EVENTS & MESSEN8. Juli 2026

Point Zero Forum 2026 – Vertrauen und Zusammenarbeit zwischen Singapore und Europa

Das Point Zero Forum versammelt zahlreiche internationale Teilnehmer in einem Kongresshaus. Die Atmosphäre ist geprägt von Networking und Austausch, während Gäste an Stehtischen stehen und sich unterhalten. Digitale Displays informieren über das Programm.
Das PointZero-FoyerDirk Emminger

Drei Tage lang ein volles Kongresshaus und ein Programm mit vielen internationalen Gästen und Speakern. Das Point Zero Forum dieses Jahr mit ähnlichen Temperaturen wie Singapore – nur in Zürich. Aber: ein sehr interessantes Event mit über 2.000 internationalen Teilnehmern.

von Dirk Emminger

Events sind in dieser Jahreszeit immer ein gewisses „Risiko“. Zürich bei über 30 Grad hält man eigentlich nur am See aus. Die Mischung aus Themen und Menschen war es aber wert, die Tage im vollen Kongresshaus zu verbringen. Es war eine der Veranstaltungen in der man wegen der Themenbreite mehr Panels besucht und zuhört als bei anderen Veranstaltungen. Zentralbanken, Aufsicht, Großbanken, Fintechs, Stablecoin-Anbieter, Infrastruktur und Politik waren vertreten und mit z.B. Paolo Ardoino (CEO von Tether) auch Gäste, die man nicht häufig auf Europäischen Bühnen sieht. 35 Plenarsessions, 14 Deep-Dive-Workshops und 26 Closed-Door-Roundtables gab es an drei Tagen.

Das Forum ist kein einzelner Event es ist eingebettet in weitere Veranstaltungen unter anderem auch dem Singapore Fintech Festival. Das Point Zero Forum findet jährlich statt und wird organisiert vom Global Finance & Technology Network (GFTN) und in der Schweiz unterstüztz vom Staatssekretariats für internationale Finanzfragen (SIF). In Deutschland wird GFTN u.a. durch Matthias Kröner repräsentiert und besitzt ebenfalls ein Büro in Berlin.

Erstmals war das Forum in die Swiss Fintech Week eingebettet, die 2026 Premiere feierte und bestehende Schweizer Formate zu einer Programmwoche bündelt.

Im Rahmen des Point Zero Forum 2026 diskutieren Experten über den Einsatz von KI im Finanzsektor. Auf dem Podium sind mehrere Fachleute versammelt, die verschiedene Perspektiven und Ansätze präsentieren.
Dirk Emminger

Alvin Tan und der WM-Ball: Regeln machen das Spiel erst möglich

Die Eröffnung war ein Panel mit Karin Keller-Sutter, Maria Luis Albuquerque und Andreas Schaffner thematisch zwischen Europas Wettbewerbsfähigkeit, dem Verhältnis von Banken und Kapitalmärkten und der Frage, wie Risikokapital in Europa mobilisiert wird. Das Fazit war, dass weiterhin Europas Unternehmensfinanzierung zu stark auf Fremdkapital ausgerichtet ist. Ihre Botschaft: Innovation braucht Kapital, das zehn Jahre bleiben kann und nicht vom ersten Tag an wie klassische Schulden auf der Bilanz lastet. Auf sie folgte Alvin Tan, Minister of State in Singapur und Board Member der Monetary Authority of Singapore. Tan stieg über den neuen WM-Fußball mit Sensorik, Datenströmen und Entscheidungshilfen für Schiedsrichter ein. Der Vergleich saß, weil er das Kernproblem des Forums greifbar machte. Technologie kann Entscheidungen verbessern. Sie kann sie aber auch schwerer erklärbar machen. Von dort spannte Tan den Bogen zu drei Fronten. Bei KI gehe es ihm nicht um Produktivität allein, sondern um Verantwortung – wer haftet, wenn Systeme nicht mehr nur zuarbeiten, sondern Entscheidungen vorbereiten oder treffen?

Bei der Tokenisierung liege die Gefahr in der Fragmentierung: Digitale Assets bringen wenig, wenn sie über Assetklassen, Währungen und Netzwerke hinweg nicht interoperabel sind. Und bei Quantum gehe es um Resilienz – Infrastrukturen, die heute gebaut werden, müssen auch dann noch vertrauenswürdig sein, wenn sich die Grundlagen der Kryptografie verschieben.

Viele Unterschiedliche Perspektiven und Positionierungen beim Thema Stablecoins

Stablecoins bzw. alle Arten von Krypto und digitalem Geld waren eines der Hauptthemen der Veranstaltung. Sehr konkret wurde es am ersten Tag bei „Tokenizing Trust“ mit Paolo Ardoino von Tether, gemessen an der Marktkapitalisierung derzeit der weltweit größte Stablecoin. Die Debatte drehte sich um die bekannten Streitpunkte: 1:1-Reserve, Lizenzierung, Travel Rule, KYC und uneingeschränkte Rückgabeansprüche.

Das Point Zero Forum 2026 findet in einem großen Veranstaltungsraum statt, in dem zahlreiche Teilnehmer in Gespräche vertieft sind. Sponsorenbanner von Unternehmen wie Binance und Circle sind sichtbar. Die Atmosphäre ist geschäftig und interaktiv.
Dirk Emminger

Ardoino verteidigte Tethers Reserveposition deutlich und verwies auf hohe Bestände in US-Staatsanleihen, Cash-Äquivalenten und Gold. Gleichzeitig wurde klar, wie unterschiedlich die Perspektiven bleiben. Für Stablecoin-Anbieter sind die Instrumente längst gelebte Zahlungs- und Liquiditätsinfrastruktur. Für Aufsicht und Zentralbanken bleiben sie ein Stabilitäts- und Souveränitätsthema.

Dante Disparte von Circle brachte am zweiten Tag die europäische Perspektive in eine ähnliche Richtung: Europa war mit MiCA früh dran, aber die Frage bleibt, ob der digitale Euro, eurobasierte Stablecoins und Bankgeld künftig sinnvoll nebeneinander existieren können. Seine Linie: Nicht ein Geldtyp wird alle anderen verdrängen. Wahrscheinlicher ist ein Multi-Money-System mit Interoperabilität zwischen öffentlichem und privatem Geld.

Interessant war auch der Auftritt von Antoine Martin, Vice Chairman des Governing Board der Schweizerischen Nationalbank. Die SNB sieht beim Retail-CBDC für die Schweiz aktuell keinen akuten Handlungsdruck.

Die vorhandenen Zahlungsinstrumente funktionieren im Inland gut und flächendeckend.“

Antoine Martin, Vice Chairman des Governing Board der Schweizerischen Nationalbank

Anders sieht es bei Wholesale-Zahlungen und grenzüberschreitenden Prozessen aus. Dort prüft die SNB weiter, wie neue Technologien mit bestehenden Systemen verbunden werden können. Die Schweiz rennt nicht jedem CBDC-Narrativ hinterher, sondern hinterfragt, wo Infrastrukturgewinne entstehen.

UBS sehr klare Statements zum Thema AI vom CEO

Sergio Ermotti (CEO der UBS) beschrieb, wie weit AI in seiner und den großen Banken inzwischen operativ angekommen ist. Nach seiner Darstellung arbeitet die UBS bereits mit rund 500 Anwendungen und Agenten. Weitere Use-Cases werden permanent beobachtet und umgesetzt, wenn diese Sinn ergeben. Der Schwerpunkt liegt klar auf Effizienz in Front-to-Back-Prozessen. Rund 80 Prozent der Anwendungen zielen auf interne Abläufe, etwa Research, Portfolioprozesse, Risikoanalysen oder operative Unterstützung. Etwa 20 Prozent adressieren direkt den Mehrwert für Kundenberater, Portfoliomanager, Sales und Trading.

Er beschrieb aber auch, dass es neben den eigenen Herausforderungen ebensolche auf der Kundenseite gibt. Ein Beispiel: Mittlerweile komme es häufiger vor, dass Kunden – gerade im Wealth Management – auf einmal mit nicht nachvollziehbaren Strategien erscheinen. Auf die Nachfrage, ob man diese wirklich umsetzen solle, lautete die Antwort dann:

Antoine Martin, Vice Chairman des Governing Board der Schweizerischen Nationalbank, diskutiert auf dem Point Zero Forum 2026 in Zürich. Neben ihm sitzt eine Moderatorin, die Notizen hält. Die Veranstaltung thematisiert Vertrauen und Zusammenarbeit zwischen Singapur und Europa.
Dirk Emminger

Ja, ChatGPT hat diese als die sinnvollste und beste Strategie ausgewiesen.“

Hier kann man nur mit Wissen und Qualifizierung weiterkommen.

Eine Bank mit 160 Jahren Geschichte wird nicht über Nacht „AI-native“. Aber sie muss AI in ihre Arbeitsprozesse einbauen, weil Kosten, Geschwindigkeit und Servicequalität sonst nicht mehr wettbewerbsfähig bleiben.

Workshops, Live Demos und 1:1 Gespräche

Neben der großen Bühne gab es viele parallele Programmpunkte. Workshops, Round Tables, 1:1‑Gespräche. Hier wurde es fachlich tiefer und spezifischer.

Im Rahmen des Workshops „Unlocking a Cross-Border Multi-Moneyverse“ präsentieren Experten innovative Ansätze zur Integration von CBDCs und Stablecoins. Die Veranstaltung fördert den Austausch zwischen Fachleuten und Unternehmen aus Europa und Singapur.
Dirk Emminger

Aus dem Workshop-Programm stach „Unlocking a Cross-Border Multi-Moneyverse“ heraus. Präsentiert wurde dieser von Giesecke+Devrient. Der Titel klang erstmal etwas konstruiert, der Workshop war es aber definitiv nicht. Wie bringt man CBDCs, Stablecoins, tokenisierte Einlagen und Commercial-Bank-Money-Token so zusammen, dass sie grenz- und plattformübergreifend nebeneinander funktionieren. Das Podium war mit ganz unterschiedlichen Personen sehr international besetzt: Matilda Asante-Asiedu (Second Deputy Governor, Bank of Ghana), Tom Mutton (Executive Director Payments Innovation & Fintech, Bank of England) und Wijitleka Marome (Bank of Thailand) saßen drei Notenbanken aus drei Kontinenten am Tisch – flankiert von Wolfram Seidemann (CEO Currency Technology, Giesecke+Devrient) und moderiert vom Digital Monetary Institute.

Auch sehr konkret – mit Live-Demo und einer Reihe echter Frontend-Slides wurde es bei „Next Wave: Agentic Wealth Management – powered by OpenWealth API“. Der Slot passte inhaltlich unmittelbar zu dem Problem, das die UBS zuvor beschrieben hatte: KI, die im Wealth Management plötzlich am Kundentisch mitredet.

Die Ausgangsfrage: Was passiert im Wealth Management, wenn AI-Agenten nicht mehr nur Informationen zusammenfassen, sondern mit Bank- und Portfoliosystemen arbeiten? Portfolios abfragen, Abweichungen von der Anlagestrategie erkennen, Rebalancing vorbereiten, mit Custodians, Portfolio-Management-Systemen und Kundenplattformen interagieren.

Das funktioniert nur mit Standards. Die OpenWealth-API soll den Zugriff auf Kundendaten und Custody schon heute über einheitliche Schnittstellen erleichtern. Darauf setzt die Organisation nun die nächste Schicht: ein OpenWealth Model Context Protocol, kurz MCP.

Kurze Erklärung: Eine klassische API ist eine Schnittstelle für Entwickler. Ein Mensch liest die Dokumentation, baut die Integration und legt vorab fest, welches System welche Aktion auslösen darf. Das funktioniert hervorragend in einer Welt, in der Menschen interagieren. Für Agenten ist genau das der Bruch. Ein Agent lässt sich nicht für jede denkbare Aktion vorab festverdrahten; er muss zur Laufzeit erkennen, welche Werkzeuge es gibt, was sie tun und ob er sie benutzen darf. Genau hier setzt MCP an – nicht als Ersatz der API, sondern als standardisierte Werkzeug- und Berechtigungsschicht darüber. Die API liefert weiterhin Daten und Funktionen; MCP macht sie für Agenten auffindbar, semantisch verständlich, auditierbar und an Zustimmung gebunden.

Dominic Greenwood (Expersoft) sowie Simon Alioth und Raphael Bianchi (OpenWealth Association/Synpulse8) führten das an einem Beispiel vor: Ein Agent erkennt auf Basis standardisierter Daten eine Abweichung von der Anlagestrategie und stößt über MCP ein Re-balancing an. Das ist genau die Art von Use Case, die Banken ernst nehmen sollten. Denn Agentic AI wird im Finanzsektor nicht daran scheitern, dass Modelle keine Texte schreiben können. Sie wird daran scheitern, wenn Berechtigungen, Datenqualität, Haftung und Systemzugriffe nicht sauber gelöst sind.

Genau diese Grenze denkt Ledger noch eine Ebene tiefer, nicht im Protokoll, sondern in der Hardware. Ian Rogers, Chief Human Agency Officer bei Ledger, bringt den Governance-Punkt auf den Punkt:

Künftig wird jedes Unternehmen die Zahl der Agenten pro Mitarbeiter zählen. Sicherzustellen, dass jede folgenreiche Aktion autorisiert, überprüfbar und durch klare Richtlinien geregelt ist, ist dann keine Option, sondern Pflicht: eine klare Grenze zwischen dem, was ein Agent vorschlägt, und dem, was er am Ende tun darf.“

Das Point-Zero-Forum lief nicht nur auf den Bühnen. Im Hintergrund sorgte eine Networking-App dafür, dass sich Teilnehmer gezielt verabreden konnten.

Ein Teilnehmer des Point Zero Forum in Zürich präsentiert sich in einem blauen Anzug mit einer Konferenz-Badge. Im Hintergrund sind weitere Teilnehmer und die Veranstaltungsumgebung sichtbar, die auf eine aktive Diskussion hinweist.
Dirk Emminger

Cardano, für die meisten nur ein Kürzel im Kurstableau (ADA), ist unter der Haube ein Sonderfall. Erstens ist es die erste Blockchain, die auf peer-reviewter Forschung aufsetzt und nach evidenzbasierten Methoden entwickelt wurde. Zweitens steht mit Ouroboros das erste nachweislich sichere Proof-of-Stake-Verfahren dahinter, und drittens zielt der Fokus weniger auf Krypto als auf reale Anwendungen wie Identitätsnachweise und Marktstruktur.

Genau an diesem dritten Punkt setzte Sandro Knöpfel von Cardano an:

Die Zukunft der digitalen Finanzmärkte wird nicht allein durch die Tokenisierung geprägt, sondern durch das Zusammenspiel von Vermögenswerten, Identität und verifizierbarem Vertrauen auf gemeinsamer Infrastruktur.“

Den passenden Schlusspunkt lieferte Jonathan Knoll von etonec. Seine Bilanz nach den drei (sehr heißen) Tagen: Die Frage sei nicht mehr, ob Stablecoins, Tokenisierung und KI den Finanzsektor umbauen, sondern wie schnell die Institute liefern.

Sandro Knöpfel von Cardano steht vor dem Schriftzug „MEETINGS“ während des Point Zero Forum 2026 in Zürich. Im Hintergrund sind Teilnehmer in einem informellen Setting zu sehen, was die Atmosphäre des Events unterstreicht.
Dirk Emminger

Execution over the next 12-24 months will matter far more than strategy documents.“

Fazit

Das Forum ist gerade durch die Vielzahl der unterschiedlichen Teilnehmer eine sehr interessante und sehr internationale Veranstaltung. Klar wurde, es geht selten um die Technologie an sich, fast immer um die Frage, wer ihr vertrauen kann und wie viel der Hype Themen man umsetzen kann und ob es einen wirklichen Use-Case gibt. Ein Token, ein Stablecoin, ein autonomer Agent sind für sich wenig wert; erst mit Identität, Haftung und Nachvollziehbarkeit entsteht eine sinnvolle und in der Praxis nutzbare Infrastruktur.

Ausblick

Das Point Zero Forum ist der europäische Vorposten des Global Finance & Technology Network (GFTN). Dort geht es deutlich größer im November weiter. Das Singapore Fintech Festival zählte 2025 über 70.000 Teilnehmer.

Save the Date: Singapore Fintech Festival, 18.–20. November 2026.Dirk Emminger

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