SECURITY8. Juli 2026

Mehr Verbraucher offen für KI-Hilfe bei Versicherungen – doch eine Hürde bleibt

KI und Intelligent Automation verändern die Schadenbearbeitung in Versicherungen
ChatGPT
Versicherungen gelten für viele Verbraucher weiterhin als komplexes Alltagsthema. Tarife müssen verglichen, Anträge korrekt ausgefüllt, bestehende Policen überprüft und im Schadenfall Informationen zusammengestellt werden. Jetzt zeigt eine aktuelle Bitkom-Umfrage, dass immer mehr Menschen in Deutschland sich auch vorstellen können, dabei Unterstützung durch Künstliche Intelligenz zu nutzen. Lediglich ein Sachverhalt dürfte die etablierten Versicherungen mit ihrem bundesweit tätigen Außendienst beruhigen.

Demnach würde sich inzwischen eine knappe Mehrheit von 52 Prozent der Befragten gerne von einer KI beim Ausfüllen eines Versicherungsantrags helfen lassen. Im Vorjahr lag der Anteil noch bei 47 Prozent. Auch bei der Analyse bestehender Policen steigt das Interesse: 44 Prozent würden gerne eine KI nutzen, die vorhandene Versicherungsverträge prüft und Alternativen empfiehlt. 2025 waren es 39 Prozent. Eine KI, die Fragen zum bestehenden Versicherungsschutz beantwortet, kommt für 43 Prozent infrage, nach 40 Prozent im Vorjahr.

Besonders deutlich fällt der Zuwachs bei der Schadenschätzung aus. 38 Prozent der Befragten würden gerne eine KI einsetzen, die Fotos eines Unfalls auswertet und eine Einschätzung zur Schadenhöhe liefert. Im vergangenen Jahr lag dieser Wert erst bei 24 Prozent.

Dr. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Bitkom
Bitkom

Die Menschen sammeln immer mehr Erfahrungen mit KI und werden dadurch auch offener dafür, sie bei komplexeren Themen wie Versicherungen einzusetzen. KI kann helfen, Policen besser zu verstehen und die Entscheidungsgrundlage der Versicherten zu verbessern. Gleichzeitig bleiben Versicherungen Vertrauensprodukte, bei denen menschliche Beratung für viele Menschen weiterhin eine wichtige Rolle spielt“

Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer, Bitkom

Menschlicher Berater bleibt bei Empfehlungen vorne

Tatsächlich zeigt die Befragung auch, dass der praktische Einsatz von KI im Versicherungskontext bislang noch begrenzt ist. Rund jede und jeder Zehnte in Deutschland, 9 Prozent, gibt an, vor einem Versicherungsabschluss schon einmal eine KI um Rat gefragt zu haben. Zugleich bleibt die Skepsis gegenüber automatisierten Empfehlungen hoch: Nur 15 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass KI passendere Versicherungs­empfehlungen geben kann als ein Mensch. Für Versicherer und Vermittler ergibt sich daraus ein ambivalentes Bild. Einerseits wächst die Offenheit für KI-gestützte Services, etwa bei Antrag, Policenprüfung, Schadenbearbeitung oder Kundenservice. Andererseits bleibt Vertrauen ein zentraler Faktor. KI dürfte im Versicherungs­vertrieb und in der Betreuung daher zunächst vor allem dort Akzeptanz finden, wo sie Prozesse vereinfacht, Informationen verständlicher macht und menschliche Beratung ergänzt, statt sie vollständig zu ersetzen.

Die Zahlen zeigen damit weniger einen bereits breiten KI-Einsatz im Versicherungsmarkt als vielmehr eine wachsende Erwartung an digitale Assistenzfunktionen. Für Versicherer dürfte es deshalb entscheidend werden, KI-Angebote nicht als Ersatz für Beratung zu positionieren, sondern als niedrigschwellige Unterstützung: beim Verstehen von Policen, beim Vorbereiten von Anträgen und bei der schnelleren Orientierung im Schadenfall. Grundlage der Angaben ist eine repräsentative telefonische Befragung von 1.004 Personen ab 16 Jahren in Deutschland, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Die Befragung fand zwischen Kalenderwoche 11 und Kalenderwoche 14 des Jahres 2026 statt.tw

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