STRATEGIE6. März 2017

„Alle drei Sekunden bezahlt in Deutschland ein Kunde mit giropay“ – Interview mit giropay-GF Jörg Schwitalla

Jörg Schwitalla, giropay-Geschäftsführergiropay

giropay gibt es seit 2006/2007 – und war der erste Online-Payment-Anbieter der Retail-Banken. Wie steht es um die Zukunft von giropay? Immerhin unterstützen die Banken heute paydirekt mit wesentlich größeren Budgets. Wir haben bei Jörg Schwitalla, dem giropay-Geschäftsführer, nachgehakt.

Herr Schwitalla, giropay ist jetzt mehr als 10 Jahre am Markt. Ist giropay im E-Payment nicht wegzudenken? Sehen Sie sich als wirklich dauerhaft gesetzt?

giropay ist – wenn Sie so wollen – das erste FinTech-Unternehmen, das die Sparkassen-Finanzgruppe, die genossenschaftliche Finanzgruppe und die Postbank gegründet haben. Damals haben die handelnden Beteiligten trotz des geringen „StartUp“-Budgets echten Weitblick bewiesen, indem sie ein sicheres Bezahlverfahren auf Basis der vielgenutzten Überweisung für den E-Commerce entwickelt und auf den Markt gebracht haben. Mit Blick auf den aktuellen FinTech-Hype muss man feststellen, dass etliche Payment-Unternehmen von damals längst schon wieder vom Markt verschwunden sind. Das Online-Bezahlverfahren giropay hingegen hat sich nachhaltig etabliert.

 Aber eine Erfolgsstory sieht doch anders aus, oder?

Zugegeben: giropay hat sich nicht so dynamisch entwickelt wie erhofft – aber wir sind durchaus selbstkritisch und auch lernfähig.“

Dass giropay deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurückblieb, hat viele Gründe. Fehlende Vertriebs-Verantwortlichkeiten und keine marktadäquaten Konditionen über einen langen Zeitraum hinweg sowie unzureichende Marketing-Unterstützung sind einige davon. Doch giropay hat aus seinen Fehlern gelernt und diese konsequent korrigiert. Der Erfolg in den letzten zwei, drei Jahren gibt uns recht: Wir haben viele namhafte Händler für giropay gewinnen können und dort signifikante Anteile im Zahlungsmix, die uns kaum jemand zugetraut hätte.

Jüngstes positives Beispiel ist z.B. die Deutsche Lufthansa, bei der Kunden mit giropay bezahlen können – natürlich ohne zusätzliche Aufschläge für die Zahlmethode.“

Hätten Sie sich die Unterstützung der Kreditwirtschaft gewünscht, die paydirekt heute erfährt?

Mit dem Wissen von heute ist vieles einfacher, und man kann Dinge von vornherein besser machen.

Eine flächendeckende Akzeptanz von giropay in der deutschen Kreditwirtschaft und eine gemeinschaftliche Kommunikation aller teilnehmenden Banken und Sparkassen hätten giropay sicherlich deutlich stärker vorangetrieben.“

Also giropay einstellen und alles auf paydirekt setzen?

Beide Verfahren – giropay wie auch paydirekt – zahlen auf ein gemeinsames Ziel ein: nämlich Kunden und Handel gleichermaßen sichere Bezahlverfahren von Banken und Sparkassen anzubieten und sie nicht Zahlungsanbietern außerhalb der Kreditwirtschaft zu überlassen. Und: Beide Verfahren sichern Banken und Sparkassen über entsprechende Provisionserlöse eine zukunftsfähige Teilhabe am Online-Handel. Insofern geht es nicht um ein Entweder/ Oder. Beide Verfahren leisten ihren eigenständigen Beitrag.

giropay

Nun haben sich die Marktanforderungen an Online-Bezahlverfahren seit damals massiv verändert. Wie haben Sie darauf reagiert?

Auch giropay hat sich in den letzten Jahren beim Produkt deutlich weiterentwickelt. Etliche essentielle Features wurden nachgelegt: Ich denke da an das einfache automatische Self-Onboarding für Online-Händler auf giropay.de, die Interoperabilität mit unserem „Schwesterverfahren“ EPS (AT), die noch komfortablere Bezahlung mit giropay ohne TAN bei Kleinbeträgen sowie wichtige Mehrwertlösungen für den Handel wie z.B. die Altersverifikation mit giropay-ID.

Mal gemein gefragt: Erleben wir noch die 20 Jahrfeier von giropay?

Ich wüsste nicht, was dagegen spricht. giropay baut seine Akzeptanz auf Händlerseite und in der Nutzung durch Käufer kontinuierlich aus. Die Anzahl der Transaktionen wuchs  2016 gegenüber 2015 um 25%, während der gesamte E-Commerce-Markt in Deutschland gerade mal ein Plus von 11% (lt. HDE) verzeichnete. Wir müssen uns also mit unseren Transaktionszahlen nicht verstecken!

Alle drei Sekunden bezahlt in Deutschland ein Kunde mit giropay, weshalb eine Steigerung von 25% für Banken und Sparkassen auch eine Steigerung des Marktanteils am Online-Zahlungsmix bedeutet.“

Der durchschnittliche Warenkorb beträgt bei giropay aktuell über 90 EUR und liegt damit deutlich über dem Marktdurchschnitt von 64 EUR (in 2015; Quelle: Statista).

Außerdem sehe ich der Zukunft mit Blick auf die Veränderungen rund um die PSD 2-Richtlinien ausgesprochen positiv entgegen. giropay ist – anders als andere Verfahren im Markt – längst „PSD 2 konform“: Mit der Nutzung des bewährten PIN- und TAN-Verfahrens auf einzelvertraglicher Basis wickeln wir heute schon für über 1.500 Banken und Sparkassen giropay-Zahlungen ab. Das sind etwa 85% des Privatkundenmarktes in Deutschland.

Mit Inkrafttreten der PSD 2 und dem damit verbundenen „Access-to-Account“ können wir endlich auch eine 100%ige Abdeckung aller Banken in Deutschland für giropay umsetzen und damit einen Wettbewerbsnachteil beseitigen.“

Herr Schwitalla – vielen herzlichen Dank für die spannenden Antworten.aj

 
Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
https://www.it-finanzmagazin.de/?p=46201
 
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