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STRATEGIE15. März 2017

IT-Sourcing aus zwei Händen: Trennung von Dienstleistung und Assets als Sourcing-Strategie

Stefan Wendt, Partner der microfinmicrofin

Wenn Banken IT-Services outsourcen, sollen vor allem Kosten und Risiken sinken. Durch die Abhängigkeit von Providern können aber auch neue Risiken hinzukommen. Hilft es, vertraglich zwischen Assets und Services zu trennen? Stefan Wendt von microfin stellt Vor- und Nachteile dieses „hybriden“ Ansatzes gegenüber.

von Stefan Wendt, microfin

Ein ständig wachsender Anteil von IT-Services wird heute von Banken als Managed Services eingekauft – in der Regel von den IT-Abteilungen, aber auch fallweise von Fachabteilungen. Im Rahmen solcher Services müssen Provider IT-Assets für den Kunden beschaffen und einsetzen. Je nach Kundengröße kann das einen beträchtlichen Umfang erreichen. Auch sehr große Provider greifen dann auf Finanzierungs- und insbesondere Leasingkonstrukte zurück, um ihre Liquidität zu sichern. Daraus ergeben sich für den Kunden allerdings neue Risiken.

Das Risiko der Konformität zu Bilanzierungsrichtlinien wird in der Regel vertraglich abgesichert. Besonders unangenehm an diesem Risiko bleibt aber, dass ein weiterer unabhängiger Player die Konformität im Verlauf der Vertragslaufzeit in Frage stellen kann: Der Wirtschaftsprüfer des Kunden.“

Um sich gegen ein Provider-Ausfall-Risiko zu schützen, möchten Unternehmen sich die Weiternutzung der bereitgestellten Assets für den Fall sichern, dass der Provider organisatorisch oder kommerziell betrachtet ausfällt. Je kleiner und spezialisierter der Provider, desto größer kann dieses Risiko sein.

Zu den möglichen Nachteilen von umfassenden Managed-Services-Modellen gehören aber noch weitere finanzielle und operative Faktoren. Zum einen geben Provider ihre Finanzierungsrisiken selbstverständlich an den Kunden weiter – in Form von Risikoaufschlägen, die einen erheblichen Umfang erreichen können. Allein die Einsparung dieser Zuschläge ist Motivation genug, andere Modelle zur Finanzierung zu erwägen. Dabei ist klar: Der Kunde möchte und kann sich nicht mehr selbst um die Beschaffung und die Verwaltung von IT-Assets kümmern. Er will die steuerlich und wirtschaftlich optimierte Gestaltung von Finanzierungsmodellen in der Regel Spezialisten überlassen.

Teures Versäumnis

Autor Stefan Wendt, microfin
Stefan Wendt ist Berater in der microfin seit 2003, Partner im Managing Board seit 2013 und verantwortlich für Business Development und Knowledge Management. Vor microfin war Wendt persönlicher Referent des Vorstandsvorsitzenden bei der Heyde AG, u.a. in verschiedenen Projekten für Banken und Finanzdienstleister sowie Logistikunternehmen.
Die Frage der künftigen Eigentumslage und Fi­nan­zier­ung der Assets ist also gerade vor dem Hintergrund der steigenden Bedeutung von Managed Services und Cloud Services eine strategisch und wirtschaftlich relevante Frage. Trotzdem wird sie bislang bei der Entwicklung von Sourcing-Strategien häufig ver­nach­lässigt.

In der Umsetzung holt das die Unternehmen dann immer wieder ein und führt zu übereilten Entscheidungen. Denn auch die Frage der Asset-Finanzierung will sorgsam überdacht sein, regelmäßig sind andere Unternehmenseinheiten wie beispielsweise das Controlling bei der Bewertung einzubinden, ob Kauf oder Leasing für das auslagernde Unternehmen vorteilhaft sind. Daneben sind immer wieder allgemeine Bilanzierungsvorgaben zu beachten, etwa die strikte Vorgabe, die Anlagenbuchhaltung von gekauften Assets freizuhalten („off balance“), wie es anhaltend im Bankenumfeld der Fall ist. Wer diese Aspekte nicht schon zum Gegenstand der Sourcing-Strategie macht, steht zu einem ungünstigen Zeitpunkt möglicherweise unter Handlungsdruck.

Es gibt durchaus bewährte Lösungsansätze für dieses Problem – die auf den ersten Blick die Effizienzvorteile von Managed Services zu konterkarieren scheinen.

In einem „Hybrid Managed Service“ bezieht der Kunde die für den IT-Service erforderlichen IT-Assets formal nicht vom Provider, sondern von einem Technologie-Manager.“

Das ist in der Regel ein auf IT-Assets spezialisierter Leasinggeber – der sich aber nicht nur wie bislang um die reine Finanzierung kümmert, sondern auch um das gesamte Outsourcing-Konstrukt. Der Technologie-Manager verfügt einerseits über Finanzierungsmodelle und auch die erforderlichen Prozesse, um die Bilanzierungskonformität für den Kunden sicherzustellen. Er ist aber zugleich auch Financial Engineer und spiegelt damit in einer Hand nicht nur die Interessen des CIO (maximale Leistung bei minimalen Kosten), sondern auch die des CFO.

Natürlich kann auch dieses Modell nachteilig sein

Die hybride Leistungserbringung bedingt für den Kunden zwei Vertragsverhältnisse. Die Vertragsgestaltung konzentriert sich getrennt auf die Leistungserbringung „Service“ und die Leistungserbringung „Financial“, die Zahlungsverpflichtungen laufen auseinander. Zweifellos bedeutet das einen Mehraufwand – den erfahrene Sourcing-Berater in einem Wettbewerbsprozess jedoch leicht berücksichtigen können.

Die Vorteile der Hybrid-Lösung

Dem stehen deutliche Vorteile gegenüber: So lassen sich Providerwechsel einfacher und ohne Rollout bewerkstelligen. Zudem ergeben sich durch den Entfall von Provider-Aufschlägen für das Durchreichen der Zahlungsströme zum Leasinggeber teilweise deutlich niedrigere Gesamtkosten. Und nicht zuletzt entfällt die Unsicherheit bezüglich der Bilanzierungsnotwendigkeit von IT-Assets sowohl für den Kunden als auch für den Provider.

Wer in seiner Sourcing-Strategie also verstärkt auf Managed Services und Cloud Services setzt, sollte die hybride Art der Leistungserbringung als wirtschaftlich und organisatorisch belastbare Alternative frühzeitig in Betracht ziehen.

 
Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
https://www.it-finanzmagazin.de/?p=46722
 
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