Zwischen Legacy und Zukunft: CIO-Agenda von Banken und Versicherungen

Lünendonk
von Tobias Ganowski, Senior Consultant, Lünendonk
Die Finanzbranche agiert in einem anspruchsvollen gesamtwirtschaftlichen Umfeld: Gedämpftes Wachstum in der Eurozone, anhaltende geopolitische Unsicherheiten sowie ein strukturell verändertes Zinsumfeld prägen die Rahmenbedingungen. Zusätzlich ist im Bereich der digitalen Transformation ein deutlicher Anstieg der Regulatorik zu verzeichnen.
Der seit Jahren bestehende Druck auf Effizienz und Kostenoptimierung bleibt bestehen. Digitale Technologien gelten dabei als zentraler Hebel: Laut aktuellen Lünendonk-Daten planen 62 Prozent der Banken und Versicherungen, ihr IT-Budget im Jahr 2026 zu erhöhen.
Was sind die Hauptpunkte der IT-Investition von Banken und Versicherungen?
Die CIO-Agenda konzentriert sich dabei auf folgende Schwerpunkte:
- Digitale Resilienz & Cyber Security: 90 Prozent der Finanzdienstleister messen den Themen hohe Priorität bei. Die existenzielle Bedeutung von IT-Betriebsstabilität und Angriffssicherheit in einer zunehmend vernetzten, regulierten und geopolitisch volatilen Welt spiegelt sich darin wider. Entsprechend geht es nicht mehr allein um den Schutz einzelner Systeme, sondern um die Fähigkeit, Geschäftsprozesse auch unter Krisen-, Ausfall- und Angriffsbedingungen dauerhaft aufrechtzuerhalten.
- IT-Modernisierung: Für 83 Prozent der Banken und Versicherungen stellt die IT-Modernisierung ein zentrales Fokusthema dar. In vielen Häusern laufen Kernsysteme nach wie vor auf Jahrzehnte alten Plattformen: COBOL-Code, Mainframe-Architekturen und proprietäre Individualentwicklungen bilden das technologische Rückgrat einer Branche, die gleichzeitig den digitalen Wandel vorantreiben soll. Legacy-Systeme haben zwar ihre Daseinsberechtigung und sind per se nicht zwingend ersetzungsbedürftig; in vielen Fällen erschweren sie jedoch wichtige Modernisierungs- und Innovationsvorhaben.
- KI- und Datentransformation: Drei von vier Finanzdienstleistern widmen sich dieser Thematik mit hoher Intensität. Generative KI-Anwendungen werden bereits heute vereinzelt für Dokumentenverarbeitung, Risikobewertung, Betrugserkennung und die Automatisierung von Kundenkommunikation eingesetzt. Der entscheidende Schritt, den viele Institute noch vor sich haben, ist die Überführung von Pilotprojekten in skalierbare, unternehmensweite KI-Plattformen. Dies erfordert saubere Datenhaushalte, durchgängige Data Governance und eine Architektur, die heterogene Datenquellen miteinander verbindet. Darüber hinaus werden KI-Agenten stark an Relevanz gewinnen und neue Möglichkeiten eröffnen: von der automatisierten Kreditprüfung über das selbstständige Monitoring regulatorischer Anforderungen bis hin zur proaktiven Schadenssachbearbeitung im Versicherungsbereich.
Tobias Ganowski Senior Consultant bei den Analysten von Lünendonk (Webseite) und untersucht dort seit 2018 den deutschen Digital- und IT-Markt. Seine Schwerpunkte liegen auf der Analyse des Dienstleistungsmarktes, der CIO-Agenda und des Tech-Stacks sowie der Auswirkungen von Technologien auf Geschäftsmodelle und Organisationen.- Digital Experience & Commerce: Kunden erwarten nahtlose, personalisierte und kanalübergreifende Erlebnisse – Unternehmen wie Apple oder Netflix sind dabei die Benchmark. Omnichannel-Plattformen, KI-gestützte Beratungsassistenten und offene API-Architekturen, die das nahtlose Zusammenspiel verschiedener Systeme ermöglichen, gewinnen daher an Bedeutung. Das Ziel ist eine End-to-End-Digitalisierung, die nicht nur die Kundenerfahrung verbessert, sondern auch Prozesskosten signifikant reduziert. 74 Prozent der Institute treiben diesen Themen daher intensiv voran.
- Awareness: Technologie allein transformiert keine Organisation – es sind die Menschen, die sie einsetzen, verstehen und weiterentwickeln. Gefragt sind dabei nicht nur technische Fachkenntnisse in Bereichen wie Cloud, KI oder Datenarchitektur, sondern ebenso digitale Methodenkompetenz, agiles Arbeiten und ein grundlegendes Verständnis für regulatorische Anforderungen im digitalen Kontext. Für Banken und Versicherungen bedeutet das: Weiterbildung muss zu einer strategischen Daueraufgabe werden, die eng mit der Transformationsagenda verzahnt ist. 71 Prozent der Institute legen hierauf einen Schwerpunkt.
Fazit: Investieren oder zurückfallen
Die Finanzbranche befindet sich in einem technologischen Transformationsmarathon, der keine Atempause kennt. Wer jetzt nicht konsequent in IT-Modernisierung, KI, digitale Skills und Kundenschnittstellen investiert, riskiert mittelfristig den Anschluss – an die Konkurrenz, aber vor allem an die Erwartungen seiner Kunden. Die gute Nachricht: Die Bereitschaft zu investieren ist vorhanden. Die eigentliche Herausforderung liegt in der konsequenten und priorisierten Umsetzung. „ Tobias Ganowski , Lünendonk/dki
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