ABN AMRO Fintech-Venturing: Erst messbarer Impact, dann Sandbox, dann Integration

ABN AMRO
von Dunja Koelwel
Herr Hammerlinck, Anhand welcher konkreten Kriterien (z. B. technologische Reife, Einhaltung gesetzlicher Vorschriften, Skalierbarkeit) filtert Ihre Bank potenzielle Fintech-Partner in der Anfangsphase heraus?
Das wichtigste Kriterium ist die Auswirkung auf den Endkunden, den Nutzer oder den Prozess. Manchmal wird vergessen, dass dieses Kriterium für jede potenzielle Partnerschaft definiert und messbar sein muss. Wenn Sie beispielsweise eine Datenmanagement-Lösung testen, drehen sich Ihre Auswirkungskriterien wahrscheinlich um die Fähigkeit, die Datenqualität zu verbessern, die betriebliche Effizienz zu steigern, die Compliance zu stärken usw. Bei einem KI-Assistenten für Berater geht es wahrscheinlich darum, die durchschnittliche Bearbeitungszeit eines Anrufs zu verkürzen, das Kundenerlebnis zu verbessern und die Kundenzufriedenheit zu steigern. Wenn die Auswirkungen nicht klar definiert und somit nicht nachweisbar sind, gibt es keinen Business Case, und alle anderen Kriterien werden nahezu irrelevant.
Spagat zwischen Agilität und Regulatorik
Wie schaffen Sie bei Ihrer Auswahl den Spagat zwischen der Agilität eines jungen Start-ups und den strengen Sicherheits- und Datenschutzanforderungen (wie ZKPs oder DSGVO-Konformität)?
Das Gleichgewicht entsteht durch das Verständnis der jeweiligen Stärken und die Fähigkeit, sich in einer Partnerschaft gegenseitig zu ergänzen. Ein Startup kann einer Bank eine innovative und schnelle Lösung sowie moderne Technologie bieten. Eine Bank kann mit ihrem Wissen über Compliance, Cybersicherheit und den IT-Betrieb in großem Maßstab dazu beitragen, das Produkt weiter auszureifen. Wenn eine Partnerschaft mit dieser Einstellung beginnt, kann Großes entstehen.
Was ist der größte Deal-Breaker, der dazu führt, dass eine potenziell vielversprechende Partnerschaft bereits während des Evaluierungsprozesses scheitert?
Das Fehlen einer partnerschaftlichen Mentalität. Banking ist ein Vertrauensgeschäft.
Man kann das beste Produkt aller Zeiten haben, aber wenn man keine konstruktive Einstellung zur Zusammenarbeit hat und nicht weiß, wie man Vertrauen aufbaut, wird die Partnerschaft irgendwann scheitern.“
Wie sieht eine typische Ausstiegsstrategie für Ihre strategischen Investitionen aus – ist die vollständige Übernahme das vorrangige Ziel?
Bei den meisten Investments ja, auch weil viele Ventures B2B-Lösungen entwickeln, die zu einem strategischen Käufer passen, beispielsweise einem etablierten Technologieunternehmen, einer Private-Equity-Gesellschaft oder eben einem großen Finanzinstitut.
Die Rolle der Banken im Fintech-Ökosystem
Wie definieren Sie die Rolle Ihrer Bank im Ökosystem – streben Sie an, der zentrale Koordinator oder ein modularer Baustein innerhalb anderer Plattformen zu sein?
Das hängt vom Geschäftsbereich, vom Kundensegment und vom Produkt ab. In den meisten Fällen unterhält ABN AMRO eine direkte Beziehung zum Kunden, aber Embedded Banking ist ebenfalls einer der Schwerpunkte für Innovationen.
Wie überbrücken Sie die kulturellen Unterschiede zwischen der agilen, risikofreudigen Fintech-Welt und der traditionellen, risikoscheuen Bankenstruktur?
Indem wir anerkennen, dass das, was einer traditionellen Bank manchmal fehlt, ein Fintech einbringen kann – und umgekehrt. Dies sollte von Anfang an ein aktiver Dialog sein, für den beide Seiten offen sind. Fintechs können von Banken lernen, sicher, geschützt und konform in großem Maßstab zu arbeiten. Banken wiederum können von dem Unternehmergeist und der Agilität profitieren, die Fintechs mitbringen.
Welche Methoden und Scouting-Kanäle nutzen Sie, um relevante Fintech-Trends und bahnbrechende Technologien frühzeitig zu identifizieren?
Laurens Hamerlinck ist ein niederländischer Innovationsmanager und bekleidet die Position des Head of Fintech Venturing bei ABN AMRO in Amsterdam (Webseite). Er gilt als strategischer Kopf an der Schnittstelle zwischen traditionellem Bankenwesen und dem globalen Startup-Ökosystem. Hamerlinck gilt als Mitbegründer des ABN AMRO + Techstars Future of Finance Accelerator. Dieses Fintech-Programm läuft in Amsterdam und rekrutiert vielversprechende Startups in ganz Europa.Wir arbeiten aktiv mit zwei Investmentfirmen zusammen, um die Pipeline für unseren Innovations-Funnel aufzubauen: Zum einen sind wir an Motive Partners beteiligt, einer internen Fintech-Investmentfirma mit fundierter Branchenexpertise, die in allen Phasen investiert – von der Venture-Phase über die Wachstumsphase bis hin zum Buy-out. Zweitens arbeiten wir mit Techstars zusammen, einem Seed-Phase-Investor, mit dem wir gemeinsam den jährlichen „ABN AMRO + Techstars Future of Finance Accelerator“ veranstalten. Dabei investieren wir jedes Jahr in acht bis zehn vielversprechende Fintech-Unternehmen, einschließlich eines dreimonatigen Präsenzprogramms, bei dem wir die Gründer aktiv in der Bank vorstellen. Im kommenden September starten wir unsere sechste Runde in Amsterdam.
Integrationsprozess: Was ist die größte Hürde während des Proof of Concept (PoC), wenn eine externe Lösung in Ihre bestehende IT-Legacy-Infrastruktur integriert wird?
Wir versuchen stets, einen PoC mit minimaler oder gar keiner Integration in die Bank einzurichten. Alternativ können wir die „Innovation Sandbox“-Umgebung nutzen. Ich bin davon überzeugt, dass ein kluges Vorgehen beim Testen der Auswirkungen der Schlüssel zu einem erfolgreichen Partnerschaftsprozess bei Innovationen ist. Die nachgewiesenen Auswirkungen lassen sich dann extrapolieren und bilden die Grundlage für den Business Case und den Start der eigentlichen Integrationsphase.
Spannende Fintech-Segmente der kommenden Monate
Welche Fintech-Segmente (z. B. GenAI, Embedded Finance, RegTech) stehen derzeit ganz oben auf Ihrer Sourcing-Roadmap für die nächsten 24 Monate?
Die wichtigsten Innovationsthemen für ABN AMRO sind Künstliche Intelligenz, Embedded Banking und digitale Vermögenswerte. Dabei ist KI die nächste Stufe in der Finanztechnologie, die die gesamte Wertschöpfungskette durchdringt. Darüber hinaus sind wir stets offen für Gespräche über innovative Lösungen, die echte Auswirkungen für Kunden oder Mitarbeiter haben, unsere Abläufe deutlich verbessern oder neue Geschäftsfelder erschließen.
Herr Hammerlinck, vielen Dank für das Gespräch.dk
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