Wenn KI die Versicherung auswählt: Vergleichsportale geraten vermehrt unter Druck

Accenture
Der klassische Versicherungsvertrieb lebt bislang auch davon, dass Kunden bestehende Verträge häufig verlängern, statt den Markt regelmäßig neu zu durchsuchen. KI-Assistenten könnten diese Trägheit deutlich reduzieren: Sie können Versicherungsbedingungen analysieren, Angebote vergleichen und dabei neben Preisen auch Leistungen und die Qualität der Schadensregulierung berücksichtigen. Für die Studie „Talk to my AI Agent“ befragte Accenture weltweit mehr als 25.000 Verbraucher in 16 Ländern. Die versicherungsspezifischen Ergebnisse basieren auf einer Teilstichprobe von 2.971 Personen. Demnach setzen bereits 82 Prozent der Versicherungskunden generative KI ein. Bei Generation Z und Millennials erwarten 86 Prozent, dass KI künftig eine zentrale Rolle bei der Auswahl von Versicherungsprodukten spielen wird.
KI bringt neue Anbieter ins Relevant Set
Die Technologie beeinflusst dabei nicht nur die Art der Recherche, sondern offenbar auch die Auswahl möglicher Anbieter. 37 Prozent der Befragten gaben an, mithilfe von KI Versicherer berücksichtigt zu haben, die ihnen zuvor nicht bekannt oder nicht präsent waren. 47 Prozent erklärten, über KI bessere Produkte gefunden zu haben als bei einer eigenständigen Recherche. 70 Prozent erwarten, mithilfe entsprechender Tools schneller zu besseren Entscheidungen zu kommen.
Das könnte insbesondere Vergleichsportale unter Druck setzen. Unter Millennials nutzen laut Accenture 27 Prozent KI zur Unterstützung bei der Versicherungsauswahl, während 16 Prozent Vergleichsportale verwenden. Bei der Generation Z stehen 26 Prozent KI-Nutzung lediglich 11 Prozent Nutzung von Vergleichsportalen gegenüber. Dabei geht es den Befragten offenbar nicht allein um niedrigere Beiträge. 46 Prozent vertrauen im Versicherungsbereich auf KI-Empfehlungen und erwarten, dass die Systeme neben dem Preis auch Leistungsumfang und Zuverlässigkeit bei der Schadensregulierung einbeziehen.
Für Versicherer wird der Einsatz von KI-Agenten zur Herausforderung und Chance zugleich. Verbraucher nutzen KI-Tools nicht, um den billigsten Tarif zu finden. Sie erwarten das beste Gesamtpaket aus Leistung, verlässlicher Schadensregulierung und passgenauem Versicherungsschutz.“
Markus Heyen, Leiter Versicherung bei Accenture Deutschland
Mensch soll vorerst die letzte Entscheidung treffen
Vollständig an einen KI-Agenten abgeben wollen die meisten Verbraucher ihre Versicherungsangelegenheiten allerdings noch nicht. Lediglich acht Prozent wünschen sich laut Studie, dass ein persönlicher KI-Agent den gesamten Versicherungsprozess autonom übernimmt. 42 Prozent möchten die vorgeschlagenen Optionen zunächst selbst verstehen und prüfen, bevor ein System handelt. Größer ist die Offenheit beim Kundenservice: Ein Drittel der Befragten wünscht sich einen persönlichen KI-Assistenten, der den kompletten Service einschließlich der Bearbeitung von Schadensfällen übernimmt. Unter Millennials liegt der Anteil bei 43 Prozent.
Besonders zurückhaltend sind Verbraucher dagegen, wenn KI über Zahlungen entscheiden soll. 31 Prozent lehnen dies grundsätzlich ab. Für diejenigen, die sich eine solche Nutzung vorstellen können, hat Sicherheit hohe Priorität: 41 Prozent nennen den Schutz vor Betrug und Missbrauch als eine ihrer drei wichtigsten Anforderungen. Für Versicherer entsteht damit eine zusätzliche Anforderung an Produktgestaltung und Datenbereitstellung. Tarife müssen künftig nicht nur für Kunden verständlich, sondern auch für KI-Systeme strukturiert erfassbar und vergleichbar sein.

Accenture
Im KI-gesteuerten Versicherungsmarkt werden nicht die lautesten, sondern die überzeugendsten Anbieter gewinnen. Nur Versicherer, deren Produkte transparent, nachprüfbar und wirklich wettbewerbsfähig sind, werden in Zukunft erfolgreich sein. Nicht der niedrigste Preis entscheidet über einen Vertragsabschluss, sondern die beste Leistung im entscheidenden Moment.“
Markus Heyen, Leiter Versicherung bei Accenture Deutschland
Der Accenture Consumer Pulse untersucht seit sieben Jahren Veränderungen bei Verbraucherstimmung und Kaufverhalten. Für die aktuelle Ausgabe wurden zwischen dem 7. und 22. Januar 2026 insgesamt 25.590 Verbraucher in 16 Ländern online befragt. Ergänzend führte Accenture zwischen dem 20. April und dem 7. Mai 2026 KI-moderierte Interviews mit 50 Verbrauchern in fünf Ländern durch. Die Studie kann (ohne Angabe der persönlichen Daten) heruntergeladen werden.tw
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