STRATEGIE17. Februar 2021

Tankstellen: Pay@Pump – Das Update … Was für wen?

vladwel/bigstock.com

Im August 2019 hatte Rudolf Linsenbarth einen Artikel über das Bezahlen direkt an der Zapfsäule verfasst. Damals waren die Lösungen auf die Tankstellen von HEM und Shell beschränkt. Der Markt entwickelt sich weiter, so auch die Anbieter, Lösungen und Zielgruppen. Hier die Übersicht

von Rudolf Linsenbarth

Vor 1,5 Jahren gab es nur die Apps „ryd pay“ und „Shell Smartpay“, beide konnten jeweils nur bei einer einzigen Tankstellenmarke eingesetzt werden. Mittlerweile ist ryd pay auch bei anderen Tankstellen im Einsatz. Daneben sind mit LogPay, PACE Pay fillibri und zahlz vier weitere Anbieter hinzugekommen. Von einer Flächendeckung kann man trotzdem noch nicht sprechen.

Im Prinzip ein Déjà-Vu aus der Frühzeit der Mobile-Payment-Lösungen. Wer dazu mal in den Rückspiegel schauen möchte, findet bei Payment & Banking eine sehr gute Übersicht von Jochen Siegert.

Ob sich hier gerade Geschichte wiederholt?

Zumindest haben einige der jetzigen Player große Unterstützer im Hintergrund. Hier die aktuellen Anbieter im Kurzporträt:

ryd

1. ryd pay
Hinter ryd pay steht das FinTech-Unternehmen Thinxnet. Als strategische Partner und Investoren konnten Mastercard und Mercedes-Benz gewonnen werden. Die Bertha App von Mercedes setzt dann konsequenterweise auf eine API-Lösung von ryd.

2. Shell SmartPay
Ist eine Lösung von Shell und funktioniert nur dort. Das Bezahlverfahren kommt in erster Linie im Mantel eines Kundenbindungsprogramms.

3. LogPay
LogPay ist ein Zahlungsdienstleister im Mobilitätsumfeld und wurde im Jahr 2019 von Volkswagen übernommen und soll wahrscheinlich den allgemeinen Trend hin zu Mobilitätsdienstleistungen des Automobilbauers stärken.

4. PACE Pay
Das Karlsruher Startup Pace konnte im Herbst 2020 die DKV, Europas größten Anbieter für Flottenkarten, als Partner gewinnen.

5. fillibri
Die fillibri App kommt genau wie die Shell SmartPay-Lösung direkt von einer Tankstellenmarke. Sponsor ist hier die Westfalen Tankstellen Gruppe.

6. zahlz
Kurz vor Veröffentlichung des Beitrags erhielten wir noch den Tipp zu dem Startup zahlz. Es gibt dabei auch Verflechtungen mit Q1 dem Tankstellenbetreiber aus Osnabrück. Die App ist zwar noch nicht in den Stores. Der Launch soll aber unmittelbar bevorstehen. Bei näherer Betrachtung kam dann das Aha, über zahlz hatte ich bereits vor 6 Jahren einen Artikel geschrieben. Auf der EuroCIS 2015 wurde die „zahlz.box“ auf Basis eines Einplatinencomputers, damals noch mit Bluetooth Smartphone-Kopplung vorgestellt. Anscheinend gibt es eine Weiterentwicklung.

pay@pump an HEM-Tankstellen
HEM

Als nächstes wollen wir einmal betrachten, welche Vorteile eine solche App dem Kunden bringt. Wobei Corona und das Thema Kontaktvermeidung diesen Systemen natürlich in die Hände spielen.

Autor Rudolf Linsenbarth
Rudolf LinsenbarthRudolf Linsenbarth be­schäf­tigt sich mit Mobile Payment, NFC, Kundenbindung und digitaler Identität. Er ist seit über 15 Jahren in den Bereichen Banken, Consulting, IT und Handel tätig. Lin­sen­barth ist profilierter Fachautor und Praktiker im Finanzbereich und kommentiert bei Twitter (@holimuk) die aktuellen Entwicklungen. Alle Beiträge schreibt Linsenbarth im eigenen Namen.

Einfach kurz an die Zapfsäue fahren und nach dem Tanken direkt wieder in die Fahrgastzelle zu steigen, anstatt sich im Kassenraum in die Schlange zu stellen, hat in Pandemie-Zeiten durchaus Vorteile.“

Der Nutzen für Personas

Jeglicher darüber hinausgehende Nutzen sei hier mal über sogenannte Personas, wie man sie aus der agilen Produktentwicklung kennt, vorgestellt. Diese Personas beschreiben einen imaginären Kunden und seine Merkmale.

Rudolf
Rudolf ist Gelegenheitsfahrer und bewegt sich mit dem Auto ausschließlich privat. Er ist etwas preisbewusst, aber vor allem ist er ein „Gewohnheitstier“. Wenn ein Prozess zu seiner Zufriedenheit funktioniert, wird daraus ein festes Handlungsmuster. Rudolf findet eine gute Lösung bei einer Tankstelle in der Nähe seines Wohnortes und installiert sich dafür die zugehörige App. Von nun ab tankt er nur noch dort. Bei gelegentlichen Abstechern aus dem gewohnten Umfeld tankt er dort, wo es gerade passt und zahlt dann auf konventionelle Weise. Für Rudolf reicht eine Tankstelle in seiner unmittelbaren Umgebung, um ihn als Kunden zu gewinnen.

Achim
Achim ist ein echter Auto-Fan. Alle zwei bis drei Jahre gibt es einen neuen Flitzer von einer deutschen Premium-Marke. Wenn sein Fahrzeughersteller die Möglichkeit des Bezahlens direkt aus dem Auto anbietet, wechselt er selbstverständlich das Medium. Sein Weg zur Arbeit beträgt 80 km. Auf der Strecke dahin hat er 3 Tankstellen, die es ihm ermöglichen, direkt mit einer App zu bezahlen, er schätzt den Zeitgewinn sehr, da er meist zu den Stoßzeiten tankt. In der Freizeit sieht es ähnlich aus. Seine Verwandtschaft wohnt 150 km von seinem aktuellen Wohnort entfernt und auch auf diesem Weg hat er die Tankstellen identifiziert, die den Einsatz seiner App unterstützen. Gerne nimmt er dann auch die Rabattangebote wie z.B. eine vergünstigte Autowäsche mit.

Tankstellen bieten vermehrt pay@pump
ryd

Petra
Petra ist selbständige Unternehmerin. Ihre Fahrleistungen liegen über 50 000 km im Jahr. An einer connected Fuel Lösung schätzt sie besonders, dass die Tankbelege digital eingeliefert werden. Belege sammeln nervt sie so sehr, dass sie kleinere Umwege in Kauf nimmt. Petra ist auch gewillt, mehrere Apps zu installieren, wenn sie dadurch die Anzahl der Tankbelege signifikant senken kann.

Yavuz
Yavuz ist in einem Consulting-Unternehmen angestellt und bekommt einen Firmenwagen gestellt. Damit er den Treibstoff bezahlen kann, muss Yavuz eine Flottenkarte seines Arbeitgebers verwenden. Von daher kommen für ihn nur solche Apps in Frage, bei denen man auch eine Flottenkarte hinzufügen kann. Bei der connected Fuel Lösung gefällt ihm am besten, dass er den Kilometerstand bequem im Auto eintragen kann. Denn wenn er am Kartenterminal in der Tankstelle steht und vergessen hat vorher nachzuschauen, dann muss er erst wieder zum Auto zurück. Ein digitaler Tankbeleg ist für ihn dagegen weniger wichtig.

Moni
Moni ist LKW-Fahrerin und reist jede Woche durch ganz Deutschland. Moni kennt ihre Strecken und kann Tankstopps gut im voraus planen, wenn ihr kein Stau dazwischenkommt. Der Zeitvorteil beim Tanken von connected Fuel ist Moni nicht so wichtig. Aber zusätzliche Service-Angebote wie einen kostenlosen Kaffee zum belegten Brötchen weiß sie zu schätzen. Wenn möglich bezieht sie solche Punkte in ihre Tourenplanung mit ein. Sie benötigt aber unbedingt eine Aufteilung von dienstlichen und privaten Ausgaben in der App. Wenn sie dann doch mal in einen Stau gerät, wählt sie einen alternativen Rastplatz anhand von Angeboten, die ihr in der App offeriert werden.

Im nächsten Teil betrachten wir, wie die Apps in die Tankstellen-Infrastruktur eingebunden werden und wann Moni, Petra und Yavuz mit einer Flächendeckung für ihre Apps rechnen können.Rudolf Linsenbarth

 
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