SB & FILIALE12. Oktober 2026

Bezahlen beim Stromausfall: Mastercard gibt Offline-Funktion für Karten und Zahlungsterminals vor

Mastercard führt ab 2027 neue Anforderungen für Offline-Zahlungen ein.
ChatGPT

Auch ohne Verbindung zum Zahlungsnetz soll das Bezahlen mit Mastercard künftig funktionieren. Der Kartenanbieter führt dazu europaweit neue Anforderungen für Zahlungskarten und Terminals ein. Ab 2027 müssen neue Geräte und Karten Offline-Transaktionen bis zu 200 Euro unterstützen.

Der großflächige Stromausfall in Spanien und Portugal im April 2025 hat gezeigt, wie anfällig der digitale Zahlungsverkehr bei Störungen der Infrastruktur sein kann. Rund 55 Millionen Menschen waren nach Angaben von Mastercard damals von Einschränkungen beim digitalen Bezahlen betroffen. Damit solche Situationen künftig nicht mehr zwangsläufig zum Stillstand an der Ladenkasse führen, schreibt Mastercard die Unterstützung von Offline-Zahlungen für neue Karten und Zahlungsterminals in Europa vor. Ab Februar 2027 müssen sämtliche neu ausgegebenen Mastercard-Karten in Europa Offline-Zahlungen unterstützen. Für neu installierte und ausgetauschte Zahlungsterminals gilt die Vorgabe ab Mai 2027. Damit soll es möglich werden, auch ohne Netzwerkverbindung in Supermärkten, Tankstellen oder Apotheken einzukaufen.

Autorisierung direkt auf dem Kartenchip

Technisch setzt Mastercard auf die Offline-Autorisierung über den Chip der Zahlungskarte. Dazu wird ein von der kartenausgebenden Bank festgelegtes Ausgabenlimit sicher auf dem Chip hinterlegt. Verliert das Terminal die Verbindung zum Zahlungsnetz, kann es eine Transaktion lokal autorisieren, ohne dafür die Bank kontaktieren zu müssen. Das Verfahren unterstützt Zahlungen mit Chip und PIN bis zu einem Betrag von maximal 200 Euro pro Transaktion. Die tatsächliche Grenze legt die jeweilige Bank fest. Sobald die Verbindung wiederhergestellt ist, werden die gespeicherten Transaktionen zur Verrechnung übermittelt. Die eigentliche Zahlungsabwicklung erfolgt damit zeitversetzt.

Das Verfahren hat allerdings Grenzen: Auch eine Offline-Zahlung setzt ein funktionsfähiges Terminal mit Stromversorgung voraus. Bei einem vollständigen Stromausfall benötigen Händler deshalb beispielsweise eine Notstromversorgung. Zudem werden bestehende Karten und Terminals nicht automatisch umgestellt. Der Übergang dürfte sich über mehrere Jahre erstrecken.

Erste Praxiserfahrungen aus Nordeuropa

Mastercard hat entsprechende Verfahren bereits in Dänemark, Schweden, Estland und Lettland eingeführt. In Lettland konnten Geschäfte während eines Sturms weiterhin Kartenzahlungen annehmen, sofern ihre Terminals über Notstromaggregate versorgt wurden. In Dänemark liefen bei einem technischen Ausfall im Frühjahr 2026 ebenfalls zahlreiche Transaktionen weiter, obwohl die Verbindung zum übergeordneten Zahlungssystem unterbrochen war.

Auch wenn Strom oder Netzwerk ausfallen, brauchen die Menschen weiterhin Lebensmittel, Benzin und Medikamente. Wir haben gesehen, dass Offline-Zahlungen im Ernstfall viel bewirken können.“

Brice van de Walle, Executive Vice President, Core Payments bei Mastercard

Die europaweite Einführung wurde laut Mastercard mit Banken, Regulierungsbehörden, Zentralbanken und nationalen Regierungen abgestimmt. Sie ist Teil einer umfassenderen Initiative, mit der das Unternehmen die Widerstandsfähigkeit seiner europäischen Zahlungsinfrastruktur verbessern will. Für Banken und Zahlungsdienstleister bedeutet dies zusätzliche Anforderungen an die Kartenausgabe und die Terminalinfrastruktur. Bis die neuen Funktionen flächendeckend verfügbar sind, wird es allerdings dauern. Mastercard selbst rechnet für die Umstellung mit einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren.tw

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