STRATEGIE27. Januar 2023

Neue E-Wallet: US-Banken stellen sich gemeinsam gegen Paypal und Apple Pay

KTstock / Bigstock

Ein Konsortium aus Banken in den USA bereitet eine elektronische Wallet vor, die den Bezahlvorgang im Internet erleichtern und effizienter gestalten soll. Diese Banken-Wallet könnte in direkter Konkurrenz zu Anbietern wie Paypal, Apple Pay sowie Google Pay und Samsung Pay stehen. Dies ist vor allem deswegen bemerkenswert, weil der Bankenmarkt in den Vereinigten Staaten sich komplett anders darstellt als in den westeuropäischen Industrieländern. Das sind die Hintergründe und Erfolgsaussichten des Systems.

Als Konkurrenz zu Paypal, Apple Pay, Google Pay und Samsung Pay haben sich einige große US-amerikanische Bankhäuser aufgestellt. Diese wollen eine gemeinsame elektronische Geldbörse (Wallet) einrichten. Zu den beteiligten Banken gehörten sieben US-Banken: neben JPMorgan ChaseBank of AmericaWells Fargo auch Capital OnePNC sowie US Bancorp and Truist. Die Lösung wird zusammen mit Early Warning Services entwickelt und soll den bargeldlosen Zahlungsverkehr im Online-Handel ermöglichen und noch im Laufe des Jahres 2023 an den Start gehen.

Laut Wallstreet Journal kommen dabei Kreditkarten und Debit-Lösungen der beiden großen Player Visa und Mastercard zum Einsatz, die in den USA die größte Verbreitung haben. Um die notwendigen Compliance-Anforderungen zu erfüllen, muss der Kunde nachweisen, dass er keine überfälligen Schulden hat und dass die Karte bereits im E-Commerce genutzt wurde. Erforderlich sind zudem eine gültige Mobilfunknummer und passende Mail-Adresse.

FinTech Early Warning Services als umsetzender Faktor

Die Kooperation mit dem FinTech Early Warning Services, einem FinTech, das teilweise im Besitz der Banken ist, soll dafür sorgen, dass das Produkt zügig an den Start gehen kann. Das Unternehmen betreibt bereits mit Zelle Pay eine Bezahllösung, die es Einzelpersonen ermöglicht, via Mobilgerät oder über die Website eines teilnehmenden Bankinstituts Geld von einem Bankkonto auf das Bankkonto eines anderen registrierten Nutzers innerhalb der Vereinigten Staaten zu überweisen.

Die neue elektronische Wallet ist ein Versuch der Banken, wieder die Kontrolle über Bezahlvorgänge zu erlangen, die gegenwärtig über Apple Pay und andere ähnliche digitale Services abgewickelt werden. Anders als etwa in Deutschland mit der Girocard und Giropay gibt es in den Vereinigten Staaten kein derart verbreitetes System, das in Bankenhand ist.

Welche Rolle werden die US-Banken in Zukunft spielen?

Für die US-Banken ist all das also nicht nur ein Herzensprojekt, sondern vor allem auch eines, das darüber entscheidet, welchen Stellenwert im Bezahlprozess die Banken in Zukunft spielen werden. Dass sich hier gleich alle sieben der größten US-Banken einbringen, zeigt, wie ernst man das Projekt nimmt.

Die Aktivierung von Kreditkarten lässt sich mit der Kofax-Technik einfacher und günstiger lösen als die herkömmliche Aktivierung via Callcenter. (Foto: mcfields / Bigstock).

Die Betreiberfirma Early Warning Services (EWS) hofft offenbar, so geht es aus Medienberichten hervor, dass sich Verbraucher mit insgesamt 150 Millionen Karten (das ist in den USA angesichts der großen Kartenzahl pro Nutzer ein feiner Unterschied) für das System entscheiden. Los geht’s mit Visa und Mastercard, weitere Implementierungen sind aber durchaus möglich und werden wohl auch davon abhängen, wie die Resonanz des Online-Handels und weiterer Player (etwa Plattformen, Reiseportale, Tickethändler etc.) ist.

Auch wenn Zelle Pay bereits existiert und von der EWS auch weiterhin betrieben werden soll, bleibt das geplante neue System unabhängig von Zelle Pay. Die Idee, Zelle selbst für Bezahlungen im E-Commerce aufzubohren, hat EWS fallen lassen. Der Grund dürften die Befürchtungen von Betrugsszenarien sowie der in den USA strenge Verbraucherschutz sein.

Derzeit ist bei Zelle Pay vor allem der P2P-Ansatz wichtig, der ja auch einen Teil des Erfolgs der Paypal-Plattform ausmacht – in den USA ist hier Venmo der De-Facto-Standard. In Deutschland bemüht sich das Giropay-Konsortium in verschiedenen Ausrichtungen ebenfalls darum, P2P weiter in den Markt zu treiben.

Erfolgsaussichten – noch unklar

Der Erfolg einer solchen E-Wallet ist allerdings alles andere als gesetzt, auch wenn Early Warning Services erklärt, dass die Verbraucher 2021 bereits Bezahlvorgänge in Höhe von 490 Mrd. Dollar (rund 451 Mrd. Euro) via Zelle Pay abgewickelt haben. Noch bleibt man weit hinter Paypal zurück, deren gehandeltes Volumen im selben Zeitraum bei 1,25 Bio. US-Dollar liegt. Abhängen wird dieser davon, wie sicher auf der einen Seite das System ist und wie einfach und intuitiv die Nutzererfahrung sein wird. Unklar ist beispielsweise auch, welche Daten Nutzer den Online-Händlern übergeben müssen. Es läuft darauf hinaus, dass die Mail-Adresse hier das zentrale Element ist.

Letzten Endes wird es in den USA das übliche Henne-Ei-Problem sein. Wichtig ist daher, dass möglichst viele Händler das System von Anfang an implementieren, möglicherweise noch erste Anreize bieten, die über reine Werbekostenzuschüsse wie seinerzeit in Deutschland bei Paydirekt hinausgehen. Und dann müssen auf der anderen Seite die Kunden mitspielen und den entsprechenden Dienst mehr als nur einmal nutzen. Ein als De-Facto-Standard gesetzter Dienst wie Paypal ist hierbei am deutlich längeren Hebel als ein Herausforderer wie das Banken-spezifische System – ein Umstand, von dem auch die deutschen Banken und Sparkassen ein Lied singen können.tw

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