STRATEGIE25. September 2018

Robo-Advisor: Hybride In­­­tel­­li­­genz (Mensch + Software) in der professionellen Vermögensverwaltung

Robo-Advisor: Frank Huttel, Diplom-Wirtschaftsinformatiker und Leiter Portfolio Management FiNet Asset Management
Frank Huttel, Diplom-Wirtschaftsinformatiker und Leiter Portfolio Management FiNet Asset ManagementFiNet Asset Management 

Dass die Sturm-und-Drang-Periode der FinTechs nicht für alle Akteure gut enden wird, steht fest. Gerade im Segment der wohlhabenden Privatkunden zeichnet sich ab, dass die bisher am Markt befindlichen und auf ETFs basierenden Robo-Advisory-Lösungen kaum nachhaltig Erfolg haben werden. Die Gründe liegen im Ablauf der Vermögensberatung an sich. Denn Robo-Advisor verzichten fast vollständig auf Beratung. Ein „no-go“ gerade für wohlhabende, aber auch junge Kunden (Generation Z bzw. S). Zudem gibt es auch technische Herausforderungen. Aktiv gemanagte Fonds mit besserer Performance können nur schwer in die Software integriert werden. Ein massiver Nachteil, gerade für Kunden im mittleren und oberen Segment.

von Frank Huttel, Diplom-Wirtschaftsinformatiker und Leiter Portfolio Management FiNet Asset Management

Für aktive Fonds war 2017 ein Erfolgsjahr. Demnach gelang es der Hälfte, den eigenen Vergleichs-Index zu schlagen (Quelle: Ratingagentur Scope Analysis). Im aktuell schwierigen Marktumfeld ein mehr als nur beachtlicher Erfolg und ein hervorragendes Argument im Kundengespräch. Besonders Fonds mit einem Fokus auf „Nachhaltigkeit“ verzeichnen deutliche Zuflüsse. Gleichzeitig suchen Anlegerinnen und Anleger, die nach einer besseren Performance Ausschau halten, auch nach einer deutlichen und dauerhaften Kostenreduzierung. Diese ist vor allem mit digitaler Unterstützung zu realisieren.

vividam-Lösung
Mit Fokus auf die mittlere und obere Zielgruppe sei vividam, ei­ne „smar­te Soft­ware-Lö­sung für Fi­nanz­be­ra­ter“ kon­zi­piert, die ei­ne an­la­ge­ziel­ba­sier­te hy­bri­de Be­ra­tung er­mög­li­che. Sie ver­ei­ne das Know-how ak­tiv ge­ma­nag­ter Fonds mit ei­nem Fo­kus auf Nach­hal­tig­keit mit der Kos­ten­re­du­zie­rung zu ei­ner Soft­ware­lö­sung. vi­vi­dam ver­knüp­fe die Er­kennt­nis­se von er­fah­ren­den Port­fo­lio-Ma­na­gern mit ver­schie­de­nen Ebe­nen der künst­li­chen aber auch na­tür­li­chen In­tel­li­genz. Mensch und Robo-Advisor sind in un­ter­schied­li­chen Be­rei­chen ta­len­tiert und wür­den sich ide­al er­gän­zen. Ak­tu­ell ist nach wie vor nur der Mensch in der La­ge, krea­tiv zu den­ken – je­doch sei das ge­trübt durch Emo­tio­nen und Vor­ur­tei­le. Im Ge­gen­zug kön­ne künst­li­che In­tel­li­genz oder ge­nau­er ge­sagt ei­ne Rei­he ver­schie­de­ner Al­go­rith­men ei­ne Viel­zahl von Da­ten blitz­schnell und wert­neu­tral ver­ar­bei­ten. Ziel sei es, mit vi­vi­dam das Know-how von pro­fes­sio­nel­len Ver­mö­gens­ver­wal­tern auf ei­ne be­son­ders ef­fi­zi­en­te Art und Wei­se zu nut­zen.

Die struk­tu­rier­te und ge­set­zes­kon­for­me Lö­sung für al­le Pha­sen im Kun­den­be­treu­ungs- und Wert­pa­pier­be­ra­tungs­pro­zess ist als Soft­ware-as-a-Ser­vice für Be­ra­ter ab ei­nem be­stimm­ten Vo­lu­men kos­ten­frei nutz­bar. Es ent­steht da­her kein In­stal­la­ti­ons- und Main­ten­an­ce-Auf­wand. Wei­ter­hin ist die Lö­sung hoch in­te­grier­bar dank Stan­dard­schnitt­stel­len. Zu­sätz­lich ge­hört ne­ben der voll­au­to­ma­ti­sier­ten, WpHG-kon­for­men Ab­bil­dung und Do­ku­men­ta­ti­on des kom­plet­ten Be­ra­tungs­pro­zes­ses eben­so ein ge­stalt­ba­res Kun­den­post­fach mit De­po­te­in­sicht bei Dritt­ban­ken zum di­gi­ta­len Leistungsumfang.

Moderne Technologie stützt etablierte Prozesse der Vermögensverwaltung

Der Vorteil für den Vermögensverwalter liegt auf der Hand: Mittels einer auf den Erkenntnissen der modernen Konsumpsychologie und Verhaltensforschung basierenden Antragsstrecke kann der Kunde vorab schon selbst viele Daten eingeben. Das spart dem Berater Zeit und Geld. Der Berater kann sich dadurch besser auf seinen Kunden und dessen Bedürfnisse einstellen. Eine im Hintergrund als Basis dienende Portfoliomanagement-Software automatisiert den Anlageprozess, die Auftragsverwaltung und die Transaktionsabrechnung, die Konformität mit den Pre- und Post-Trade Anforderungen und unterstützt den Berater bei Modellierung und Umschichtung von Portfolios. Ein effizienter Rechenkern ermittelt automatisch die erwartete Rendite, den maximal in der Vergangenheit in einem Jahr erzielten Gewinn und prozentualen Verlust (Risikomaß Maximum Drawdown) sowie die Zeitspanne, die benötigt wurde, um sich von diesem Verlust wieder zu erholen (time to recovery).

Individual- oder Strategieberatung geht auch MiFID II konform

Mit modernen Systemen erhält der Berater automatisch Informationen zu den verwalteten Anlagen und Vorhersagen zu Kapitalflüssen sowie eine umfassende Integration mit Anbietern von Marktdaten, die für die Überwachung und Bewertung von Portfolios eingesetzt werden. Zudem ist es wichtig, dass die Robo-Advisor-Software die Erfüllung der MiFID II-Anforderungen wie beispielsweise Kundenprofilierung, Zielmarktabgleich, Kostentransparenz und Verlustschwellenüberwachung und Reporting erfüllt. Beratern stehen dabei üblicherweise drei Überwachungsalternativen zur Auswahl. Neben der klassischen auf Marktwerten basierenden Verlustschwelle können auch zeitgewichtete oder kapitalgewichtete Methoden zur Erstellung der Performance-Reports eingesetzt werden. Bei den Methoden besteht die Möglichkeit, zwischen statischer und dynamischer Überwachung auszuwählen.

Autor Frank Huttel, FiNet Asset Management
Frank Huttel ist Di­plom-Wirt­schafts­in­for­ma­ti­ker und Lei­ter Port­fo­lio Ma­nage­ment Fi­Net As­set Ma­nage­ment, Jahr­gang 1970. Hut­tel ist seit 1994 Bör­sia­ner. Als Händ­ler und Port­fo­lio­ma­na­ger hat er in 25 Jah­ren Er­fah­run­gen in fast al­len An­la­ge­klas­sen und teils sehr tur­bu­len­ten Bör­sen­pha­sen ge­sam­melt. Seit 2009 ver­ant­wor­tet er die Fonds­se­lek­ti­on für Kun­den­de­pots bei der Fi­Net As­set Ma­nage­ment.

Robo-Advisor im Wandel: Hybride Robos aus Mensch plus Software im Aufwind

Der „Hybrid-Robo-Beratung“, also einer Mischform zwischen Robo-Advisor und persönlicher Beratung, gehört die Zukunft.“

Es ist nur konsequent und richtig, wenn Entwickler neuer Softwarelösungen versuchen, diese beiden entscheidenden Qualitätsmerkmale einer guten Vermögensverwaltung unter einen Hut zu bekommen. Ein Blick in die USA, den weltgrößten Markt für Robo-Advice, zeigt, dass auch dort die Zeichen der Zeit erkannt wurden. Sogar Vorreiter des klassischen Robo-Advice wie der Online-Vermögensverwalter Betterment mit Sitz in New York haben ihr Geschäft erst kürzlich auf hybride Beratungsmodelle ausgedehnt.aj

 
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