ANWENDUNG4. August 2020

Google Pay wird zur Online-Banking-Zentrale

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Mit bislang acht US-Banken startet Google im kommenden Jahr einen digitalen Konto-Service. Alle benötigten Funktionen werden über Google Pay erreichbar sein. Die Kooperationspartner versprechen ihren Kunden darüber hinaus einen besseren Überblick ihrer Finanzen durch zusätzliche Auswertungen.

Nachdem bereits im Herbst 2019 erste Infos zu Google-gebrandeten Bankkonten durchgesickert waren, gibt es nun konkretere Ankündigungen. Ab dem kommenden Jahr soll Google Pay nicht mehr allein als Bezahlplattform dienen, sondern ein vollwertiges, mobiles Online-Banking werden. Konto-Eröffnung und -Management, die in den USA noch übliche Scheckeinreichung und Überweisungen, Auswertungen des eigenen Finanzstatus und Produkte zur Geldanlage – all das soll per Smartphone in der Google-Pay-App möglich werden.

Kooperations-Modell bevorzugt

Bislang setzt Google noch nicht auf eine eigene Bank-Lizenz, sondern stützt sich auf Kooperationen mit dem Finanz-Sektor. Insgesamt acht Banken haben in den vergangenen Tagen eine Partnerschaft zur Kontoführung per Google Pay angekündigt:

  • Citi
  • Stanford Federal Credit Union
  • Bank Mobile
  • BBVA USA
  • BMO Harris
  • Coastal Community Bank
  • First Independence Bank
  • SEFCU

Bankenrechtlich führen sie die digitalen Konten und sichern diese wie reguläre Konten bei den US-amerikanischen Einlagen-Sicherungsfonds NCUA oder FDIC. Auch sollen die Kunden- und Konto-Daten weiterhin über die vorhandenen Bankensystemen gemanaged werden.

Banken profitieren mehrfach

Aus den Mitteilungen der Banken ist jedoch ersichtlich, dass ein Teil der Kooperation darin besteht, dass Google-Know-how zum Aufbau von hochskalierbaren, sicheren IT-Strukturen zu nutzen. Sprich: Die Partnerbanken setzen bei ihren Kernbankensystemen künftig auf zusätzliche Ressourcen aus der Google-Cloud und bekommen technische Unterstützung bei der Realisierung dieses Projektes.

Zudem sehen die Finanzinstitute einen weiteren Vorteil der Zusammenarbeit in der Entwicklung eines ansprechenden Frontends für die Banking-Funktionen. Sie setzen auf die Erfahrung des Technologie-Riesen, „intuitive Nutzererlebnisse“ zu realisieren, wie es beispielsweise in der Mitteilung von BBVA USA heißt.

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„Google freut sich, mit diesen Partnerbanken zusammenzuarbeiten, um ein digitales Erlebnis zu ermöglichen, das den sich wandelnden Anforderungen einer neuen Kundengeneration gerecht wird. Wir glauben, dass wir unser technologisches Know-how nutzen können, um Anwendern, Banken und dem gesamten Finanzökosystem zu helfen.“

Felix Lin, Vice President Payments Ecosystems

Zufriedenere Kunden

Nicht zuletzt erwarten sich die Banken auf diesem Weg besseren Zugang zu einer jungen, mobilen Kundengruppe. Die ist zwar sehr technikaffin, bei Geldgeschäften aber noch weitgehend konservativ. Einer Umfrage von PYMNTS zufolge sind nur rund 40 Prozent der Befragten bereit, ihre Geldgeschäfte „extrem“ oder „sehr“ wahrscheinlich den Big Techs (wie Google) oder FinTechs anzuvertrauen. Die Mehrheit setzt nach wie vor auf traditionelle Institute, erwartet aber ansprechende digitale Services.

Im Rahmen der Kooperation soll genau dies umgesetzt werden: Traditionelle Banken bieten die Sicherheit, dass das eigene Geld in guten Händen ist, und Google sorgt dafür, dass man damit schnell und einfach umgehen kann. Neben Bezahlen und dem Versenden von Geld betrifft dies auch Kredite und Geldanlage, indem die kontoführenden Banken ihre Produkte über die App verfügbar machen. Zudem sollen Tools zur Auswertung von Transaktionen und zur Budgetplanung enthalten sein, so dass der Kunde stets einen Überblick über alle seine Anlagen hat und einen besseren Überblick bekommt, wofür er sein Geld ausgibt.

Daten, Daten, Daten

Noch sind nur wenige Details zu der Kooperation bekannt. Insbesondere der für Google entscheidende Teil – die Datenauswertung – liegt bislang noch im Dunkeln. Das zentrale Geschäftsmodell von Google ist das Sammeln von Daten über die einzelnen Kunden. Hier könnten sich interessante, neue Datenschätze ergeben. Bislang gibt es auch noch keine Aussagen von Google, ob die digitalen, gebrandeten Konten zugleich mit einer digitalen Google-Debit-Card verknüpft sind.

Zu wissen, wie solvent ein Konsument ist, wann, was und wie viel er kauft, sind wertvolle Informationen, die für das Marketing von Google und die Kooperationsbanken, aber auch von Dritten verwendet werden könnten. Hier darf man gespannt sein, wie dies in den USA und bei einem eventuellen Sprung nach Europa, der bei Erfolg früher oder später kommt, geregelt wird. hj

 
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