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STRATEGIE31. Oktober 2022

Willkommen im Metaverse: Was Finanzdienstleister jetzt wissen sollten

Für die nächste Stufe des Internets hat sich inzwischen der Begriff „Metaverse“ etabliert. Wie für dieses hier: Horizon Worlds von Meta/Facebook. Gemeint ist damit eine dreidimensionale Version des Internets – statt es über Browser oder Apps zu erleben, sollen wir künftig immersiv in das Internet eintauchen können. Noch mehr als heute wird der Zahlungsvorgang hier eine wichtige Komponente für die Nutzererfahrung sein. Sascha Münger, Senior Product Manager und Metaverse-Experte bei Worldline, untersucht deshalb, worauf Finanzdienstleister achten müssen, wenn sie den Schritt ins Metaverse vorbereiten wollen.

von Sascha Münger, Wordline (Webseite)

Metaverse Decentraland
Decentraland
Fünf Billionen US-Dollar (Quelle) – diesen Wert könnte das Metaverse laut der Unternehmensberatung McKinsey bis zum Jahr 2030 erreichen. Die Analyse zeigt auch auf, welche Nutzungsszenarien die größten wirtschaftlichen Treiber dabei sind:

  • E-Commerce (2,6 Billionen Dollar)
  • Virtuelles Lernen (270 Milliarden Dollar)
  • Werbung (206 Milliarden Dollar)
  • Gaming (125 Milliarden Dollar)

Damit wird deutlich, dass dem Thema Payment in der virtuellen Welt der Zukunft eine zentrale Bedeutung zukommen wird. Auch Projekte, die – je nach Perspektive – als erste Vorläufer des Metaverse oder bereits als Umsetzung des Metaverse gelten, unterstreichen dies: Die Blockchain-basierte 3D-Plattform Decentraland ermöglicht beispielsweise Nutzern, Geld in die plattform-eigene Kryptowährung MANA umzuwandeln und damit virtuelle Grundstücke, Waren und Services zu bezahlen. Marken wie Samsung, Atari oder das Auktionshaus Sotheby’s haben bereits erste Erlebniswelten in Decentraland geschaffen.

Lange Zahlungsprozesse sind im Metaverse fehl am Platz

Metaverse-Autor: Sascha Münger, Wordline
Sascha Münger, WordlineSascha Münger

Doch es stellt sich die Frage, ob und wie viele Nutzer tatsächlich ihr Geld in Kryptowährung umwandeln wollen, um im Metaverse bezahlen zu können. Schließlich erwarten Kunden heute bereits von jedem großen und kleinen Onlineshop eine Vielzahl an Bezahlmöglichkeiten – Kreditkarte, SEPA-Lastschriftverfahren, Kauf auf Rechnung/BNPL (Buy Now, Pay Later), PayPal, Klarna, Zahlung per Nachnahme. So mancher Kauf wird kurz vor dem Vollzug abgebrochen, weil die präferierte Zahlungsmethode schlicht nicht angeboten wird.

Dementsprechend sollten Unternehmen damit rechnen, dass Kunden zukünftig im Metaverse ganz ähnliche Forderungen stellen werden und ihnen Umsätze entgehen werden, wenn sie diese nicht erfüllen können. Und noch ein weiterer Aspekt sollte nicht unberücksichtigt bleiben:

Als Teil einer immersiven Erlebniswelt werden Nutzer ihre im Metaverse gekauften Waren unmittelbar verwenden wollen, ob es sich dabei um Kleidung und Accessoires für ihren Avatar, Möbel für ihr virtuelles Zuhause oder Zugang zu digitalen Erfahrungen aller Art handelt.”

Ein langer, umständlicher Bezahlvorgang, der die Angabe privater (Zahlungs-)Daten, Weiterleitungen zu Seiten verschiedenster Zahlungsanbieter und Zustimmungen in endlosen Optionsmenüs erfordert, verzögert das unmittelbare Erlebnis jedoch unnötig und stellt die Geduld der Nutzer auf die Probe. Entsprechend sollten sich Möglichkeiten wie „One-Click-Payment“, bei dem benötigte Zahlungsinformationen aus dem Benutzerkonto gezogen werden, als Vorbild dienen. Anbieter wie Amazon bieten diese bereits seit Jahren in ihren Onlineshops. Und im Gaming-Bereich haben sich Mikrotransaktionen als Standard etabliert: Kleinstbeträge, die im Rahmen einer virtuellen Umgebung schnell und einfach überwiesen werden, um neue Inhalte freizuschalten. Da Käufe im Metaverse wohl größtenteils spontan erledigt werden, sollte die Mikrotransaktion symbolisch für Payment in der virtuellen Welt stehen.

Neue Technologien, schnell(er) implementiert

Für Finanzdienstleister wie Banken und FinTechs folgt aus diesen Begebenheiten, dass der Schlüssel zum Erfolg in einem hohen Maß an Flexibilität und Agilität liegt. So müssen sie sicherstellen, dass ihre Infrastruktur auf verschiedenste Zahlungsoptionen und Finanzmodelle vorbereitet ist. Dazu zählt auch, dass sie auch Kryptowährungen anbieten und akzeptieren. Wie bereits erwähnt, werden zwar viele Metaverse-Nutzer wahrscheinlich weiterhin klassische Zahlmittel bevorzugen. Doch Kryptowährungen haben eine wachsende Anhängerschaft und gerade diese könnte die Entwicklung des Metaverse vorantreiben.

Um dieser Entwicklung gewachsen zu sein, müssen Finanzinstitute grundsätzlich in der Lage sein, neue Technologien schnell zu implementieren. Nur so können sie die Nutzerbedürfnisse zeitnah befriedigen und sich dadurch Vorteile gegenüber Wettbewerbern sichern.”

Gleichzeitig sollten sie gemeinsam mit den Regulierungsbehörden sicherstellen, dass Datenschutz und Sicherheit bei der Entwicklung und Einführung neuer Zahlungstechnologien weiterhin an erster Stelle stehen.

Noch viele Fragezeichen bei der Ausgestaltung

Zudem sollten Finanzdienstleister auf Interoperabilität und offene Standards hinwirken. Denn der Erfolg des Internets, des World Wide Web, bedingt sich auch dadurch, dass niemand ein Monopol auf den Zugang hält. Entsprechend wird es auch jetzt darauf ankommen, dass Nutzer nicht ständig zwischen einem Metaverse und dem nächsten hin und her wechseln müssen, womöglich auch noch über unterschiedliche Geräte wie VR- oder AR-Brillen. Finanzdienstleister, als wichtige Infrastrukturpartner, tun gut daran, in ihrer Position auf Interoperabilität zu drängen – auch um ihre eigene Infrastruktur nicht für eine Vielzahl von Metaverses aufsetzen zu müssen.

Wie genau das Metaverse in einigen Jahren aussehen wird – und ob es tatsächlich den Wert von 5 Billionen Dollar erreicht – ist heute noch nicht genau abzusehen.

Doch das Engagement einiger Unternehmen, und zwar nicht nur der großen Tech-Konzerne, sowie erste Metaverse-Projekte zeigen bereits das Potenzial einer dreidimensionalen Internet-Erlebniswelt auf.”

Finanzdienstleistern wird dabei eine entscheidende Rolle zukommen, denn natürlich werden auch in der virtuellen Welt Waren gegen Geld getauscht werden. Wer jetzt die entsprechenden Vorbereitungen trifft, wird in der Lage sein, dieses neue Geschäftsfeld nicht nur zu erschließen, sondern auch aktiv mitzugestalten.Sascha Münger, Wordline

 
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