SCHWERPUNKT29. Juli 2026

[[ x26FK] ] BaaS: Bankinfrastruktur via API für Fintechs

Schwerpunkt: Fintech – Kooperation & Konkurrenz
Joe Wilson, Chief Evangelist und ehemaliges Vorstandsmitglied & COO von bunq, steht vor einer modernen, farblich beleuchteten Decke. Diese visuelle Gestaltung spiegelt die Innovationskraft im Bereich BaaS wider und unterstreicht die Rolle von Fintechs im Finanzse
Joe Wilson, Chief Evangelist und ehemaliges Vorstandsmitglied & COO, bunq bunq

Lange Zeit prägte die Angst vor radikaler Konkurrenz durch Tech-Unternehmen die Debatte im Finanzsektor. Doch statt Banken zu verdrängen, treiben Regulierungen wie die PSD2 heute ein neues Zeitalter der Kooperation voran. Das Konzept des Banking-as-a-Service (BaaS) fungiert dabei als technologische und regulatorische Brücke. Am Ende zeigt sich, dass der gemeinsame Erfolg nicht im Gegeneinander, sondern im Teilen etablierter Infrastrukturen liegt.

von Joe Wilson, Chief Evangelist und ehemaliges Vorstandsmitglied & COO, bunq

Bevor PSD2, die EU-Regulierung zur Modernisierung des elektronischen Zahlungsverkehrs, eingeführt wurde, bereitete sich die Bankenbranche auf das Schlimmste vor: Die Sorge war, dass Technologieunternehmen die Öffnung von Bankdaten und Zahlungsdiensten für Drittanbieter nutzen würden, um Banken ihre Kunden abzuwerben. Heute zeigt sich, dass diese Befürchtung überzogen war.

Auch wenn PSD2 nicht die Revolution auslöste, die viele vorhergesagt hatten, stieß die Regulierung eine Entwicklung an, die den Finanzsektor bis heute prägt. Ihr jüngstes Kapitel heißt Banking-as-a-Service (BaaS): Banken stellen ihre regulierte Infrastruktur über Schnittstellen zur Verfügung, sodass andere Unternehmen Bankdienstleistungen direkt in ihre eigenen Produkte integrieren können.

Unternehmen, denen sie vertrauen und die sie nutzen, können sich auf ein herausragendes Nutzungserlebnis konzentrieren, statt sich mit dem Aufbau einer eigenen Bankinfrastruktur, regulatorischen Anforderungen und Compliance-Prozessen beschäftigen zu müssen.“

Eine Banklizenz, zum Beispiel, ist eine der größten regulatorischen Hürden überhaupt

Banken haben deshalb die Wahl: Sie können diese Infrastruktur ausschließlich für sich behalten oder sie anderen Unternehmen zur Verfügung stellen, um darauf aufzubauen. Letzteres eröffnet deutlich mehr Möglichkeiten. Ein gutes Beispiel dafür ist „Know Your Customer“ (KYC; deutsch: „kenne deine Kunden“), also die gesetzlich vorgeschriebene Identitätsprüfung von Kunden. Die zuverlässige Verifizierung der Identität von Nutzern ist jedoch nicht nur eine Vorschrift für Finanzunternehmen. Auch Einzelhändler und Online-Marktplätze benötigen eine zuverlässige Identitätsprüfung, um Betrug vorzubeugen. Wenn solche Funktionen über offene APIs bereitgestellt werden können, gibt es kaum einen Grund, sie ausschließlich innerhalb einer Bank zu nutzen.

Autor Joe Wilson, bunq
Ein lächelnder Mann mit Brille trägt ein grünes Oberteil. Der Hintergrund ist unscharf, mit einem modernen, professionellen Ambiente. Im Kontext von BaaS wird die Bedeutung von Bankinfrastruktur für Fintechs hervorgehoben.Joe Wilson ist Chief Evangelist und ehemaliges Vorstandsmitglied & COO bei bunq (Webseite). Mit über zwei Jahrzehnten Erfahrung als Gründer steht er an vorderster Front als Führungskraft in Startups, Scale-ups und Big Tech.

Für Unternehmen außerhalb des Finanzsektors ist das eine gute Nachricht. Wer bereits über ein überzeugendes digitales Produkt verfügt, muss nicht selbst zur Bank werden, um Finanzdienstleistungen anzubieten. Die Möglichkeiten sind vielfältig: von integrierten Bankkonten über Zahlungsmethoden und Echtzeit-SEPA-Überweisungen. Letztlich geht es dabei vor allem um ein besseres Nutzungserlebnis. Der entscheidende Mehrwert liegt nicht in der Technologie selbst, sondern darin, Reibungspunkte im Alltag zu beseitigen.

Beispiel: bunq-as-a-Service

Wir haben es selbst erlebt: Der erste Partner von bunq bei „bunq-as-a-Service“, unserer „Banking-as-a-Service“-Plattform, war die niederländische Bitcoin-Plattform Blockrise. Die Einrichtung dauerte Wochen, nicht Monate. Allein im ersten Monat entschieden sich 40 Prozent ihrer berechtigten Nutzer dafür, auf ihre eigene bunq-IBAN umzusteigen. Das sind eine Menge Menschen, die der Meinung waren, dass dies ihr Leben einfacher macht.

Das bedeutet keineswegs, dass Banken verschwinden. Es bedeutet, dass alle das tun, was sie tatsächlich gut können. Was ich mir jetzt wünsche, ist eine europäische Tech-Szene, die mehr teilt, als sie für sich behält. Letztendlich verfolgen wir alle dasselbe Ziel: den Menschen das Leben zu erleichtern. Wenn eine solide Bankinfrastruktur zu etwas wird, an das man sich einfach anschließen kann, anstatt sie von Grund auf neu aufzubauen, kommen alle schneller voran. Am Ende gewinnen diejenigen,, für die wir die ganze Zeit hätten entwickeln sollen: die Nutzer. Joe Wilson, bunq/dk

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