ANWENDUNG22. Mai 2026

Mehrheit sieht KI im Finanzbereich als Chance: Jeder Vierte vertraut KI stärker als menschlicher Beratung

KI und Banking-Apps mehr Bedeutung für Finanzentscheidungen
ChatGPT

Künstliche Intelligenz gewinnt auch im Finanzbereich zunehmend an Bedeutung. Mehr als jede und jeder Vierte in Deutschland kann sich vorstellen, künftig den Großteil der eigenen Finanzentscheidungen einer KI zu überlassen. Gleichzeitig lehnt rund die Hälfte den Einsatz von KI bei Finanzthemen grundsätzlich ab. Dennoch sieht eine knappe Mehrheit KI im Finanzsektor eher als Chance denn als Risiko. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Digitalverbands Bitkom hervor.

Während mehr als jede und jeder Vierte (27 Prozent) sich vorstellen kann, einer KI künftig den Großteil der eigenen Finanzentscheidungen zu überlassen, lehnt rund die Hälfte (49 Prozent) die Nutzung von KI bei Finanzthemen grundsätzlich ab. Gleichwohl sehen 56 Prozent der Deutschen den KI-Einsatz im Bereich Finanzen als Chance, 40 Prozent als Risiko. Das sind Ergebnisse einer Befragung von 1.004 Personen ab 16 Jahren in Deutschland im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Auch beim Einsatz von KI im Finanzbereich zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Generationen: In der Altersgruppe der 16- bis 29-Jährigen sehen 68 Prozent Chancen in KI-Anwendungen rund um Finanzen, während dies bei den über 65-Jährigen nur etwas mehr als ein Drittel (35 Prozent) so bewertet.

KI verändert die Finanzbranche schon jetzt und langfristig dürfte es keine Bank geben, die auf KI verzichtet. Viele Verbraucher müssen von dem Nutzen einer Finanz-KI aber noch überzeugt werden. Finanzen sind eine Vertrauensfrage. Daher müssen KI-Anwendungen gerade hier transparent, sicher und in ihren Aussagen nachvollziehbar sein.“

Ralf Wintergerst, Präsident Bitkom

Mehr Vertrauen in KI-Beratung, aber Angst vor Betrug

Der Hoffnung auf bessere Beratung durch KI steht bei vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern die Sorge vor finanziellem Betrug gegenüber. So sind 30 Prozent der Deutschen überzeugt, dass KI Finanzthemen besser erklären kann als ein Mensch. Jede und jeder Vierte (24 Prozent) vertraut KI sogar stärker als einer klassischen Finanzberatung. Gleichzeitig geben 62 Prozent an, wegen KI größere Sorgen vor Betrug zu haben. Bereits ein Viertel der Befragten (25 Prozent) hat nach eigenen Angaben KI-Anwendungen wie ChatGPT bei finanziellen Fragen um Rat gefragt. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst betont, dass KI die klassische Finanzberatung nicht nur unterstütze, sondern zunehmend auch mit ihr konkurriere.

Ob KI-Anwendungen, Online-Banking oder Videoberatung: Viele Kunden sehen bei den digitalen Angeboten ihrer Banken weiterhin Verbesserungsbedarf. Im Durchschnitt bewerten sie die aktuellen Digitalangebote der Institute mit der Note „befriedigend“ (3,0). Damit bleibt die Zufriedenheit im Vergleich zu den Vorjahren nahezu unverändert (2025: 3,1; 2024: 2,9; 2023: 3,1). Laut Wintergerst haben Banken bei der Digitalisierung zwar deutliche Fortschritte gemacht, gleichzeitig seien aber auch die Erwartungen der Kundinnen und Kunden gestiegen.

Bitkom: KI und Banking-Apps gewinnen an Bedeutung für Finanzentscheidungen
Bitkom

App und Mobile Payment gewinnen an Relevanz

Digitale Angebote spielen für viele Bankkunden inzwischen eine zentrale Rolle bei der Wahl ihrer Bank und sind teilweise wichtiger als klassische Kriterien wie Filialnetz oder persönliche Beratung. Zwar stehen niedrige Bankgebühren mit 94 Prozent weiterhin an erster Stelle, direkt dahinter folgt jedoch bereits eine benutzerfreundliche Banking-App, die für 87 Prozent wichtig ist. Damit hat die Bedeutung von Apps gegenüber dem Vorjahr nochmals deutlich zugenommen (2025: 78 Prozent). Auch Mobile Payment gewinnt an Relevanz: Während 2025 noch 62 Prozent Wert auf entsprechende Bezahlmöglichkeiten legten, sind es inzwischen 72 Prozent. Zudem ist 70 Prozent der Befragten ein breites Angebot beim Online-Banking wichtig. Kryptowährungen spielen dagegen nur für rund ein Fünftel (21 Prozent) eine Rolle.

Gleichzeitig bleiben klassische Bankleistungen weiterhin relevant. So achten 87 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher auf viele kostenlos nutzbare Geldautomaten, 79 Prozent wünschen sich einen gebührenfreien Zugang zu Bargeld im Ausland. An Bedeutung verlieren dagegen Filialen und persönliche Beratung: Viele schnell erreichbare Filialen sind nur noch für 45 Prozent wichtig (2025: 50 Prozent), persönliche Beratung für die Hälfte der Befragten (50 Prozent; 2025: 54 Prozent).

Online-Banking Standard, Bankfilialen unter Druck

Mehr als der Hälfte (55 Prozent) der Kunden würde ohne Bankfilialen nichts fehlen und ebenso viele (55 Prozent) gehen nur dann in die Filiale, wenn es ihr Anliegen zwingend erfordert. 4 von 10 (39 Prozent) sagen, sie können sich online genauso gut beraten lassen wie in einem Gespräch in der Filiale. Wintergerst konstatiert, dass die alltäglichen Bankgeschäfte weit überwiegend digital abgewickelt werden. „Umso wichtiger ist, dass Bankkunden in den Filialen vor Ort nicht nur freundlich, sondern auch in komplexen Fragen hochkompetent betreut und beraten werden.“

Online-Banking bleibt in Deutschland weit verbreitet, gewinnt derzeit aber kaum noch zusätzliche Nutzer. Aktuell nutzen 84 Prozent der Deutschen entsprechende Angebote, nach 86 Prozent im Jahr 2025 und 81 Prozent im Jahr 2023. Besonders hoch ist die Nutzung bei den unter 65-Jährigen: In der Altersgruppe der 16- bis 29-Jährigen nutzen 90 Prozent Online-Banking, bei den 30- bis 49-Jährigen sowie den 50- bis 64-Jährigen sind es jeweils 95 Prozent. Deutlich zurückhaltender zeigen sich ältere Menschen. Zwar verwenden bei den 65- bis 74-Jährigen noch 78 Prozent Online-Banking, bei den über 75-Jährigen ist es jedoch nur noch rund ein Drittel (35 Prozent).

Bitkom: KI und Banking-Apps gewinnen an Bedeutung für Finanzentscheidungen
Bitkom

Für die Hälfte ist die App der wichtigste Kontakt zur Bank

Für viele Nutzer ist Online-Banking inzwischen der wichtigste Zugang zur eigenen Bank. 39 Prozent setzen ausschließlich auf digitale Angebote, weitere 46 Prozent kombinieren Online-Banking mit gelegentlichen Filialbesuchen. Nur 12 Prozent gehen überwiegend in die Filiale und nutzen Online-Banking lediglich ergänzend. Dabei gilt zunehmend das Prinzip „mobile first“. So erwarten 63 Prozent der Bankkundinnen und -kunden, zentrale Finanzangelegenheiten vollständig per App erledigen zu können. Entsprechend hoch fällt die Nutzung aus: 92 Prozent der Online-Banking-Nutzenden verwenden die Banking-App ihrer Bank. 70 Prozent von ihnen zeigen sich zufrieden und geben an, dass die App alle wichtigen Funktionen bereitstellt. Dennoch bleibt auch der Browser relevant, der weiterhin von 69 Prozent genutzt wird.

Für rund die Hälfte der Kunden (51 Prozent) ist die Banking-App inzwischen der wichtigste Kontaktpunkt zur Bank. Ein wesentlicher Grund dafür ist die ständige Verfügbarkeit: 86 Prozent schätzen es, jederzeit Zugriff auf ihre Konten zu haben. Gleichzeitig gehen viele vergleichsweise sorglos mit Sicherheitsfragen um. So erledigen 46 Prozent ihre Bankgeschäfte per App auch an öffentlichen Orten wie Cafés oder in der Bahn. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst empfiehlt deshalb, unterwegs nur sichere Netzwerke zu nutzen und sensible Informationen vor fremden Blicken zu schützen.

Künftig könnten Banking-Apps zudem weit über klassische Finanzdienstleistungen hinaus genutzt werden. 69 Prozent der Befragten können sich vorstellen, ihre Banking-App auch zur digitalen Identifizierung einzusetzen, etwa als Ausweis- oder Altersnachweis. Knapp die Hälfte (49 Prozent) wäre zudem offen dafür, weitere digitale Nachweise wie Gehaltsnachweise in der App zu hinterlegen. Laut Wintergerst genießen Banken beim Umgang mit sensiblen Daten großes Vertrauen, wodurch sich neue Möglichkeiten für digitale Identitätsdienste ergeben könnten.

Banken genießen großes Vertrauen beim Umgang mit sensiblen Daten. Das eröffnet Chancen für neue digitale Identitätsdienste und zusätzliche Angebote weit über klassische Finanzdienstleistungen hinaus.“

Ralf Wintergerst, Präsident Bitkomtw

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