STRATEGIE7. Mai 2020

Neuerung für PRIIPs: SaaS verbessert Compliance im Asset Management

Johannes Waldheim, Leiter IT & Solutions von acarda<q>acarda
Johannes Waldheim, Leiter IT & Solutions von acardaacarda

Noch ist unklar, ob die europäische Marktaufsicht ESMA trotz Corona-Pandemie ihre für dieses Jahr geplanten Anpassungen der Finanzmarktrichtlinie MiFid II/MiFIR tatsächlich verwirklichen wird. Sicher erscheint aber eine Anpassung der PRIIPs-Regulierung für verpackte Anlageprodukte (Packaged Retail and Insurance-based Investment Products). Auf lange Sicht ist für Asset Manager kein Rückgang der regulatorischen Dynamik zu erwarten.

von Johannes Waldheim, Leiter IT & Solutions von acarda

Gerade in Zeiten von Covid-19 stellt die zunehmende Komplexität aufsichtsrechtlicher Detailanforderungen viele Asset Manager vor zusätzliche Herausforderungen: Wer seine Melde- und Informationspflichten bisher beispielsweise mit einer in-house betriebenen Lösung etwa auf MS-Excel-Basis erfüllte, kann in der Regel keinen sicheren Remote-Zugriff auf einen zentralen regulatorischen Datenbestand gewährleisten.

Kaum möglich erscheint dann aber auch eine Bearbeitung vom Home-Office aus, wie sie derzeit aus Infektionsschutzgründen dringend empfohlen wird.“

Flexibilität – auch über die Krise hinaus

Anders sieht es aus, wenn alle regulatorischen Anwendungen für das Reporting und Meldewesen als webbasierter Software-as-a-Service aus der Cloud bezogen werden. Denn ein ortsunabhängiger Zugriff über verschlüsselte Kanäle gehört hier zum Grundkonzept. Die somit gewonnene Flexibilität der Arbeitsorganisation zahlt sich nicht nur in der Krise aus. Zudem lassen sich per Cloud unterschiedliche Reporting-Tools für verschiedene regulatorische Anforderungen auf der Basis eines konsolidierten Datenbestands kombinieren. Damit entfällt der Aufwand für Doppel- und Mehrfacherfassungen, die fast zwangsläufig mit verteilter Datenhaltung einhergeht – was auch zu höherer Datenqualität führt. Nicht zuletzt entlastet das zentrale Cloud-Modell von der laufenden Anpassung der Reporting-Software an veränderte Compliance-Vorgaben, da dies im SaaS-Modell extern im Hintergrund erfolgt.

Autor Johannes Waldheim, acarda
Johannes Waldheim ist Director IT & Solutions Development bei acarda (Website). Er ist bereits seit 2010 bei acarda und damals als Head of IT eingestiegen. Zuvor war er bei Genatic und der Deutschen Bank tätig. Seine Schwerpunkte: Fondsmigration, Steuerrecht, Infrastruktur, Finance, Organisation . IT-Expertise: ETL, Datawarehouse, Virtualisierung, Infrastruktur
Wie groß der dadurch ersparte Aufwand sein kann, verdeutlicht allein schon die heterogene Methodik zur Berechnung der Transaktionskosten: Hierfür sind unter anderem detaillierte Kostendaten für MiFid II und PRIIPs bereitzustellen. Zwar existieren sowohl für MiFid als auch PRIIPs als Austauschformate standardisierte Templates wie EMT und EPT. Doch sind quer durch Europa große Unterschiede bei der Auslegung und Berechnung in diesen Templates zu beobachten. Derzeit sind noch verschiedene Regularien gemäß UCITS, PRIIPS oder MiFid II anwendbar, die hinsichtlich der Kosten mal zu günstigeren und mal ungünstigeren Ergebnissen führen. So lassen sich zum Beispiel implizite Transaktionskosten wahlweise anhand der Basispunkt-Schätzmethode New-PRIIPs oder mit dem Arrival-Price- beziehungsweise dem Full-PRIIPs-Verfahren ermitteln. Nicht weniger komplex sind die Berechnungsmethoden im Kontext der Cost Transparency Initiative CTI und der DC Workplace Pension Templates DCPT.

Generell erfordern solche Feinheiten im regulatorischen Reporting spezifisches und ständig aktualisiertes Knowhow, über das wohl nur die wenigsten Asset Manager verfügen – zumal sie je nach Fondszusammensetzung neben PRIIPS und MiFid II/MiFIR unter Umständen auch den nicht minder anspruchsvollen Solvency-II- oder CRR-Anforderungen genügen müssen.

Das Cloud-Modell erspart in diesem Zusammenhang nicht nur den Softwareanpassungs- und Knowhow-Akquise-Aufwand, sondern verbessert infolge der Standardisierung zugleich auch den internen Workflow zur Erhebung und Aggregation aller meldepflichtigen Informationen.“

Aber Achtung: Auch eine externe Cloud kann die Komplexität nur dann reduzieren, wenn sich regulatorische Services granular differenzieren und verschiedene Reports flexibel zusammensetzen lassen. Notwendig dafür ist eine kluge Kombination aus Micro-Service- und Data-Lake-Ansätzen, die eine Fast-Response über vielfältige Datenquellen ermöglichen: Für Fonds etwa, in die Versicherungen auch selber anlegen, wird beispielsweise ein zusätzliches Solvency-II-Modul benötigt. Bei flexibler Serviceauswahlmöglichkeit steht also nicht nur ein Kalkulationsmechanismus zur Transaktionskostenberechnung zur Verfügung, sondern auch ein SCR-Berechnungsmodul auf Basis des selben Datenbestandes, also ohne jeglichen Komplexitätszuwachs. Via Cloud kann dabei jederzeit auf einen zentral vereinheitlichten Datenbestand wiederverwendbarer regulatorischer Informationen zugegriffen werden. Die „Datengräber“ verteilter In-House-Systeme gehören damit der Vergangenheit an. Unter dieser Bedingung stärkt das SaaS-Modell die Compliance-Fähigkeit im Asset Management nicht nur in Krisenzeiten.Johannes Waldheim, acarda

 
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