INTERVIEW10. August 2018

Interview: „Sprache ist die natürlichste Form der Kommunikation“ – comdirect‑CEO Arno Walter

Als wohl erste Bank in Deutschland können comdirect-Kunden Überweisungen per Sprache über den Google Assistant in Auftrag geben. Mit dem IT Finanzmagazin spricht comdirect-CEO Arno Walter über die Bedeutung von Sprache für das Banking von morgen.

Will Sprache zur Bank-Kommunikation nutzen: comdirect CEO Arno Walter
comdirect
Herr Walter – Sie sagen, dass die comdirect die erste Bank in Deutschland sei, die einen Skill für Googles Assistant anbiete, mit dem Überweisungen in Auftrag gegeben werden können (hier mehr dazu). Die Überweisung bestätigen muss ich dann aber immer noch in der comdirect-App. Schöner wäre es doch gewesen, wenn Sie sich den Umweg über die App erspart hätten?

Die Sicherheit der Daten unserer Kunden hat für uns oberste Priorität. Deshalb bleiben alle Kontodaten auf den comdirect-Servern und deshalb muss die Überweisung dort final bestätigt werden. Die eingesprochenen Überweisungsvorlagen werden übrigens sieben Tage lang in der comdirect-App hinterlegt – genug Zeit also, um diese freizugeben.

Für die Zukunft ist es natürlich denkbar, die Action auszubauen, allerdings nur dann, wenn der Schutz und die Sicherheit der Kundendaten jederzeit einwandfrei gewährleistet ist.“

Mal ehrlich: Die wenigsten Deutschen nutzen bislang Sprachanwendungen wie Google Assistant. Glauben Sie wirklich, dass sich diese Technologie in absehbarer Zeit durchsetzen wird?

Gegenfrage: Hätten Sie vor gut zehn Jahren geglaubt, dass das Smartphone derart unseren Alltag bestimmen wird, wie es heute der Fall ist? Dass wir darüber unseren kompletten Alltag organisieren, unsere Kontakte verwalten, einkaufen und jetzt auch damit bezahlen?

Wohl kaum jemand…

Genau! Technologie verändert sich rasant. Was in zehn Jahren sein wird, kann deshalb heute niemand mit Sicherheit sagen. Ich glaube aber fest daran, dass Sprachanwendungen dann eine wichtige Rolle spielen werden. Denn Sprache ist die natürlichste Form der Kommunikation.

Und auch hier ist die Entwicklungsgeschwindigkeit enorm: Der Google Assistant zum Beispiel wurde im Sommer 2017 in Deutschland gestartet. Ein Jahr später können unsere Kunden darüber Überweisungen in Auftrag geben und Depot- bzw. Kontostände abfragen.“

Wenn man jetzt davon ausgeht, dass die Geschwindigkeit, mit der sich technologische Innovationen entwickeln, weiter zunehmen wird, bekommt man eine ungefähre Vorstellung davon, was uns in Zukunft erwarten könnte. Wie sagte Bill Gates einst: „Wir überschätzen immer die mögliche Veränderung der nächsten zwei Jahre und unterschätzen die mögliche Veränderung der nächsten 10 Jahre.“

Finanzanwendungen gelten für viele nicht gerade als sexy. Glauben Sie, dass Ihre Action für den Google Assistant genutzt werden wird?

Sie haben Recht, die meisten Menschen interessieren sich nicht oder nur wenig für Finanzthemen. Aber sie wissen ein gutes Nutzererlebnis zu schätzen. Und genau das bieten wir ihnen mit unseren Sprachanwendungen. Wir sind damit als smarter Finanzbegleiter Teil des Lebens unserer Kunden. Das kommt an, wie die bisherige Resonanz zeigt.

Unseren Alexa Skill haben im ersten Halbjahr jeden Monat eine fünfstellige Zahl von unique Usern aufgerufen, pro Nutzer verzeichnen wir etwa sechs bis sieben Aufrufe monatlich.“

Angesichts der absoluten Nutzerzahl von Alexa und angesichts der Tatsache, dass sich viele Menschen eher wenig mit Finanzen beschäftigen, ist das ein beachtlicher Wert!

Vielen Dank für das Interview, Herr Walter.aj

 
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