FINTECH11. Mai 2020

Wirecard in Bedrängnis: BaFin prüft den Sonderbericht – Markus Braun mit neuer Aufgabe

Der Hauptsitz von Wirecard in Aschheim bei MünchenWirecard

Es sind harte Tage für den Münchner Zahlungsdienstleister Wirecard. Nach der Bilanzsonderprüfung durch KPMG gerät das Unternehmen weiter ins Visier der BaFin. Die Finanzaufsicht ist ohnehin bereits aufgrund einer Marktmanipulationsuntersuchung mit dem Unternehmen beschäftigt. Man schaue sich, so die BaFin gegenüber Medienvertretern, die Kommunikation unmittelbar vor dem Bekanntwerden des KPMG-Berichts näher an. Zusätzlich sorgen Meldungen über eine Umstrukturierung des Vorstands für neue Schlagzeilen.

Es war alles andere als ein Freispruch, den das Sonder-Audit über den Aschheimer Zahlungsdienstleister Wirecard mit sich gebracht hat. Zwar beanstandete das in der vorletzten Woche veröffentlichte Paper keine Bilanzmanipulationen, die internen Prozesse des DAX-notierten Unternehmens Wirecard wurden aber durchaus kritisiert. Der Bericht hat also alles andere als Beruhigung für die Aktionäre und für das Unternehmen gebracht. Der Börsenkurs des Unternehmens geriet in den letzten Tagen unter Druck.

Jetzt entschuldigte sich der Vorstandsvorsitzende Markus Braun bei allen Aktionären, Kunden, Mitarbeitern für die Turbulenzen der letzten Wochen in einer für seine Verhältnisse sehr moderaten Form. In einer Mitteilung des Unternehmens heißt es zudem:

Wirecard

Der CEO der Wirecard AG, Dr. Markus Braun, wird künftig den Schwerpunkt seiner Tätigkeit auf die strategische Weiterentwicklung der Wirecard AG legen.“

Mitteilung von Wirecard

In diesem Zusammenhang berief der Konzern James Freis zum Vorstand für Rechtsfragen und die Einhaltung von Compliance-Richtlinien. Braun soll sich dagegen in Zukunft vor allem um strategische Allianzen und koordinierende Aufgaben kümmern.

Dennoch ist diese personelle Veränderung zunächst einmal nicht mehr und nicht weniger als eine organisatorische Umstrukturierung. Ob Wirecard damit in Zukunft das Vertrauen der Märkte wiedererlangen kann, ist unklar. Andererseits hat das Unternehmen in den letzten Jahren schon einige Stürme erfolgreich überstanden und vieles im Markt verändert.

Doch vielen geht das nicht weit genug: So forderte beispielsweise die Aktionärsvereinigung DSW weitere Schritte, um das Vertrauen in die Geschäftsführung wiederherzustellen:

Offensichtlich hat der Kapitalmarkt das Vertrauen in das Management um Vorstandschef Markus Braun verloren. Entweder sollte Braun freiwillig die entsprechenden Konsequenzen ziehen oder der Aufsichtsrat sollte tätig werden.“

Klaus Nieding, Vizepräsident der Aktionärsvereinigung DSW ggü. Reuters

Wirecard: Unruhige Zeiten noch nicht beendet

Immerhin technische Versäumnisse hat das Unternehmen laut dem KPMG-Bericht nicht zu verantworten, es handelt sich eher um Defizite wirtschaftlicher und bilanzrechtlicher Natur, die angeprangert werden. Und die Finanzaufsicht prüft, ob Wirecard die Finanzmärkte in allen Situationen korrekt und rechtzeitig informiert hat oder ob veröffentlichungspflichtige Informationen zurückgehalten wurden oder die Öffentlichkeit erst verspätet erreicht haben. Wäre dies der Fall gewesen, könnte das für Wirecard weitere Verwicklungen nach sich ziehen – und die könnten, insbesondere wenn sich US-amerikanische Aufsichtsbehörden an den Fall dranhängen, deutlich teurer werden, als es bisher abzusehen wäre.tw

 
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