MEINUNG16. August 2022

BaFin: Das Meldewesen der Banken könnte bald effizienter werden

Raimund Röseler, Exekutivdirektor Bankenaufsicht bei der BaFin
Raimund Röseler, Exekutivdirektor Bankenaufsicht bei der BaFin Bernd Roselieb / BaFin

Raimund Röseler, der oberste Bankenaufseher der BaFin, befürchtet, dass aufgrund des schnellen Zinsanstiegs eine zweistellige Zahl an Banken Probleme bekommen könnte. Das erklärt der Exekutivdirektor der Bankenaufsicht in einem Interview gegenüber dem Handelsblatt.

Vor allem einige kleinere und mittelgroße Banken könnten, so glaubt die BaFin, aufgrund der schnellen Zunahme der Marktzinsen in nächster Zeit in Schieflage geraten. Denn die Banken haben langfristige Kredite zu den jahrelang niedrigen Konditionen ausgegeben, müssen nun aber deutlich mehr bezahlen; ein Risiko, das einige Banken kalt erwischen könnte, glaubt die BaFin.

Röseler attestiert den Banken trotz teilweise guter Ertragslage in den letzten Monaten eine nachhaltige Ertragsschwäche. Demnach räche sich jetzt, dass einige Banken ihre Ertragsbasis in Form von Gebühren noch immer nicht solide angingen. Nicht alle Banken hätten sich gegen den Zinsanstieg abgesichert, was die Ergebnisse des letzten Stresstests vom Frühjahr zeigen – und die Situation könnte sich angesichts der Risiken im Energiesektor noch verschärfen.

Cyberangriffe werden komplexer und professioneller

Kritisch sieht Röseler auch die Gefahren von Cyberangriffen und sieht die Branche in erhöhter Alarmbereitschaft. „Es gab seit Februar mehrere Cyberangriffe auf deutsche Finanzinstitute, die jedoch glücklicherweise alle abgewehrt wurden. Wir sehen derzeit keine flächendeckende Angriffswelle auf deutsche Banken“, erklärt der Bankenaufseher.

Insgesamt hat sich die Zahl der Attacken auf deutsche Finanzinstitute nicht erhöht, sehr wohl aber die Professionalität und die kriminelle Energie der Angreifer. Dies gilt insbesondere in Zusammenhang mit Ransomware-Attacken, bei denen Hacker Finanzinstitute lahmlegen und dann Geld erpressen wollen.”

Raimund Röseler, Exekutivdirektor der BaFin laut Handelsblatt

BaFinKai Hartmann Photography / BaFin

Kritisch sieht Röseler auch den Umgang vieler deutscher Banken mit Kryptowährungen und rät hier zur Vorsicht: Insbesondere bei soliden Sparkassen und Banken vor Ort sieht er ein fatales Signal darin gegenüber den Kunden und rät unbedingt zu expliziten Warnhinweisen gegenüber den Kunden.

Auch wenn er im Zusammenhang mit der Insolvenz von Nuri, die in der vergangenen Woche bekannt wurde, keine direkten Versäumnisse der BaFin erkennen kann, erklärt Röseler, man erwarte im Zusammenhang mit Kooperationen zwischen Banken und entsprechenden Dienstleistern „eine saubere Sorgfaltsprüfung ihrer Geschäftspartner“ und prüfe derzeit, ob das im Zusammenhang mit Kreditvermittlungsplattformen passiere.

Meldewesen der Banken könnte effizienter gestaltet werden

Eher nebenbei erklärt Röseler im Handelsblatt-Interview eine Neuerung zum Meldewesen. Er sieht die zahlreichen Tabellen, die Banken liefern müssen, nicht mehr als zeitgemäß und berichtet über die Machbarkeitsstudie, die das Meldewesen für beide Seiten optimieren soll und die von automatisiertem Datenimport der Banken in ein vereinheitlichtes System eingeben. Die Banken können dann per Algorithmus mit aggregierten Daten einen höheren Erkenntnisgewinn haben als bislang.

Doch all das solle europaweit und beaufsichtigt durch die Europäische Zentralbank erfolgen. Man habe die eigene Lösung in die Diskussionen auf europäischer Ebene eingebracht und dafür positive Rückmeldungen erhalten. Doch es gibt gleich zwei Haken: Denn zum einen ist der branchenweite Systemwechsel mit einem dreistelligen Millionenbetrag zu bepreisen und zum anderen rechnet man daher eher mittelfristig mit dahingehenden Veränderungen.

Aber für die Banken würden sich diese Investitionen rechnen, denn für sie fielen dadurch viele manuelle Arbeiten weg. Theoretisch könnte die Finanzaufsicht mit den Daten künftig auch Stresstests allein durchrechnen.”

Raimund Röseler, Exekutivdirektor der BaFin laut Handelsblatttw

 
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