STRATEGIE30. Oktober 2018

Gartner: Bis 2030 sind die meisten etablierten Finanzdienstleister irrelevant

Das Gros der deutschen Unternehmen plant Maßnahmen zur digitalen Transformation.
Bigstock / Alfa Photo

Die digitale Transformation könnte einen Großteil der etablierten Finanzhäuser obsolet werden lassen. Bis 2030 werden 80 Prozent der traditionellen Finanzdienstleistungsunternehmen ihr Geschäft aufgeben, in anderen Unternehmensumfeldern aufgehen oder nur formal existieren, aber nicht effektiv konkurrieren, erklärt das Beratungshaus Gartner. Angesichts globaler digitaler Plattformen von Google bis Amazon, FinTech-Unternehmen und anderen nicht-traditionellen Akteuren werden sich die Geschäftsmodelle der Branche nachhaltig verändern.

Anlässlich des Gartner Symposium/ITxpo 2018 in Australien erklärte David Furlonger, Vice President und Gartner-Analyst, dass Banken mit einem wachsenden Risiko des Scheiterns konfrontiert sind, wenn sie weiterhin Geschäftsmodelle und Betriebsmodelle des 20. Jahrhunderts pflegen.

Die digitale Transformation ist weitgehend ein Mythos, da institutionelle Denkweisen, Prozesse und Strukturen Bestand haben. Etablierte Finanzdienstleister müssen im digitalen Geschäft schneller vorankommen, indem sie digitale Plattformen aufbauen oder Nischenprodukte und -dienstleistungen finden, die sie auf den Plattformen anderer verkaufen können.“

David Furlonger, Vice President Gartner

Laut Gartner’s CEO-Umfrage 2018 steht für CEOs von Finanzdienstleistungsunternehmen zwar weiterhin das Umsatzwachstum im Vordergrund, aber es hat eine deutliche Verschiebung hin zu Effizienz- und Produktivitätssteigerungen und der Bedeutung des Managements als Wachstumshebel gegeben. Diese Verschiebung zeige, dass das digitale Geschäft überwiegend ein Kanal- und Transaktionsautomatisierungsspiel ist, das sich auf die Geschäftsoptimierung und nicht auf eine Transformation konzentriert.

Diese Haltung ist gefährlich. Sie unterschätzt den Grad des Wandels, den die digitale Technologie der Branche bringen wird. Die Zukunft der Finanzdienstleistungsbranche ist zunehmend schwerelos und erfordert nur wenige physische Vermögenswerte, um eine Präsenz aufzubauen oder zu erhalten. Das macht die Branche besonders anfällig für Störungen durch digitale Wettbewerber.“

Pete Redshaw, Practice Vice President bei Gartner

Darüber hinaus bieten neue Technologien wie etwa die Blockchain Transformationsmöglichkeiten, indem sie Vertrauen zwischen Parteien schaffen, die sich nicht kennen, ohne Vermittlerbeziehungen, die etablierte Finanzunternehmen pflegen. Ebenso können beispielsweise Peer-to-Peer-Konsensalgorithmen die Kreditnehmer direkt mit denen mit Geld vergleichen, ohne dass eine Bank vermitteln muss.

Der größte Fehler, den Finanzdienstleistungs-CIOs machen, ist, sich zu sehr auf die Technologie zu konzentrieren. Sie sollten ihre Unternehmen zu einer kohärenteren Reaktion auf das digitale Geschäft drängen – es ist wichtig, zuerst die digitale Vision und das Ziel festzulegen und dann darüber nachzudenken, wie man ein Unternehmen dort führen kann.“

Pete Redshaw, Practice Vice President bei Gartner

Gartner: Drei Gruppen an Unternehmen werden in Zukunft relevant sein

Laut Gartner werden von den 20 Prozent der traditionellen Unternehmen, drei Typen als Gewinner aus dieser Entwicklung hervorgehen.

Power-Law-Firmen: Sie besitzen eine eigene digitale Plattform und nutzen sie, um aus Kunden-Informationen neue Services zu entwickeln und neue Märkte zu erschließen. Nur rund fünf Prozent der besten Unternehmen haben das Potenzial zur Power-Law-Firma.

FinTechs: Sie sind spezialisierte „Pure-Player“, die traditionelle Finanzdienstleister in ausgewählten Produkt-Bereichen ablösen werden. FinTechs nutzen digitale Plattformen, besitzen sie jedoch nicht. Weniger als 15 Prozent der etablierten Finanzunternehmen werden sich zu FinTechs wandeln oder abspalten.

Long-Tail-Firmen: Die drastisch niedrigeren Kosten, die mit digitalen Plattformen möglich sind, werden einige traditionelle Anbieter in die Lage versetzen, als Service Broker aufzutreten. Gleichzeitig können sie als Concierge-Anbieter von gebündelten Leistungen für vermögende Privatpersonen auftreten. Rund 80 Prozent der erfolgreichen traditionellen Finanzdienstleister können zu Long-Tail-Unternehmen werden.

Die Geschwindigkeit des digitalen Wandels bei Finanzdienstleistungen hängt zum Teil von der Regulierung ab, ebenso wie von der Demografie und dem Verhalten der Kunden, die von Land zu Land unterschiedlich sein werden. In einigen Märkten werden konservative Regelungen die Innovation behindern, während andere Länder wie Australien, Brasilien, China, Indien und Großbritannien die Regulierung nutzen werden, um die Transformation zu beschleunigen.tw

 
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