STRATEGIE24. August 2017

Innovationen: Evolution statt Revolution – ‚Sustaining Technologies‘ sind der Schlüssel

Oliver Scholl, Finanz Informatik Technologie Service<q>FI-TS
Oliver Scholl, Finanz Informatik Technologie ServiceFI-TS

Stell dir vor, du bist innovativ und keiner bekommt es mit. Immer wieder müssen sich Banken gegen das Vorurteil wehren, wenig innovativ zu sein. Dabei wird aber vergessen, dass etablierte Banken IT-Infrastrukturen nutzen, die über Jahre gewachsen sind und damit auch die Komplexität in den heterogenen Systemen. Nicht zuletzt auch, weil immer wieder hochverfügbare Systeme miteinander verzahnt wurden. Gleichzeitig müssen Kreditinstitute eine Vielzahl von Kundengruppen gleichermaßen zufriedenstellen – und das stets mit höchsten Sicherheitsstandards und mit maximaler Verfügbarkeit.

von Oliver Scholl, Abteilungsleiter Finanz Informatik Technologie Service

Wenn Banken einen neuen IT-gestützten Service realisieren wollen, dürfen sie diese Rahmenbedingungen nicht aus dem Auge verlieren. Dennoch müssen sich Banken und deren IT-Dienstleister in Bezug auf ihre Innovationsfähigkeit nicht verstecken: Die Finanzinstitute haben die Zeichen der Zeit längst erkannt. Dies untermauern auch Zahlen des Zentrums für europäische Wirtschaft, die für 2017 Innovationsaufwendungen von über 4,5 Mrd. Euro in der deutschen Kreditwirtschaft vorhersagen.

Sustaining Technologies

In risikobewussten Branchen wie der Finanzwirtschaft hat sich gezeigt, dass die schrittweise Verbesserung von Produkten, Service und Dienstleistungen ebenso zum Ziel führt.“

Die schrittweise Weiterentwicklung ist oft sinnvoller als disruptive Ansätze.Mix3r/bigstock.com

Denn der Einsatz von disruptiven Technologien ist in bestehenden Umgebungen nicht empfehlenswert. Insbesondere regulatorische Gründe und die Erwartungshaltung der ständigen Verfügbarkeit sprechen im hochsensiblen Umfeld der Finanzwirtschaft gegen ihren Einsatz.

Vor diesem Hintergrund ist der Einsatz von „Sustaining Technologies“ sinnvoll, um seine Angebote schrittweise und dauerhaft zu verbessern. Diese erhaltenden Technologien sind darauf ausgerichtet, die Leistung eines bestehenden Produktes oder Angebots entlang etablierten Leistungskriterien zu verbessern.

Sustaining Technologies zeichnen sich dadurch aus, dass komplette Neuentwicklungen und auch Verbesserungen bei bereits bestehenden Produkten einem definierten Entwicklungspfad folgen.“

Ziel ist es, auch im Backoffice, auf Infrastruktur- und Prozess-Ebene neue Angebote zu etablieren. Dabei geht es grundsätzlich darum, die Performance oder Sicherheit zu erhöhen. Oder mittels eines höheren Grades der Standardisierung und Automatisierung die Aufwände zu reduzieren. Solch evolutionäre Anpassungen sind mit weniger Risiken verbunden und wesentlich effizienter. Sie lassen sich auch mit deutlich weniger personellen und finanziellen Ressourcen realisieren.

Autor Oliver Scholl, Finanz Informatik Technologie Service
Oliver Scholl verantwortet bei FI-TS als Abteilungsleiter das Produktmanagement, Produktdesign- und Architektur sowie das Innovationsmanagement. Er verantwortet die Lösungs-Entwicklung mit den Kunden und hat sich dem Innovationsmanagement verschrieben. Zielgruppe seien systemrelevenate Finanzhäuser.

Kundenwünsche erfüllen

Im Zuge des gestiegenen Innovationsdruckes haben sich aber Innovationsprozesse deutlich verändert. Entscheidender Faktor sind heute die Bedürfnisse der Kunden. Nicht mehr die beste Technologie, die höchste Funktionalität oder das schönste Design entscheidet, ob eine Idee auch realisiert wird. Hier haben Kreditinstitute einen klaren Vorteil: Denn über ihre langjährigen Kundenbeziehungen besitzen sie das Vertrauen ihrer Kunden. Daher gilt es, diese Bedürfnisse frühzeitig zu erkennen.

Fehler erlaubt

Viele Unternehmen nutzen den Design-Thinking-Ansatz, um erfolgversprechende Ideen zu finden. Auch IT-Dienstleister haben ihre Innovationsprozesse mit Design Thinking neu ausgerichtet. Dabei arbeiten Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen wie etwa Produktmanagement, Technologie zusammen. Um die Anforderungen von Kunden besser durchdringen zu können, nutzen sie Interviews und Feldstudien.

Bei der Ideenfindung im frühen Stadium gilt: Quantität vor Qualität

Nur in einem Umfeld, das auch Platz für Fehler lässt, können die Beteiligten ihr kreatives Potenzial ausschöpfen. Nichtsdestotrotz können nur die vielversprechendsten Ideen weitergeführt werden. Dazu entstehen Prototypen mit reduzierten Funktionsumfängen. Erst im Anschluss wird das Angebot zur Serienreife gebracht und allen Kunden bereitgestellt.

Innovationen sind ein zentraler Antrieb für Banken im harten Wettbewerb. Entscheidend ist dabei, die richtige Antwort auf die Frage zu finden: „Was wollen meine Kunden?“

Erst, wenn die Frage beantwortet ist, stellt sich die Frage nach der Umsetzung. Kreative Ideen und disruptive Technologien alleine führen nicht zum Ziel. Institute und ihre IT-Dienstleister benötigen auch Marathonqualitäten, um Innovationen voranzutreiben.aj

 
Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
https://itfm.link/55801 
 
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (10 Stimmen, Durchschnitt: 3,60 von maximal 5)
Loading...

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Versicherer: Die veränderte Rolle der IT bis zum Jahr 2025 – die Digitalisierungs-Herausforderung

Die Unternehmen der Ver­sicherungs­wirt­schaft sehen sich durch die aktuelle Dynamik...

Schließen