FINTECH26. Juni 2020

Wie geht es weiter mit Wirecard und Wirecard Bank?

Im Mai prüfte die BaFin („Wirecard in Bedrängnis: BaFin prüft den Sonderbericht – Markus Braun mit neuer Aufgabe“ ) – am Donnerstag-Vormittag (25. Juni) hat die Wirecard AG in München Insolvenz angemeldet – und bleibt wohl trotzdem bis 3. September im DAX gelistet. Aber wie geht es weiter mit dem FinTech, der Wirecard Bank, der Technologie und den FinTech-Kunden des Unternehmens?

von Helge Denker

Wirecard in Aschheim
Was passiert jetzt mit Mitarbeitern, Technologie und FinTech-Kunden?Wirecard
Damit enden vermutlich die großen Geschäfte des einst gehypten FinTechs in einem finanziellen Desaster. Deren Probleme waren mit dem Erscheinen kritischer Berichte in der Financial Times Mitte 2019 öffentlich geworden. Die Londoner Wirtschaftszeitung hatte über Bilanzmanipulationen bei Wirecard berichtet und im Herbst nachgelegt, dass ein großer Teil der Umsätze mit asiatischen Firmen auf Scheingeschäften basieren. Buchungen von insgesamt 1,9 Milliarden Euro könnten erfunden worden sein.

Seitdem wird auch die Frage diskutiert, ob die Aufsichtsbehörden wie die BaFin mit den zum Teil sehr kompliziert strukturierten FinTechs überfordert sind. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) forderte am Donnerstag “effektivere und wirksamere Kontrollen”, wie sie für Banken üblich sind – also für alle Unternehmen, die mit Finanzen zu tun haben? Wirecard und die Wirecard Bank sind zwei unterschiedliche Unternehmen. Die Bank unterliegt der BaFin-Regulierung und soll finanziell gesund sein.

Was bedeutet die Wirecard-Insolvenz für das operative Geschäft?

Laut Süddeutsche.de ist die Wirecard Bank AG, neben rund 50 Töchtern, Teil des verschachtelten Konzerns, bei der Tausende Privatkunden zuletzt mehr als 1,7 Milliarden Euro an Einlagen hielten. Diese sind laut Bundesverband Deutscher Banken mit 100.000 Euro je Kunde gesetzlich abgesichert und zusätzlich bis zu 19,7 Millionen Euro pro Einleger über den Einlagensicherungsfonds des Bankenverbandes.

Die Bafin will die Wirecard Bank AG davor bewahren, ebenso wie die Muttergesellschaft Pleite zu gehen. Diese sei “nicht Teil des Insolvenzverfahrens der Wirecard AG“, teilte der Aschheimer Zahlungsverkehrs-Dienstleister laut Süddeutsche.de mit.

Boon - Kontoführend ist die Wirecard Bank
Die Wirecard Bank könnte weitermachen. Sogar eine Kernbank-Migration würde noch bis Oktober anstehen. Wirecard

Auch die BaFin sieht das so: “Die Wirecard Bank AG ist nicht insolvent. Welche konkreten Auswirkungen die Insolvenz der Wirecard AG hat, kann ich Ihnen leider nicht sagen”, erklärte ein BaFin-Sprecher dem IT Finanzmagazin.

Die Zukunft der Wirecard AG

Die BaFin erklärte am Donnerstag, sie habe für die Bank bereits einen Sonderbeauftragten eingesetzt, der das operative Geschäft überwachen soll. Die Bundesfinanzaufsicht hatte in den letzten Tagen dafür gesorgt, dass die Wirecard Bank AG kein Geld an die insolvente Wirecard AG überweist, um deren Bilanz-Löcher zu stopfen. Die Wirecard Bank AG gibt unter anderem Mastercard-Kreditkarten an Partnerfirmen heraus, an FinTechs wie zum Beispiel Kontist.

Außerdem wickelt die Wirecard AG gegen Gebühr elektronische Zahlungen im Handel ab, die per Debit- oder Kreditkarte bezahlt werden. Von der Insolvenz der Wirecard AG werden Verbraucher allerdings wenig merken, denn andere Zahlungsdienstleister springen gerne ein. So wirbt zum Beispiel Mollie auf Google um Wirecard-Kunden.

Das Loch wird schnell gefüllt: Die Mitbewerber – wie hier zu, Beispiel Mollie – sind auf Kundenfang.Google
Zudem sind einige Wettbewerber an der Technologie des Konzerns interessiert.

Die Wirecard-Mitarbeiter wissen derzeit nicht, wie es weitergehen soll. Viele Stellen könnten wegfallen, wenn ein Insolvenzverwalter die Unternehmensteile lukrativ verkaufen will, so die Tagesschau.

Wirecard-Kunden – wie das Berliner FinTech Kontist – beobachten die Entwicklungen von Wirecard sehr genau. “Wir gehen nicht davon aus, dass du mit Einschränkungen bei der Nutzung deiner Karte rechnen musst”, erklärt eine Mitarbeiterin besorgten Kunden auf der Facebook-Seite der Firma. Kontist, die Konten und Services für Selbstständige anbieten, wechselt noch im August von Mastercard zu Visa, um eine neue „Visa Business Karte“ zusammen mit der Solarisbank auszugeben. “Das bedeutet, dass unsere Partnerschaft mit der Wirecard Bank endet”, erklärt Kontist. Dieser Wechsel sei aber “von langer Hand geplant und er ist unabhängig von den aktuellen Geschehnissen”.Helge Denker

 
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