STUDIEN & UMFRAGEN7. Juni 2021

PwC: Entwicklung zum bargeldlosen Zahlen macht Sprung um drei bis fünf Jahre

Die Unternehmensberatung PwC sieht die Welt bereits auf dem Weg zu einer globalen bargeldlosen Gesellschaft. Allein bis 2025 soll das Transaktionsvolumen um 80 Prozent zulegen. Gleichzeitig konstatieren die Berater eine fundamentale Veränderung der gesamten Infrastruktur des Zahlungsverkehrs – eine Herausforderung für alle Akteure im Finanzmarkt.

Wie entwickelt sich der Finanzmarkt bis 2030? Antworten gibt die Studie von PricewaterhouseCoopers und Strategy&. <Q>PwC
Wie entwickelt sich der Finanzmarkt bis 2030? Antworten gibt die Studie von PricewaterhouseCoopers und Strategy&. PwC

 

Drei Entwicklungen beschleunigen die Zunahme des bargeldlosen Zahlungsverkehrs: Internationale Überweisungen in Echtzeit, Super-Apps als Serviceplattformen mit eigenen Bezahlfunktionen und Cyberwallets. Die dürften bald auch in Europa stärkeren Zuspruch erfahren, und damit den globalen Trend anheizen, so die Erwartung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Gemeinsam mit ihrer globalen Strategieberatung Strategy& zeichnet sie in der Studie „Charting a cause amid evolution and revolution” (PDF) ein Bild der weltweiten Zahlungssysteme für die kommenden Jahre.

Innovationstreiber: Super-Apps

Für die asiatisch-pazifischen Märkte erwartet PwC das kräftigste Wachstum: In der Periode bis 2025 dürften bargeldlose Transaktionen um 109 Prozent zulegen, in den darauffolgenden fünf Jahren bis 2030 um weitere 76 Prozent. Für Afrika prognostizieren die Marktexperten bis 2025 Zuwächse um 78 Prozent und bis 2030 um 64 Prozent. In Europa ist die Entwicklung dagegen verhaltener, mit bis zu 64 Prozent bis 2025 und weiteren 39 Prozent bis zum Ende des Jahrzehnts. Noch niedrigere Zuwachsraten sind für die USA und Kanada zu erwarten.

Das hohe Wachstumstempo in Asien führt PwC auf die bereits im Einsatz befindlichen Lösungen zurück, verknüpft mit neuen Geschäftsmodellen. Zu nennen sind hier beispielsweise multifunktionale Super-Apps großer E-Commerce-Konzerne oder QR-Codes für den Supermarkteinkauf. Sowohl in Europa als auch in Nord- und Südamerika ist das Innovationstempo dagegen wesentlich langsamer. Hier kommt das Wachstum im Wesentlichen aus der steigenden Akzeptanz von Kartenzahlungen und mobilen Transaktionen. Dennoch überwiegt in einigen größeren Volkswirtschaften – vor allem in Deutschland – noch immer das Zahlen mit Bargeld.

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PwC

Die Corona-Pandemie hat den Wechsel von Bargeld auf digitale Zahlungen um drei bis fünf Jahre beschleunigt. Die gesamte Infrastruktur des Zahlungsverkehrs verändert sich fundamental. Durch die Entstehung neuer Zahlungswege und innovativer Geschäftsmodelle rückt auch das Szenario einer globalen bargeldlosen Gesellschaft in Sichtweite.“

Andreas Pratz, Partner bei Strategy& und Co-Autor der Studie

Sechs Makro-Trends

Wie PwC betont, ist nicht nur der internationale Zahlungsverkehr im Sinne eines Austauschs traditioneller Zahlungsmittel für Waren und Dienstleistungen wie Bargeld oder analoge Rechnungen von einem tiefgreifenden Wandel betroffen. Vielmehr steht die gesamte Infrastruktur der Zahlungsverkehrssysteme weltweit bis hin zu den Geschäftsmodellen der Marktakteure vor einem Quantensprung.

Die größten Veränderungen der nächsten fünf Jahre führen die Marktexperten auf sechs Makro-Trends zurück:

  1. Integration und Vertrauen: Das Verhältnis zwischen Kunden und Händlern wird enger, Innovationen wie Mobile Money, Digital Wallets und QR-Codes sorgen für höhere Akzeptanz und geringere Kosten für bargeldlose Zahlungen. Die Zentralbanken sorgen dafür, dass die Konsumenten in neue Anbieter und Zahlungsmethoden vertrauen können.
  2. Digitale Währungen: Forschungs- und Pilotprojekte zahlreicher Zentralbanken treiben die Entwicklung voran; Konvertierung und Speichern von Fiat-Kryptowährungen wird zunehmend möglich werden.
  3. Digitale Wallets: Sie profitieren unter anderem von Open Banking, dem Einsatz von QR-Codes bei Zahlungen und von Super-Apps. Die digitalen Geldbörsen könnten Kreditkarten und Bankkonten den Rang als erste Kontaktstelle ablaufen.
  4. Kampf der Systeme: Die PwC-Experten erwarten, dass in der Folge zu Punkt 3 die Regulierungsbehörden darauf achten, die inländische Zahlungsinfrastruktur zu stärken. In Schwellenländern werden Konsumenten das „Karten-Zeitalter“ einfach überspringen und direkt zu Mobile Wallets und kontenbasierten Zahlungen wechseln.
  5. Grenzüberschreitende Zahlungen: Andere Zahlungsmethoden müssen sich grenzüberschreitendem Zahlungsverkehr öffnen, um im Wettbewerb nicht zurückzufallen. Ein Verknüpfen inländischer Instant-Payment-Lösungen schafft ein weltweites, kostengünstiges Zahlungssystem. Zugleich entstehen konkurrierende regionale Lösungen vor allem in Asien sowie Non-Banking-Lösungen auf Basis von Kryptowährungen und Digital Wallets.
  6. Finanzkriminalität: Mit dieser zunehmenden Vernetzung steigen die Risiken für Finanzkriminalität. So wird beispielsweise eine Zunahme von „Fraud as a Service“ erwartet. Um diesem Trend entgegenzuwirken, müssen Banken und Finanzdienstleister nicht nur die eigenen Systeme absichern, sondern ihr gesamtes Ökosystem schützen.

Für Maximilian Harmsen, Digital Payments Lead bei PwC Deutschland, sind die Konsequenzen eindeutig. Alle Akteure im internationalen Zahlungsverkehr sollten jetzt verstärkt in wettbewerbsfähige Zahlungslösungen investieren. Nicht nur, um Risiken zu begrenzen, sondern auch um von den Vorteilen zu profitieren. Die beschleunigte Umstellung auf digitale Zahlungen biete neue Ertragschancen für die gesamte Branche, insbesondere für Banken und Alternative Payment Provider, so Harmsen. hj

 
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