ANWENDUNG11. Juni 2026

SAS setzt Agentic AI gegen KI-gestützten Versicherungsbetrug ein

Was wirkt wie eine Unfallszene, ist komplett synthetisch generiert. Verwendet wird ein Prompt, der eine Kollision in der Straße eines englischen Vororts visualisiert.

Was wirkt wie eine Unfallszene, ist komplett synthetisch generiert. Verwendet wird ein Prompt, der eine Kollision in der Straße eines englischen Vororts visualisiert. SAS

Der Einsatz generativer KI verändert zunehmend auch die Betrugslandschaft in der Versicherungswirtschaft. Mit frei verfügbaren Anwendungen wie ChatGPT oder Gemini lassen sich heute ohne besondere technische Vorkenntnisse täuschend echte Bildmanipulationen erstellen, die als vermeintliche Belege für erfundene Schäden in Schadensmeldungen eingereicht werden können. Vor diesem Hintergrund hat SAS eine auf Agentic AI basierende Lösung vorgestellt, die Versicherungsunternehmen bei der Erkennung KI-generierter oder manipulierter Bilder unterstützen soll.

Die neue Fraud-Screening-Pipeline basiert auf SAS Intelligent Decisioning und SAS Viya und kombiniert mehrere KI-Technologien, um eingereichte Dokumente und Bilder automatisiert zu analysieren. Ziel ist es, verdächtige Inhalte bereits im frühen Stadium der Schadensbearbeitung zu identifizieren und so betrügerische Schadensfälle zu erkennen, bevor es zu einer Regulierung kommt. Nach Angaben des Unternehmens setzt die Lösung auf eine agentenbasierte Architektur, die Computer Vision, Optical Character Recognition (OCR) sowie LLM-basiertes Reasoning miteinander verbindet. Dadurch sollen sowohl synthetisch erzeugte Bilder als auch nachträglich manipulierte Fotos erkannt werden.

Die Pipeline übernimmt dabei verschiedene Aufgaben: Sie prüft Dokumente und Bilder automatisiert auf Manipulationsspuren, kombiniert OCR-basierte Texterkennung mit semantischer Analyse und forensischer Bildprüfung und berechnet daraus einen Risikoscore. Abhängig vom Ergebnis können Fälle automatisch freigegeben, an Sachbearbeiter eskaliert oder unmittelbar abgelehnt werden. Ergänzend stellt die Lösung visuelle Overlays bereit, die auffällige Bildbereiche markieren und damit nachvollziehbar machen sollen, warum ein Dokument als verdächtig eingestuft wurde. Dashboards innerhalb von SAS Viya überwachen darüber hinaus Modellverhalten, Risikotrends und Entscheidungsprozesse.

Versicherungsbetrug verursacht Milliardenkosten

Der kleine Riss im Couchtisch ist tatsächlich digital erstellt. Die Anpassung ist subtil genug, um als gängiger Alltagsschaden durchzugehen.

Der kleine Riss im Couchtisch ist tatsächlich digital erstellt. Die Anpassung ist subtil genug, um als gängiger Alltagsschaden durchzugehen.
SAS

Der Bedarf für entsprechende Technologien wächst. Nach Schätzungen entstehen allein in Deutschland durch Versicherungsbetrug jährlich Schäden von mehr als sechs Milliarden Euro. Zudem weisen etwa zehn Prozent der Schadensfälle in der Schaden- und Unfallversicherung Ungereimtheiten auf. Gleichzeitig fühlen sich viele Organisationen auf die neue Generation KI-gestützter Betrugsversuche bislang nur unzureichend vorbereitet. Eine gemeinsame Umfrage der Association of Certified Fraud Examiners (ACFE) und SAS zeigt, dass 93 Prozent der Fraud-Experten ihre Organisation höchstens als „mäßig“ gerüstet einschätzen, um KI-basierten Betrug zu erkennen. Besonders kritisch fällt die Selbsteinschätzung in der Versicherungsbranche aus: Dort bewertet keiner der befragten Experten die eigenen Fähigkeiten als besser als „mäßig“.

Die Herausforderung besteht darin, dass moderne generative KI selbst kleine Veränderungen in Alltagsfotos überzeugend einfügen kann. Beschädigungen an Fahrzeugen, Gebäuden oder Gegenständen lassen sich so künstlich erzeugen oder erweitern, ohne dass die Veränderungen für menschliche Prüfer unmittelbar erkennbar sind. Werden diese Bilder anschließend in Schadensmeldungen eingebunden, ist eine nachträgliche Identifikation der Manipulation häufig schwierig. SAS sieht den Einsatz spezialisierter KI-Agenten deshalb als Möglichkeit, Versicherungsunternehmen bei der automatisierten Vorprüfung von Beweismaterial zu unterstützen und Betrugsfälle schneller und nachvollziehbarer zu identifizieren. Nach Angaben des Unternehmens lässt sich die entwickelte Technologie nicht nur im Versicherungssektor einsetzen, sondern auch auf Branchen wie Banken oder Behörden übertragen, in denen gefälschte oder manipulierte Bilddokumente ebenfalls zunehmend zu einem Risiko werden.

Mit wenigen Prompts können Betrüger mit Generative AI visuelle Beweise erzeugen, verfälschen oder löschen, um unberechtigte Versicherungsansprüche zu stützen. Versicherer müssen mit intelligenter Technologie dagegenhalten, um Betrugsversuche einzubremsen. Tools zur Erkennung synthetischer Bilder helfen Versicherern, Verluste zu reduzieren, die Genauigkeit zu erhöhen. Nicht zuletzt schützen sie damit ehrliche Kunden und ersparen der Gemeinschaft der Versicherten hohe Kosten.“

Franklin Manchester, Principal Global Insurance Advisor bei SAStw

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