STRATEGIE4. Mai 2018

AnaCredit: Da­ten­qua­li­tät und das Da­ten­ma­nage­ment – große Herausforderungen für einen strategischen Ansatz

Abhishek Awasthi, Product Manager, AxiomSL EMEAAxiomSL EMEA

Weniger als fünf Monate vor der Einreichfrist für komplette Datensätze stellen die AnaCredit-An­for­de­run­gen wei­ter­hin gro­ße Her­aus­for­de­run­gen für die Ban­ken­bran­che dar. Mit dem Ana­Credit-Re­porting sind die Da­ten­qua­li­tät und das Da­ten­ma­nage­ment zu wich­ti­gen Schwer­punkt­be­rei­chen ge­wor­den. Die Be­schaf­fung von Da­ten von meh­re­ren und un­ein­heit­li­chen Da­ten­quel­len und die Zer­ti­fi­zie­rung ih­rer Voll­stän­dig­keit bleibt die grö­ß­te Her­aus­for­de­rung.

von Abhishek Awasthi, Product Manager, AxiomSL EMEA

Die von der Europäischen Zentralbank (EZB) initiierte AnaCredit-Verordnung oder analytische Kreditdatensatzbestimmung ist dafür konzipiert, granulare Darlehensdaten zu individuellen Bankkrediten zu erheben, die juristische Personen von Kreditinstitutionen in der Eurozone gewährt werden. Die erste Stufe der Verordnung beinhaltet die Meldung von Daten bzgl. Darlehen an juristische Personen, welche eine vordefinierte Schwelle überschreiten (in den meisten Ländern € 25.000). Die weiteren Stufen von AnaCredit werden den Meldeumfang erhöhen, einschließlich der Anzahl von zugelassenen Instrumenten sowie der untersuchten Gegenparteien.

Dieses Maß an detaillierten und breiten Datensatzanforderungen stellt eine erhebliche Belastung für Kreditinstitutionen dar. Der Zeitraum der Einreichungen startet am 30. September 2018 und einige Länder wie Deutschland und Irland haben ihre ersten Testfenster bereits seit Oktober 2017 geöffnet. Die Testfenster und die schlussendliche Aufnahme des Echtbetriebs erfolgt stufenweise zwischen heute und September 2018.“

AnaCredit - ein Datenmonster für Banken erzwingt eine neue Datenqualität
Nomad Soul/bigstock.com

Es gibt andere Herausforderungen in Verbindung mit dem AnaCredit-Reporting einschließlich der Notwendigkeit für Finanzinstitutionen, Meldungen an ihre Nationalen Zentralbanken (NZBs) zu übermitteln. NZBs müssen die AnaCredit-Daten dann an die EZB weiterleiten. Für Finanzinstitutionen (FIs) mit mehreren Niederlassungen könnte dies speziell schwierig sein, da sie Meldungen an mehrere NZBs erstatten müssen, um dem grenzüberschreitenden Aspekt der Verordnung gerecht zu werden.

Eine weitere Herausforderung von AnaCredit stellt zweifelsohne die Granularität der Daten dar, die von der EZB gefordert wird. Während andere Meldearten gewöhnlich den Schwerpunkt auf die Gesamtdarlehenswerte legen, fordert AnaCredit Angaben auf einer Einzelkredit-Basis mit vollständigen und detaillierten Informationen. Folglich ist die Datenqualität von wesentlicher Bedeutung und die typischen Gesamtwertanpassungen aufgrund von Datenqualitätsproblemen würde es unter dem AnaCredit-System nicht mehr geben.

Anacredit: Meldung „bei Veränderung“

Finanzinstitute sind auch mit strengen Vorschriften zur Meldehäufigkeit konfrontiert, die monatlich, vierteljährlich oder „bei Veränderungen“ erfolgen müssen. Monatliche und vierteljährliche Meldeabgaben müssen regelmäßig in Übereinstimmung mit bestimmten Zeitplänen übermittelt werden, während Meldungen „bei Veränderung“ nur dann erstattet werden müssen, wenn eine Änderung bei den Darlehensdaten vorliegt und nachdem die anfängliche Meldung bereits eingereicht wurde. Unterm Strich rufen diese Faktoren viele Durchführungsschwierigkeiten für Finanzinstitute hervor, die bereits mit einer Compliance-spezifischen Agenda überlastet sind.

FIs müssen in der Lage sein, den statistischen, betrieblichen und transaktionalen Meldeanforderungen sowie anderen Bestimmungen auf effizientere und einfachere Weise zu entsprechen. Darüber hinaus zeigt sich derzeit, dass die Anforderungen für das aufsichtsrechtliche Meldewesen ein ähnlich einheitliches Format annehmen. Dies könnte den FIs die Gelegenheit bieten, Daten anhand einer effizienten und logischen Methode zu erfassen, wodurch sie dieselbe Datenbeschaffung verwenden könnten, um alle Datenmeldeanforderungen zu erfüllen. Was AnaCredit betrifft, könnten Unternehmen, wenn die geplante Erweiterung des Meldeumfangs in Kraft kommt, ihre Meldung durch diesen einen gemeinsamen Datensatz vervollständigen.

Autor Abhishek Awasthi, Product Manager, AxiomSL EMEA
Abhishek Awasthi kam 2016 als Pro­dukt­ma­na­ger für FinS­tat und Ana­Credit Pro­ducts zu Axi­omSL. Mit über 10 Jah­ren Er­fah­rung im Be­reich Mel­de­we­sen bei Fi­nanz­dienst­leis­tun­gen kam er von JP Mor­gan, wo er die Po­si­ti­on des Exe­cu­ti­ve Di­rec­tor für Glo­bal Re­gu­la­to­ry Re­porting in­ne­hat­te. Vor sei­ner Tä­tig­keit bei JP Mor­gan lei­te­te er EMEA Pro­dukt und Im­ple­men­tie­rung bei Wol­ters Klu­wer (FRS). Sei­ne Er­fah­rung um­fasst die Im­ple­men­tie­rung von Lö­sun­gen für Be­rech­nun­gen der Ca­pi­tal Re­qui­re­ments Di­rec­tive IV (CRD IV), Com­mon Re­porting (CO­REP), Of­fen­le­gun­gen der Bank of Eng­land und an­de­re Vor­schrif­ten

Nachdem alle Daten zentral gesammelt werden, erhalten Berichtspflichtige einen einheitlichen, klaren Überblick über ihre derzeitige Kreditposition mit einer vergleichbaren Ansicht der vorhergehenden Monate. Aus Sicht eines Geschäfts- und Betriebsmodells stellt dies einen äußerst praktischen Weg zur Beurteilung der Daten und entsprechenden Entwicklung neuer Strategien dar.

Spezifische Anforderungen von AnaCredit werden auch den Schwerpunkt von einer reinen Sammlung und Übermittlung der Informationen hin zur zusätzlichen Sicherstellung einer besseren Datenqualität verlagern.“

Zwei Möglichkeiten, sich den AnaCredit-Herausforderungen zu stellen

Die erste Möglichkeit ist die Anwendung kurzfristiger taktischer Lösungen und die zweite ist ein strategischer Ansatz, bei dem die Chancen, die sich hinter der Vielschichtigkeit der Verordnung verbergen, im Hinblick auf eine langfristige Perspektive gesehen werden.

AnaCredit wird derzeit möglicherweise als eine beispiellose aufsichtsrechtliche Herausforderung wahrgenommen. Aber langfristig bietet AnaCredit eine Gelegenheit für FIs, ihre Datenmanagementfähigkeiten zu verbessern und die Effizienz ihrer Geschäfts- und Betriebsmodelle zu optimieren.“

Unternehmen benötigen einen strategischen Ansatz, um die Kosten und die Komplexität der Compliance zu bewältigen und gleichzeitig die Vorteile dieser aufsichtsrechtlichen Entwicklung zu nutzen.

FIs erkennen zunehmend, dass ihre Reporting- und Risikomanagementfunktionen eine effiziente Automatisierung erfordern. Diese Erkenntnis hat die Banken und Behörden zusammengebracht, um das Banks’ Integrated Reporting Dictionary (BIRD) zu erarbeiten, das Daten- und Transformationsverfahren enthält, die die Banken zur Erfüllung der AnaCredit-Berichtsanforderungen anwenden können.

Wenn FIs ferner einen stärker strategisch geprägten Ansatz für ihre Datenmanagement-Plattformen verfolgen, können sie die regulatorischen Herausforderung in einen betrieblichen Vorteil umwandeln und ihre Berichtserstattungsregeln effizienter gestalten.“

Da die Durchführungsfrist für die AnaCredit-Melderegeln immer näher rückt, sollten FIs strategisch überlegen, wie sie diese komplexen lokalen und globalen Compliance-Herausforderungen im Jahr 2018 und darüber hinaus bewältigen können.

 
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