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FINTECH21. Dezember 2016

Polymorphes Banking – ist der FinTech-Trend für 2017

Hartmut Giesen, Fintech Business Development Sutor BankSutor Bnak
Hartmut Giesen, FinTech Business Development Sutor BankSutor Bnak

Wenn es einen FinTech-Trend 2017 geben wird, für den man wenig Vorhersagekraft benötigt, dann ist es polymorphes Banking. Polymorphes Banking heißt, dass Banking die Unternehmensgrenze der Banken überschreitet und in vielfältigen Formen direkt in die Handels- und Produktionskontexte von Menschen und Maschinen diffundiert. Polymorphes Banking tritt in diesem Sinne auf als Embedded Banking, als Invisible Banking, als Microservice Banking und in Formen, die wir noch nicht absehen können.

Hartmut Giesen, FinTech Business Development & Digitalisierungsprojekte der Sutor Bank

Dem polymorphen Banking gehört die Zukunft – hauptsächlich durch die Technologiekonzepte Blockchain, KI und API.

Embedded Banking

Bankprozesse betten sich, getrieben durch die API-Ansätze, immer weiter direkt in die Handels-, Produktions- und Supply-Chain-Prozesse ein. Konkrete Anwendungsfälle des Embedded Bankings sind Zahlungsprozesse, die automatisiert mehrstufige Zug-um-Zug Zahlungen mit mehrstufigen Handelsprozessen synchronisieren: Container, die ihren Transport beim Durchfahren logistischer Gates selbst bezahlen oder Maschinen, die ihre Produktionskosten direkt vom Kunden einziehen (ein noch nicht weit verbreitetes, aber typisches Industrie-4.0-Szenario).

Das Internet of Things (IoT), in dem jeder Aktor oder Sensor mit Zahlungsfunktionen ausgestattet werden kann, wird die Vielfalt der Anwendungsfälle exponentiell steigen lassen.“

Invisible Banking

Amazon startet mit AmazonGo das Bezahlen ohne Kassenschlange und extra Zahlvorgänge.AmazonGo
Amazon startet Anfang 2017 mit AmazonGo das Bezahlen ohne Kassenschlange und extra Zahlvorgänge in Seattle.AmazonGo

Verwandt mit dem Embedded ist das Invisible Banking: Für die menschlichen Nutzer wird Banking, nicht nur das Zahlen, sondern auch Funktionen wie Sparen, Anlegen oder Kredite aufnehmen, zu unsichtbaren Hintergrundprozessen. Die aufsehenerregende Eröffnung des ersten Amazon-Supermarkts zeigt, wohin die Reise geht. Der Kunde shoppt und geht einfach aus dem Laden. Abgerechnet wird dann hinterher über die bei Amazon hinterlegten Zahlungsmittel. Ähnlich unsichtbar funktionieren Zahlungsprozesse im Peer-to-Peer-Energiehandel. Hier wird die Nutzung von Ladestationen über Blockchain-basierende Smart Contracts direkt mit dem Austausch von Tokens in einem digitalen Wallet gekoppelt.

Die ersten Startups, die mit Algorithmen dafür sorgen, dass ihre Kunden automatisch durch Sparen und Anlegen ihre finanziellen Ziele erreichen, sind bereits auf dem Markt unterwegs.“

Microservice Banking

Die Vorstufe und die Voraussetzung sowohl zum Embedded als auch zum Invisible Banking ist das Microservice Banking.

Es zerlegt Bankprozesse so, dass sie sich über APIs in Nicht-Banken-Umgebungen integrieren lassen.“

Microservice Banking nutzt etwa große Webplattformen, um ihren Kunden Spar- oder Anlageprozesse zu bieten, für die Banklizenzen notwendig sind. Startups betten über Microservice Banking Zahlungs- oder Sparkonten in ihre Apps ein. Dabei geht es nicht nur um reine Finanzapps, sondern auch um Anwendungen, die es z. B. ausländischen Studierenden ermöglichen, ihr Leben in Deutschland zu organisieren.

Autor Hartmut Giesen
hartmut-giesen-sutor-bank-516Hartmut Giesen realisiert für die Sutor Bank digitale Geschäftsmodelle. Zu seinen Aufgaben gehören das FinTech Business Development, der Auf- und Ausbau der Sutor Startup-Plattform und die Betreuung interner Digitalisierungsprojekte.

Nach einem Germanistik- und Physik-Studium an der RWTH Aachen begann Hartmut Giesen 1996 seine Karriere bei einer Technologie-Marketing-Agentur. Als Vorstand gründete er 2003 eine eigene Agentur für Technologie-Marketing. 2013 gründete er aus der Zusammenarbeit mit der Sutor Bank heraus die NextFin GmbH.

Basis-Technologien: Blockchain, KI und APIs

Getrieben wird diese Entwicklung von den Kerntechnologien API, Blockchain und Künstliche Intelligenz (KI). Wobei unter KI eine ganze Reihe verschiedener, teils auch gegensätzlicher Konzepte zusammengefasst werden, die die menschliche Kognition nachahmen und/oder ersetzen sollen.

1. Die Blockchain macht den echtzeitnahen Austausch digitaler Assets – nichts anderes ist Geld – möglich und verbindet diesen Austausch mit programmierbaren Regeln (Smart Contracts). So lassen sich physische und digitale Wertschöpfungs- und Wertaustauschprozesse direkt miteinander verknüpfen.

2. KI (AI, Kognitive Systeme) erlaubt es, weit komplexere Prozesse maschinell zu steuern, als dies bisher der Fall war. So wird Sprache in gesprochener und geschriebener Form das User-Interface der Zukunft sein. Die KI ist inzwischen soweit, dass sie sprachliche Kommunikation in fast perfekter Form beherrscht. Darüber hinaus erlauben es intelligente, selbstlernende Prozesse, große Datenmengen in Echtzeit zu analysieren und ihren Austausch sicher zu koordinieren und umzusetzen – was z. B. notwendig ist, um Massenzahlungsprozesse in IoT-Anwendungen zuverlässig zu steuern.

3. APIs sind das Multifunktionswerkzeug, mit denen sich Banking-Prozesse zerlegen, formen und integrieren lassen, und die es umgekehrt ermöglichen, dass Banking-Prozesse auf Blockchain- und KI-Technologie zugreifen können.

FinTech wird sich übrigens deshalb mehr zu einem Phänomen-Begriff entwickeln und weniger oft als Bezeichnung für eine Klasse von Unternehmen bzw. Startups genutzt werden.“

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