STRATEGIE1. März 2022

So positionieren sich die Volks- und Raiffeisenbanken zum digitalen Euro

tanaonte / Bigstock

Die Europäische Zentralbank (EZB) schickt sich an, einen digitalen Euro zu entwickeln – und die Banken wollen dabei mitspielen. Nach Ansicht des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) seien die Pläne einer digitalen Währung als tägliches Zahlungsmittel für Bürgerinnen und Bürger zu begrüßen. Doch so richtig zufrieden ist der Verband noch nicht, wie BVR-Vorstand Dr. Andreas Martin betont.

Insbesondere die Bedürfnisse der Wirtschaft an ein künftiges digitales Zahlungsmittel sind bisher noch weitgehend unberücksichtigt, so der BVR in einer aktuellen Analyse zu den Plänen der EZB zur Einführung eines digitalen Euro. „Die Wirtschaft hat ein hohes Interesse an einer Geldform, die die Prozessautomation erleichtert und im Zuge der Digitalisierung der Produktionsprozesse Effizienzreserven hebt“, erklärt Dr. Andreas Martin. Hierbei kämen moderne Zahlungsabwicklungskonzepte, wie etwa Machine-to-Machine-Payments und Pay-per-Use-Konzepte, zum Tragen.

In der Tat haben sich auch andere Banken bereits für ein dreigliedriges System ausgesprochen. Dieses würde neben der „Retail CBDC“ für den privaten Alltagsgebrauch auch einen „Giralgeldtoken“ für den Einsatz in der Industrie und im Zusammenhang mit mehr oder weniger automatisierte Anwendungen rund um das Industrial IoT vorsehen – sowie eine  „Wholesale CBDC“ für den Gebrauch an den Kapitalmärkten sowie im Interbankenverkehr zwischen Banken und Sparkassen. Der digitale Euro müsse wie Bargeld anonym über eine E-Wallet nutzbar sein, die auch offline funktioniere (also auch beispielsweise unabhängig von einem Smartphone). Einige Projekte in anderen Ländern haben bereits mit Wholesale-Lösungen gearbeitet. Diese sind stets für einen begrenzten Nutzerkreis erhältlich, der sie entweder für Zahlungsvorgänge zwischen Unternehmen oder im Wertpapierhandel nutzen kann.

BVR: Ein digitaler Euro für die Endkunden reicht nicht

Ziel des digitalen Euro der EZB sei es hingegen, glaubt der BVR, eine digitale Ergänzung zum Bargeld zu schaffen, die Bürgerinnen und Bürger bei alltäglichen Zahlvorgängen nutzen könnten. Dabei solle ein möglichst hoher Schutz der Privatsphäre gewährleistet werden und gleichzeitig sollten auch dann Zahlungen möglich sein, wenn keine Internetverbindung vorhanden sei (Offlinefähigkeit). Dies ist gerade für den deutschen Markt noch wichtig, aber auch angesichts von Krisen, in denen möglicherweise die Netzinfrastruktur betroffen ist, nicht von der Hand zu weisen.

Mit diesen Eigenschaften würden wichtige Anliegen der Bürgerinnen und Bürger erfüllt. Um dies zu gewährleisten, müsse seine Nutzung, wie wir das vom Bargeld kennen, den gesetzlich vorgeschriebenen Beschränkungen unterliegen, um illegale Verwendungen (Stichwort Geldwäsche) zu verhindern. Dies könnte durch eine betragsmäßige Obergrenze für das in einer Wallet gehaltene digitale Geld erreicht werden.

BVR

Um die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger, der Wirtschaft und auch der Banken nach neuen digitalen Geldformen gleichermaßen nachzukommen, sollte ein innovatives Ökosystem digitaler Geldformen geschaffen werden.“

Dr. Andreas Martin, Vorstand BVR

Grundsätzlich skizziert der Bundesverband einige essentielle Eigenschaften, die eine solche Digitalwährung aufweisen müsse. Zum einen sollte der Bedarf der Wirtschaft mittelfristig durch tokenisiertes Giralgeld der europäischen Kreditwirtschaft erfüllt werden, das sich im Rahmen der in der Industrie genutzten Blockchain-Netzwerke verwenden lässt. Darüber hinaus ist die europäische Politik dabei in der Pflicht, eine solche Innovation konstruktiv zu begleiten und den Rechtsrahmen hierfür zu öffnen, indem sie der Besonderheit von kryptografischen Einlagen von Banken Rechnung trägt. Die EZB sollte bei der Entwicklung eines gemeinsamen europäischen Standards für eine solche neue Geldform als Katalysator wirken.

Und nicht zuletzt sollte die EZB nach dem Dafürhalten des BVR auch die Guthaben der Kreditinstitute auf Notenbankkonten in tokenisierter Form bereitstellen. Diese Wholesale CBDC würden es ermöglichen, Kapitalmarkttransaktionen zwischen Banken effizienter und damit kostengünstiger durchzuführen. Insgesamt würde ein solches Ökosystem digitaler Geldformen die Verwendung von Geld für alle Nutzergruppen einfacher und kostengünstiger gestalten. Ferner könnte der Wholesale CBDC, falls tokenisiertes Geld auch in anderen Währungen vorliegt, auch im währungsübergreifenden Bankenverkehr signifikante Vorteile mit sich bringen.tw

 
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