STUDIEN & UMFRAGEN20. Oktober 2026

Kaum bekannt, kaum gefragt: Wero und digitaler Euro kämpfen um Akzeptanz

diitaler Euro auf dem Weg
SymbolbildKI generiert

Europäische Zahlungslösungen sollen die Abhängigkeit von US-amerikanischen Anbietern verringern. Doch gerade bei Verbrauchern stoßen Wero und der geplante digitale Euro bislang auf wenig Interesse. Eine aktuelle Allensbach-Studie zeigt, wie groß die Vorbehalte sind und warum sich etablierte Zahlungsverfahren weiterhin behaupten. 

Die europäischen Initiativen für mehr Eigenständigkeit im Zahlungsverkehr haben offenbar noch ein erhebliches Akzeptanzproblem. Laut einer repräsentativen Untersuchung des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Initiative Deutsche Zahlungssysteme (also dem Unternehmen, das hinter der Girocard steht) haben 55 Prozent der Deutschen noch nie von Wero gehört. Der europäische Bezahldienst ist zwar bereits (in ersten Ansätzen) seit rund zwei Jahren auf dem Markt, wird aber bislang nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung genutzt. Unter den 45 Prozent, die Wero kennen, haben fünf Prozent das Verfahren bereits verwendet, weitere vier Prozent haben es zumindest freigeschaltet.

Dieser Wert muss allerdings im Kontext verstanden werden: Denn erst seit wenigen Monaten bietet überhaupt eine mehr oder weniger nennenswerte Zahl an Shops und Unternehmen die Bezahllösung überhaupt an. Immerhin können sich 46 Prozent der Wero-Kenner eine künftige Nutzung vorstellen. Unter denjenigen, die bislang noch nichts von dem Dienst gehört haben, ist die Skepsis dagegen deutlich größer: Ganze 61 Prozent lehnen eine Nutzung ab, lediglich 13 Prozent zeigen Interesse. Besonders ausgeprägt ist die Zurückhaltung bei den über 60-Jährigen.

Allensbach-Studie
Allensbach

Vor allem Jüngere wollen digitalen Euro nutzen

Etwas bekannter als Wero ist der digitale Euro, an dessen Entwicklung die Europäische Zentralbank arbeitet. 54 Prozent der Befragten haben schon einmal von dem Vorhaben gehört. Allerdings würden lediglich sieben Prozent den digitalen Euro wahrscheinlich nutzen, weitere 23 Prozent können sich dies grundsätzlich vorstellen. Dagegen schließen 31 Prozent die Nutzung aus, weitere 20 Prozent halten sie für eher unwahrscheinlich. Auffällig sind hierbei die Unterschiede zwischen den Altersgruppen: Während 17 Prozent der 16- bis 29-Jährigen den digitalen Euro wahrscheinlich nutzen würden, sind es bei den über 60-Jährigen lediglich zwei Prozent. In dieser Altersgruppe schließt fast jeder Zweite die Nutzung grundsätzlich aus.

Die Ergebnisse zeigen damit eine zentrale Herausforderung für die europäischen Zahlungsinitiativen: Technische Verfügbarkeit und politische Unterstützung allein reichen nicht aus, um bestehende Bezahlgewohnheiten zu verändern. Während Wero als privatwirtschaftliche Alternative zu internationalen Bezahldiensten bereits im Markt eingeführt ist, befindet sich der digitale Euro noch in der politischen und technischen Vorbereitung. Beide Projekte müssen den Verbrauchern erst vermitteln, welchen konkreten Mehrwert sie gegenüber etablierten Verfahren bieten.

Deutschland sieht sich beim digitalen Bezahlen im Rückstand

Allensbach-Studie
Allensbach

Auch die Selbsteinschätzung der Deutschen fällt wenig schmeichelhaft aus. Nur fünf Prozent der Befragten halten Deutschland beim bargeldlosen Bezahlen für führend in Europa. 41 Prozent sehen andere europäische Länder deutlich weiter vorn, weitere 29 Prozent zumindest etwas voraus. Besonders kritisch urteilen diejenigen, die selbst bevorzugt mit Karte oder Smartphone bezahlen. Ob die Einschätzung auf konkreten Erfahrungen mit mangelnder Akzeptanz oder anderen Faktoren beruht, wurde nicht untersucht.

Während die neuen europäischen Bezahlsysteme noch um Akzeptanz werben, dominieren weiterhin etablierte Kartenverfahren. 98 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren besitzen eine Girocard oder eine andere Debitkarte, 57 Prozent verfügen über eine Kreditkarte. Auch beim mobilen Bezahlen ist die Girocard stark vertreten. Von denjenigen, die bereits mit Smartphone oder Smartwatch bezahlt haben, haben 74 Prozent eine Girocard digital hinterlegt. Bei 33 Prozent ist es eine Kreditkarte, bei zehn Prozent eine andere Debitkarte.

Karte bleibt bevorzugtes Zahlungsmittel

Dass sich die bestehenden Verhältnisse kurzfristig grundlegend verändern, erwarten die Befragten offenbar nicht. 78 Prozent rechnen damit, in fünf Jahren häufig mit Karte zu bezahlen. Bargeld nennen 55 Prozent, das Smartphone 49 Prozent. Andere Zahlungslösungen wie Wero kommen auf 39 Prozent, der digitale Euro auf lediglich zwölf Prozent. Kryptowährungen wie Bitcoin spielen mit vier Prozent kaum eine Rolle.

Ingo Limburg, Vorsitzender der Initiative Deutsche Zahlungssysteme
Euro Kartensysteme

Die Zahlen belegen, dass Verbraucherinnen und Verbraucher beim Bezahlen vor allem eines suchen: Verlässlichkeit und Stabilität.“

Ingo Limburg, Vorsitzender der Initiative Deutsche Zahlungssysteme

Neue europäische Bezahlwege könnten künftig eine wichtige Rolle spielen, müssten sich das Vertrauen der Verbraucher aber erst erarbeiten, so Limburg. Als Vorbild sieht er die Girocard, die sich durch ihre langjährige Präsenz, hohe Akzeptanz und das etablierte Sicherheitsniveau durchgesetzt habe. Die Untersuchung basiert auf 1.039 mündlich-persönlichen Interviews mit einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung ab 16 Jahren. Die Befragung wurde im Juli und August 2026 durchgeführt. Auftraggeber ist die Initiative Deutsche Zahlungssysteme, die unter anderem die Interessen von Unternehmen und Institutionen rund um die Girocard vertritt.tw

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