftig sein Marketingkonzept ändern: Weg vom Image einer „Hippsterbank“, hin zu einem Marketing, das alle Altersgruppen anspricht.
100.000 Neukunden pro Monat sind nicht ausreichend.“
Mosen schloss mit der provokanten These, dass in fünf Jahren kein junger Mensch mehr ein Konto bei einer Sparkasse oder Volksbank eröffnen wird.
Herausforderungen der Zukunft – Pläne beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband

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Das sieht Nicklas Urban vom Digitallabor des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands verständlicherweise anders. Er beschrieb die Pläne des DSGV entsprechend: Banking-Prozesse sollen so einfach werden wie die Nutzung von Google, eine perfekte Customer Experience als Basis der Entwicklung. Urban skizzierte dazu eine vierstufige Roadmap für digitale Identitäten. Nach dem Start vor vier Jahren wurde die eID in die Kernbanking-Prozesse integriert und die Finanz Informatik 2024 als Identitätsdienstleister zertifiziert.
Im Sommer 2026 startet die Phase der digitalen Wallets, bei der Dokumente wie Kreditdaten oder Altersnachweise direkt in bestehende Ökosysteme wie die Google Wallet und Co. integriert werden, um Kunden maximale Wahlfreiheit zu bieten. In der dritten Phase folgt die verpflichtende Akzeptanz der europäischen EUDI-Wallet, die als Anker für Identität, elektronische Signaturen und Payment nach dem Prinzip „Proof & Pay“ dienen soll. Anfang 2027 startet die vierte Phase, in der die Sparkassen-App selbst als EUDI-Wallet fungieren soll, wobei für die Verifizierung mit dem Softwareunternehmen TICE zusammengearbeitet wird.
Wie Digitalisierung, Automatisierung und künstliche Intelligenz den gewerblichen Finanzierungsmarkt verändern
Nach der Mittagspause wurde das Programm von Markus Kuchnia, dem Vertreter von Fynbiz, mit seinem Vortrag „Effizienz statt Hype – wie Digitalisierung, Automatisierung und künstliche Intelligenz den gewerblichen Finanzierungsmarkt verändern“ fortgesetzt. Er erläuterte die Entwicklung des Unternehmens, das aus den Plattformen FinCompare und Compeon hervorgegangen ist und seit 2024 unter dem Namen Fynbiz firmiert.

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Das Unternehmen fokussiert sich primär auf den deutschen Mittelstand als Zielgruppe und arbeitet bundesweit mit rund 300 Finanzierungsinstituten zusammen. Obwohl Fynbiz zu 100 Prozent im Besitz des genossenschaftlichen Finanzsektors ist, betonte Kuchnia ausdrücklich, dass die Plattform agnostisch agiert und keineswegs nur im genossenschaftlichen Bereich unterwegs ist. Der gewerbliche Finanzierungsmarkt wird dabei durch eine Kombination aus digitalen Prozessen und persönlichen Finanzierungsberatern bedient, um die Balance zwischen technologischer Effizienz und individueller Betreuung zu wahren.
Fazit

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Der 21. CIBI Innovationstags 2026 zeigte erneut, dass die Finanzbranche weiter vor einer tiefgreifenden technologischen Transformation steht, bei der die radikale Vereinfachung der Customer Experience über Überleben oder Abwanderung entscheidet. Angetrieben durch die extreme Innovationsgeschwindigkeit neuer Wettbewerber verliert die reine Kostenkontrolle an Bedeutung; stattdessen wird Künstliche Intelligenz in Form von Agentic AI zum neuen Kern des bankbetrieblichen Betriebssystems. Parallel dazu läuten die europäische EUDI-Wallet und digitale Identitäten ab 2026/2027 einen Infrastruktur-Wandel ein, der als zentraler Souveränität? Angesichts drohender Vendor Lock-ins und einer spürbaren Lieferantenkonzentration sollten Banken ihre digitale Souveränität aktiv sichern, um in einem streng regulierten europäischen Umfeld technologisch selbstbestimmt und resilient handlungsfähig zu bleiben.dk
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