IT BASICS INTERVIEW5. Oktober 2021

„Wir sind ein echter Linux Shop“ – GINI-CEO Holger Teske im IT-Basics-Interview

Holger Teske, Mitgründer und CEO Gini GmbH
Holger Teske, Mitgründer und CEO Gini GmbHGini

FinTech Gini extrahiert Daten aus Finanz­dokumenten, analysiert und interpretiert diese mithilfe einer selbst entwickelten künstlichen Intelligenz. Auf diese Weise werden aus unstrukturierten Bildern dann strukturierte Daten, um die Prozesse der Gini-Kunden effizienter zu machen. Die bekannteste Anwendung ist die „Gini Pay Fotoüberweisung“, ein Feature in Banking-Apps. Im IT-Basics-Interview erklärt Gini-CEO Holger Teske die Hintergründe, Technologie und wie die Zukunft des Banking aussehen könnte …

Herr Teske, wer sind Ihre Kunden?

Wir arbeiten seit vielen Jahren sehr erfolgreich mit den führenden deutschen und österreichischen Banken, Buchhaltungslösungen sowie auch ersten Versicherungen zusammen. Wir entwickeln unsere Lösungen allerdings immer mit dem Fokus auf B2B2C: Kern der Anwendung ist immer eine gute User Experience für die Nutzenden – welche letztlich indirekt auch unsere Kunden sind.

Bieten Sie White-Label-Dienstleistungen für Banken/Versicherer an?

Wir haben früh erkannt, dass in White-Label-Lösungen ein verlässlicher Weg steckt, unsere Lösungen einer breiten Nutzerbasis zur Verfügung zu stellen.“

Durch den frühzeitigen Pivot auf B2B2C sind Ginis Lösungen in den größten Banken und Versicherungen im DACH-Raum integriert – allein im Jahr 2020 haben wir etwa 40 Millionen Dokumente von 5,6 Millionen Nutzern verarbeitet. Die Integration über Partner ist dabei für beide Seiten ein Gewinn: Gini-Lösungen erreichen eine breite Nutzerbasis und die Partner profitieren von den Innovationen. Unsere B2B-Produkte – häufig APIs oder SDKs – entwickeln wir vom Nutzerbedürfnis der Bank- und Versicherungskunden her und bringen so einen sehr starken Nutzerfokus bei unseren Partnern ein. Dies wirkt sich sehr positiv und bindend auf ihre Kundenbeziehungen aus und positioniert sie stärker am Markt.

Wie werden die Produkte entwickelt? Wie sieht der Prozess aus?

Unsere Produktideen entstehen im Inno(vation)Lab und werden dort verschiedenen Recherchen und Hypothesen-Checks unterzogen, um das Risiko eines Scheiterns Stück für Stück zu eliminieren.

Besteht eine Idee diesen Evaluierungsprozess, wird in Kooperation mit Vertretern auf Partnerseite ein Prototyp entwickelt und mit einem unserer Produkt-Teams als MVP (= Minimum Viable Product) ausgerollt.“

So stellen wir sicher, dass wir sowohl die Kunden unserer Partner (= unsere Nutzer), als auch die Bedürfnisse unserer Partner selbst in die Entwicklung einbeziehen. Wenn das Produkt an Traktion im Markt gewinnt, wird es Stück für Stück in die Hände des jeweiligen Produkt-Teams übergeben.

Wie entscheidet sich, was als nächstes entwickelt wird?

Unsere Entscheidungen fußen auf verschiedenen Aspekten, die wir mit in Betracht ziehen, um Erfolge zu erzielen. Zunächst einmal ausgehend von den Kunden: Wie verwenden sie aktuelle Produkte und wie ist ihr Feedback dazu? Dann spielen Payment-Trends mit rein, wie zum Beispiel momentan Request to Pay (R2P), die eine Richtung mit vorgeben. Im nächsten Schritt testen wir mit MVPs das Interesse und die Akzeptanz bei Kunden, da wir natürlich nicht am Markt vorbei entwickeln. Zudem erfolgt die Bewertung der Einnahmequellen anhand von Szenarien und Business Cases. Diese verschiedenen Punkte müssen für eine Produktentwicklung stimmig ineinandergreifen.

Über Holger Teske, Gini
Holger Teske, geboren 1983, hat seine Passion für sinnstiftende Technologie, die das Leben vereinfacht, zu einem innovativen und erfolgreichen Unternehmen gemacht. Seit er die Gini GmbH (Webseite) 2010 mitgegründet hat, verantwortete er die Produktkonzeption sowie ihre strategische Positionierung. Er gestaltete maßgeblich die Transformation der Organisation hin zur Selbstorganisation und übernahm 2019 die Rolle des CEO. Seine Mission ist es, KI-basierte Lösungen zu entwickeln, die das Leben der Nutzer „magisch“ vereinfachen. Holger Teske studierte Dipl.-Informationswirt am Karlsruher Institut für Technologie, ist ausgebildeter Business Coach und engagiert sich darüber hinaus seit 2015 im Entrepreneurs’ Organization Network, um den Austausch mit anderen Gründern und Unternehmern zu fördern.

Welche Programmiersprachen und Tools verwenden Sie?

Wir nutzen Java, Scala, Python, C++ und Go.

Wie stark setzen Sie dabei auf Automatisierung?

Das ist für uns sehr wichtig. Soweit möglich werden Prozesse von uns automatisiert. Das beginnt bei der Bereitstellung der Infrastruktur, Backups, Monitoring, Abrechnung und endet im erfolgreichen Deployment.“

Wie werden bei Ihnen die Produkte entwickelt – Wasserfall, Agile etc.?

Wir entwickeln agil und dabei entscheiden die Produkt-Teams selbst, nach welchen Ansätzen sie dies tun. Je nach ihren Bedürfnissen ist dies Kanban, Scrum, ScrumBan, … Es gilt: Was funktioniert, bleibt – und was nicht funktioniert, wird angepasst. Wir haben den Grundsatz:

Be agile to do agile“.

Welche Basistechnologien sind im Einsatz? Wie steht es um die Verwendung von KI?

Wir sind ein echter Linux Shop. Der überwiegende Teil der Services ist in Java geschrieben. Python und Scala kommen vor allem im Bereich Semantic/AI/ML zur Anwendung. Go ist dagegen bei unserem Platform Team beliebt. Abhängig vom Einsatzzweck nutzen wir verschiedene Datastores wie Cassandra, MySQL, PostgreSQL, Elasticsearch oder Ceph / Rook. Unsere Deployment Artifacts sind Container und wir verwenden Kubernetes für die Orchestrierung. Für unsere Machine-Learning-Pipelines und das Training der Modelle setzen wir auf Kubeflow.

Setzen Sie auf Cloud-Lösungen (AWS, Azure & Co.) ?

Aktuell setzen wir für unser Produktivsystem nicht auf die üblichen Cloud-Lösungen, dieses läuft auf unseren eigenen Bare-Metal-Maschinen in einem ISO-27001-zertifizierten Rechenzentrum in Deutschland. Das hat zwei Gründe: Zum einen fühlen sich unsere Partner in der Cloud nicht so wohl, denn sie haben äußerst hohe Anforderungen an Sicherheit und Datenschutz. Zum anderen profitieren gerade OCR und andere AI-Anwendungsfälle sehr stark von den Vorteilen, die dedizierte und unvirtualisierte Hardware bietet.

Unsere Staging-Umgebung und weitere interne Systeme laufen bei AWS. Wir sind der Meinung, dass AWS weiterhin der Goldstandard ist, wenn es um die Cloud geht und es sich lohnt, hier weiter dranzubleiben.“

Wie überwinden Sie den Spagat zwischen DSGVO und US-Cloud-Act bzw. FISA?

Diese Herausforderung stellt sich für uns nicht, da alle produktiven Arbeitsschritte und personenbezogenen Daten auf unseren dedizierten Serversystemen in Deutschland stattfinden und somit DSGVO-konform sind. Wir haben vor Kurzem zudem die Zertifizierungen Software made und Software hosted in Germany erhalten.“

Wie garantieren und testen Sie die Sicherheit Ihrer Systeme?

Sicherheit steht bei unseren Entwicklungen an erster Stelle. Wir haben im letzten Jahr die Zertifizierung nach ISO27001 erhalten, bei der Sicherheit und Datenschutz im Zentrum stehen. Zudem beauftragen wir regelmäßig Penetration Tests für unsere externen APIs und Zugangspunkte.

Ein wichtiger Pfeiler unserer Security Strategy ist Sysdig Secure. Das erlaubt es uns nicht nur, sehr detailliert zu sehen, was in unseren Systemen passiert, sondern auch unerwünschte Aktionen zu unterbinden bzw. darüber benachrichtigt zu werden.“

Welche Schnittstellen hat das System und wie wird es an Kernbanksysteme angebunden?

Das System hat eine Rest-Schnittstelle mit einer OAuth-basierten Authentifizierung. Die Kommunikation wird verschlüsselt über HTTPS und optional zusätzlich PKCS7.“

Die Verarbeitung der Fotoüberweisungen erfolgt asynchron. Die Systeme der Banken sind entweder über deren Backend angebunden oder die Banken-Apps kommunizieren direkt mit unserem System. In letzterem Fall übernimmt unser SDK die Kommunikation mit dem Backend vollständig.

Wenn Sie ein wenig in die Zukunft sehen – welche Technologie wird sich in fünf Jahren am stärksten auf Ihre Geschäfte auswirken – worin werden Sie investieren?

Request to pay (R2P) ist in unseren Augen ein sehr spannendes Thema, sowohl für Händler als auch Verbraucher. Wir kümmern uns darum, dass unsere Bankenpartner die Technologie möglichst einfach bereitstellen können – durch Erweiterung unserer bestehenden Services und Integration in unsere Banken SDKs.

Außerdem haben wir uns zum Ziel gesetzt, angrenzende Industrien wie Versicherungen oder eCommerce mittels Contextual Banking anzubinden, um jeden Endkunden individuell mit maßgeschneiderten Services genau dort abzuholen, wo der Bedarf entsteht.“

Dazu werden wir weiter in unsere Künstliche Intelligenz, Business Intelligence und gesteigerte Automatisierung investieren – und natürlich weiter die Sicherheit nach höchsten Kriterien erhalten, für die wir seit Jahren verlässlich stehen.

Herr Teske, vielen Dank für das Interview.aj

 
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