ANWENDUNG30. Juni 2026

NTT-Studie: Nur jeder fünfte Versicherer hat KI produktiv im Einsatz

KI und Intelligent Automation verändern die Schadenbearbeitung in Versicherungen
ChatGPT

Versicherer sehen sich laut einer neuen Studie von NTT DATA mit wachsenden Risiken und steigenden ungedeckten Schäden konfrontiert. Besonders Cyberrisiken entwickeln sich demnach zum größten nicht versicherten Risikobereich für Unternehmen. Gleichzeitig kommt der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in vielen Häusern nur langsam voran: Zwar nutzen viele Beschäftigte bereits KI-Werkzeuge, doch nur ein kleiner Teil der Versicherer hat entsprechende Anwendungen bislang produktiv eingeführt. Die Studie sieht die Branche daher an einem strategischen Wendepunkt.

Nach Einschätzung von NTT Data haben sich Cyberrisiken zum wichtigsten Versicherungsrisiko für Unternehmen entwickelt. Der aktuelle „Insurtech Global Outlook 2026“ prognostiziert, dass nicht versicherte Cyberverluste weltweit von 171 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 auf mehr als 700 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2030 steigen könnten. Daneben verweist die Untersuchung auf weitere Belastungsfaktoren. So beziffert der Report nicht versicherte klimabedingte Schäden durch Extremwetterereignisse, Überschwemmungen und Waldbrände auf rund 180 Milliarden US-Dollar. Zudem seien Haftungsansprüche in den vergangenen Jahren um 57 Prozent gestiegen.

Der Studie zufolge könnte der verstärkte Einsatz KI-gestützter und agentischer Betriebsmodelle die Kosten von Versicherern durch Automatisierung und Prozessoptimierung um bis zu 35 Prozent senken. Allerdings gelingt vielen Unternehmen die Skalierung entsprechender Anwendungen bislang nicht. Während 66 Prozent der Beschäftigten in Versicherungsunternehmen bereits KI-Tools nutzen, haben lediglich 22 Prozent der Versicherer KI-Anwendungen in den produktiven Betrieb überführt. Als wesentliche Hürden nennt die Studie weniger technologische Defizite als vielmehr fehlendes Vertrauen, Governance-Fragen sowie Betriebsmodelle, die bislang nicht auf den Einsatz von KI ausgelegt seien.

Insurtech Global Outlook 2026
NTT Data

KI-Einsatz scheitert häufig an Governance und Vertrauen

Der Bericht identifiziert vier zentrale Handlungsfelder für die Branche. So sollten Versicherer die Resilienz stärker in ihre Betriebsmodelle integrieren und von einer reaktiven Schadensregulierung zu kontinuierlicher Risikoerkennung und Prävention übergehen. Außerdem erfodere der großflächige Einsatz von KI von Beginn an Erklärbarkeit, Compliance und menschliche Verantwortlichkeit. Präventionsorientierte und stärker personalisierte Versicherungsangebote gewännen an Bedeutung. Laut Studie wächst der Markt für Hyperpersonalisierung jährlich um mehr als 35 Prozent. Zudem würden Partnerökosysteme und eingebettete Versicherungen zu wichtigen Wachstumstreibern. Das Marktvolumen für Embedded Insurance habe 2025 bereits mehr als 116 Milliarden US-Dollar erreicht.

Für Versicherer geht es heute nicht mehr nur darum, bestehende Risiken effizienter zu versichern. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, neue Risikolandschaften frühzeitig zu erkennen und aktiv die Resilienz zu stärken.“

Bruno Abril, Global Head of Insurance, NTT Data

Claudia Jandl, Managing Director und Head of BFSI DACH bei NTT DATA
NTT Data

Für Versicherer geht es heute nicht mehr nur darum, bestehende Risiken effizienter zu versichern. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, neue Risikolandschaften frühzeitig zu erkennen und aktiv mitzugestalten.“

Claudia Jandl, Managing Director und Head of BFSI DACH bei NTT Data  

Für den „Insurtech Global Outlook 2026“ wertete NTT DATA nach eigenen Angaben Branchendaten, Markttrends und Risikokennzahlen aus globalen Quellen aus. Berücksichtigt wurden unter anderem Offenlegungen von Versicherern, Drittstudien sowie eigene Erkenntnisse des Unternehmens für den Zeitraum von 2023 bis 2025.tw

 

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