STUDIEN & UMFRAGEN26. April 2021

Beyond Banking rückt näher: Banken forcieren Aufbau von digitalen Ökosystemen

PwC

Deutsche Banken wandeln sich von reinen Finanzdienstleistern zu Alltagsbegleitern ihrer Kunden in Gelddingen. Die Verknüpfung in Ökosystemen bietet die Chance, bankferne Produkte und Services aus verschiedenen Lebenswelten in das eigene Angebot zu integrieren. Durch die steigende Bedeutung digitaler Ökosysteme wird es für die Banken immer wichtiger, die Konzeption und den Ausbau von Plattformmodellen voranzutreiben. Mit Hilfe modularer Plattformen und Schnittstellen können den Kunden zukünftig digitale Lösungen und Produkte angeboten werden, die weit über klassische Finanzdienstleistungen hinausgehen, fasst Tomas Rederer, Partner und Head of Digital Operations bei PwC Deutschland, eine neu veröffentlichte Studie der Unternehmensberatung zusammen.

Wie die PwC-Studie zur Relevanz digitaler Ökosysteme für deutsche Geldhäuser zeigt, treiben deutsche Banken den Aufbau digitaler Ökosysteme inzwischen mehr oder weniger energisch voran. Mehr als 97 Prozent der Banken sehen dem eigenen Vernehmen nach eine sehr hohe strategische Relevanz von digitalen Ökosystemen für den deutschen Bankenmarkt in den nächsten fünf Jahren, gut 95 Prozent wollen in fünf Jahren eine eigene Plattform betreiben oder auf einer anderen präsent sein. Und immerhin 62 Prozent der befragten Bank-Entscheider erklärten, in ihren Häusern würden bereits Konzepte dafür entwickelt. Diese Dringlichkeit ist im Hinblick auf typische „Winner-takes-all“-Effekte von Netzwerkplattformprodukten auch dringend erforderlich.

PwC

Knapp 60 Prozent der Befragten gaben an, dass sie in fünf Jahren mehr als zehn Prozent ihres Umsatzes über digitale Ökosysteme erzielen wollen. Nach Ansicht der Manager eignen sich die Themenwelten Wohnen, Mobilität, Konsum, Gesundheit und Freizeit besonders für eine Einbindung in ein Ökosystem. Die hohen Ertragserwartungen, die an die Plattformen geknüpft werden, spiegeln sich aktuell allerdings noch nicht in der Investitionsbereitschaft wider: im kommenden Jahr wollen 43 Prozent bis zu 500.000 Euro in den Aufbau eines digitalen Ökosystems fließen lassen. Knapp ein Viertel plant nur moderate Investitionen von bis zu 100.000 Euro.

Gemeinsam mit den Kooperationspartnern steht die Steigerung der Alltagsrelevanz für Kunden im Fokus der Banken. So profitieren alle Beteiligten von einer neu entstehenden Wertschöpfungskette. Im Ökosystem „Wohnen“ können Banken zum Beispiel auf Plattformen umfangreiche Services und Produkte bereitstellen, die Kunden bisher nur abseits der Bank erreichen konnten: Versicherungsangebote werden eingeholt, verglichen und abgeschlossen, Umzugsunternehmen bestellt, Handwerker für Hausbau, Sanierung und Instandhaltung vermittelt, Smart-Home-Technologien installiert sowie die Renditeaussichten der Immobilie für die Altersvorsorge geschätzt.

PwC-Studie zeigt: Beyond Banking rückt näher

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In anderen Branchen konnten bereits Ökosysteme entstehen, ohne dass entscheidende Kundenschnittstellen von Banken besetzt werden. Deutsche Banken haben ihren dringenden Handlungsbedarf erkannt, die Operationalisierung der Digitalplattformen ist häufig aber noch ungeklärt.“

Tomas Rederer, Partner und Head of Digital Operations bei PwC Deutschland

Zudem sollten Banken beim Aufbau ihrer Schnittstellen auf eine vielfältige Nutzbarkeit abzielen, um sich an mehreren Ökosystemen beteiligen zu können. Hierbei wird vor allem die Modularität und Kombinierbarkeit des eigenen Produkt- und Serviceportfolios mit Leistungen des Partners verknüpft. Die Umsetzung dieser Projekte sollte dabei, so beurteilt es die PwC, von der Kern-IT der Bank entkoppelt werden.

Es ist nicht die erste Studie dieser Art: Im vergangenen Jahr erforschten die Unternehmensberater das Potenzial, das die Coronakrise im Banking-Bereich freisetzt. tw

 
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