NTT Data bringt KI-Agenten für Underwriting und Schadenbearbeitung

ChatGPT
NTT Data bezeichnet das Angebot als „Service-as-Software“. Gemeint ist eine vorkonfigurierte Plattform, über die Versicherer einzelne Arbeitsschritte nicht nur technisch unterstützen, sondern als wiederholbare und kontrollierte Services abbilden können. Die Lösung basiert auf der unternehmenseigenen KI-Plattform AIVista und soll sich an die Produkte, Prozesse und regulatorischen Anforderungen des jeweiligen Versicherers anpassen lassen.
Zu den vorgesehenen Einsatzgebieten zählen die Prüfung und Bewertung von Versicherungsanträgen, die Bearbeitung von Schadenfällen sowie die Unterstützung von Mitarbeitenden im Kundenservice. Die KI-Agenten sollen dabei Informationen aus Anträgen, Policen, Schadenakten und weiteren Datenquellen zusammenführen, bewerten und für die weitere Bearbeitung bereitstellen. Eine ereignisgesteuerte Orchestrierung soll die Zusammenarbeit zwischen KI-Agenten, Beschäftigten, Fachanwendungen und bestehenden Geschäftsprozessen koordinieren. Nach Angaben von NTT Data lassen sich sowohl vorkonfigurierte Agenten einsetzen als auch individuelle Abläufe und Regeln hinterlegen.
Die Plattform ist offen für die Integration in bestehende Kernversicherungs- und Unternehmenssysteme ausgelegt. Versicherer sollen damit KI-Funktionen einführen können, ohne ihre vorhandene Systemlandschaft vollständig ersetzen oder sich an einen bestimmten Anbieter von Sprach- und Basismodellen binden zu müssen. Eine integrierte Modellsteuerung soll je nach Aufgabe unterschiedliche Foundation Models auswählen können.
Governance soll Entscheidungen nachvollziehbar machen
Da KI in der Versicherungsbranche zunehmend in regulierte und geschäftskritische Prozesse vordringt, legt NTT Data einen Schwerpunkt auf Governance und menschliche Kontrolle. Spezielle Leitplanken sollen Regeln und Berechtigungen in die Entscheidungen der Agenten integrieren und Ergebnisse nachvollziehbar sowie prüfbar machen. Eine versicherungsspezifische Wissensbasis und ein von NTT Data als „Insurance Data Genome“ bezeichnetes Datenmodell sollen den Agenten den notwendigen Branchen- und Unternehmenskontext liefern. Dazu gehören unter anderem Informationen über Produkte, Policen, Schadenarten und regulatorische Anforderungen. Vollständig autonome Entscheidungen stehen dabei zumindest nach Darstellung des Anbieters nicht im Vordergrund. Die Plattform soll vielmehr festlegen können, bei welchen Vorgängen ein KI-Agent selbstständig handeln darf und wann die Prüfung oder Freigabe durch einen Menschen erforderlich ist.
Mit dem Angebot reagiert NTT Data auf den wachsenden Druck, Versicherungsprozesse zu beschleunigen und gleichzeitig die Qualität der Risikobewertung zu verbessern. Versicherer müssen größere Datenmengen verarbeiten, ihre Schadenkosten kontrollieren und steigende Anforderungen an Datenschutz, Nachvollziehbarkeit und Governance erfüllen. Nach dem „NTT Data 2026 Global AI Report“ wollen rund zwei Drittel der befragten Versicherer KI für Interaktionen im Frontoffice einsetzen. 86 Prozent befürworten den Einsatz in Prozessen des Middle- und Backoffice. In vielen Unternehmen sind entsprechende Anwendungen bislang allerdings auf einzelne Anwendungsfälle und Pilotprojekte begrenzt.
„Die Versicherungsbranche erzeugt mehr Daten als je zuvor. Bessere Ergebnisse hängen jedoch davon ab, wie effektiv diese Informationen in konkrete Maßnahmen übersetzt werden“, sagt Prashant Hinge, Chief Information Officer bei MSIG USA. KI könne unter anderem dabei helfen, risikoreiche Schadenfälle früher zu erkennen und Schadenexpertinnen und -experten gezielt mit entscheidungsrelevanten Informationen zu versorgen.
Vom KI-Assistenten zum gesteuerten Prozess
NTT Data will mit der Plattform den Schritt von einzelnen KI-Assistenten zu unternehmensweit gesteuerten Abläufen ermöglichen. Dabei sollen Versicherer festlegen können, welche Aufgaben KI-Agenten übernehmen, welche Systeme und Daten sie verwenden dürfen und an welchen Stellen Beschäftigte eingebunden werden müssen. „Versicherung basiert auf menschlicher Urteilskraft, die Risiken versteht, faire Preise festlegt und in entscheidenden Momenten für gegebene Versprechen einsteht.“, sagt Bruno Abril, Global Lead Insurance Industry bei NTT Data.
NTT Data AI for Insurance unterstützt sie dabei durch intelligente Systeme, die innerhalb einer gesteuerten Betriebsebene arbeiten. Versicherer können so ihre KI-gestützten Workflows hin zu KI-basierten Betriebsabläufen entwickeln und sie unternehmensweit skalieren, ohne die Governance zu vernachlässigen, die Regulierungsbehörden und Aufsichtsgremien verlangen.“
Bruno Abril, Global Lead, Insurance Industry bei NTT Data

NTT Data
Versicherer brauchen heute elaborierte KI-Anwendungen, da der Druck auf sie konstant steigt. Sowohl im Front-, Middle- und Backoffice gibt es etliche Einsatzszenarien für die Zukunftstechnologie. Mit unserer neuen Service-as-Software-Lösung können Versicherer nun ihre Effizienz und Geschwindigkeit steigern, gleichzeitig aber die Datensicherheit und den Datenschutz gewährleisten, die in dieser Branche essenziell sind.“
Claudia Jandl, Managing Director und Head of BFSI DACH bei NTT Data
Die Vorstellung von „AI for Insurance“ zeigt, wohin sich der Markt für KI-Lösungen in der Versicherungsbranche bewegt. Während generative KI zunächst vor allem für Chatbots, die Zusammenfassung von Dokumenten und interne Wissenssysteme eingesetzt wurde, rücken nun komplexere und stärker regulierte Prozesse in den Fokus. Der technische Funktionsumfang allein dürfte jedoch nicht über den Erfolg entscheiden. Versicherer müssen Zugriffsrechte, Datenqualität, Verantwortlichkeiten und Kontrollmechanismen ebenso klären wie die Integration in ihre häufig heterogenen Kernsysteme. Ob KI-Agenten Underwriting und Schadenbearbeitung tatsächlich dauerhaft beschleunigen, wird sich deshalb erst im produktiven Einsatz zeigen.tw
Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
https://itfm.link/248867


Schreiben Sie einen Kommentar