Kapitalmarkt-Tokenisierung bei der NRW.BANK: Hybrid-Modelle als Standard

NRW.BANK
von Kai Sören Deinert, NRW.BANK Unternehmensentwicklung
Mit dem im Jahr 2021 verabschiedeten Gesetz über elektronische Wertpapiere (eWpG) müssen Emittenten ihre Wertpapierurkunden nicht mehr zwingend in Papierform hinterlegen. Stattdessen kann dies auch in einem digitalen Emissionsregister passieren. Dafür können Distributed-Ledger-Technologien wie die Blockchain zum Einsatz kommen.
Seitdem haben verschiedene Banken diese Möglichkeit genutzt, um erste Erfahrungen mit elektronischen Wertpapieren zu sammeln. Dazu zählt auch die NRW.BANK.
Die Förderbank für Nordrhein-Westfalen emittierte im Juli 2025 erstmals eine blockchainbasierte Anleihe.“
Die Emission der 100-Millionen-Euro-Anleihe stellte für die NRW.BANK nicht nur einen technologischen Meilenstein, sondern auch einen wichtigen strategischen Schritt dar. „Unser Ziel war nicht, kurzfristig Kostenvorteile zu realisieren. Vielmehr wollten wir neue Technologien und Prozesse verstehen, um auf künftige Marktentwicklungen vorbereitet zu sein“, sagt David Kleinewegen aus dem Bereich Kapitalmärkte der NRW.BANK.
Praktische Umsetzung bei der NRW.BANK war herausfordernd
Die praktische Umsetzung zeigte jedoch schnell, dass die Technologie nur einen Teil der Herausforderung darstellt. Neue Prozesse für Buchung und Abwicklung mussten ebenso entwickelt werden wie Lösungen für rechtliche und organisatorische Fragestellungen. Diese erforderten eine enge Zusammenarbeit über verschiedene Fachbereiche der NRW.BANK hinweg sowie mit den beteiligten Partnerbanken.
Gerade die Zusammenarbeit verschiedener Marktteilnehmer erwies sich dabei als wichtiger Erfolgsfaktor.

NRW.BANK / Fotostudio Schmidt-Dominé
Bei neuartigen Transaktionen bringen die beteiligten Partner unterschiedliche Sichtweisen und Fragestellungen ein. Die gemeinsame Klärung dieser Themen schafft am Ende einen Mehrwert für alle Beteiligten“
David Kleinewegen, Bereich Kapitalmärkte der NRW.BANK
Technisch wurde die Anleihe über digitale Token auf der Blockchain „Polygon“ abgebildet. Die Token repräsentierten die Anleihe und wurden direkt bei der Emission erzeugt. Ein Vorteil dieses Ansatzes liegt in der schnelleren Abwicklung: Während bei klassischen Emissionen häufig bis zu fünf Handelstage zwischen Emission und Settlement liegen, erfolgte das Settlement der ersten blockchainbasierten Anleihe der NRW.BANK bereits nach einem Handelstag. Perspektivisch sind hier sogar taggleiche Abwicklungen denkbar.
Hybride Modelle statt vollständiger Ablösung
Die Digitalisierung des Kapitalmarkts erfolgt allerdings nicht durch die vollständige Ablösung bestehender Infrastrukturen. Stattdessen werden digitale Technologien schrittweise in bestehende Prozesse integriert.
Es entstehen hybride Modelle, bei denen einzelne Schritte entlang der Wertschöpfungskette bereits digital abgebildet werden, während andere weiterhin über etablierte Marktinfrastrukturen abgewickelt werden.“
Ein Grund dafür: Gerade für blockchainbasierte Anleihen existieren bislang noch keine einheitlichen Marktstandards. Banken und Emittenten arbeiten derzeit an unterschiedlichen Lösungsansätzen und sammeln Erfahrungen mit neuen Prozessen. Auch bei der Emission der NRW.BANK wurden nicht alle Prozessschritte digital abgewickelt. So erfolgte die Zahlungsabwicklung weiterhin auf klassischem Weg.
Genau darin sehen viele Marktteilnehmer die nächste Entwicklungsstufe. Während Wertpapiere bereits tokenisiert werden können, richtet sich der Blick des Marktes zunehmend auf digitale Formen der Zahlungsabwicklung. Dazu David Kleinewegen: „Die Digitalisierung des Kapitalmarkts endet nicht mit der Emission einer Blockchain-basierten Anleihe. Besonders die Entwicklung von Best Practices und Marktstandards sowie die Frage, wie auch die Zahlungsströme praktikabel digital abgewickelt werden können, wird die weitere Entwicklung des Marktes prägen.“Kai Sören Deinert, NRW.Bank/dk
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